Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1903-08-03 · Heft 61 (3.8.1903) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 61 (3.8.1903)
Date
1903-08-03
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
99% known words query
IRI
…/2446951-2449890-2449947--58767-2523201
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Ää >±.*1: .I-i V±&<:^iA£L'Jih-z^ - -J> 1347 Verstecke waren genug vorhanden und wohlverborgen < warteten sie hier auf Juda. Sie brauchten nicht allzulange zu warten, die Ungeduld hatte den Verräther frühe hierhergetrieben. Ahnungslos trat er auf Einladung der einzigen zurückgebliebenen Dienerin in das Zimmer. Erwartungsvoll ließ er sich auf den ersten Sessel fallen, um die Tochter des Hauses zu erwarten. Er war seiner Sache sicher. Da stürzten plötzlich von vier verschiedenen Seiten vier vermummte Gestalten auf ihn. Jeder Widerstand war vergeblich und im Nu lag er gefesselt am Boden; ein Knebel wurde ihm in den Mund gesteckt, um ihn so am Schreien zu verhindern. „So da liege, Verräther, bis wir Dich holen," rief ihm Elieser zu, und ohne jedes weitere Wort verließen sie das Haus, nachdem sie vorher alle Thüren sorgfältig - zugeschlossen und die Dienerin entlassen hatten. Juda hatte seine Gegner trotz der Vermummung erkannt. Er wußte, was er zu erwarten hatte, und wie ein gefesselter Stier raste er, um sich der Fesseln zu entledigen, doch umsonst, sie hielten seinen Anstrengungen stand. Rufen konnte er auch nicht, der Knebel in seinem Munde war zu gut angebracht. Erschöpft von der Anstrengung fiel er wie betäubt zurück. Endlich erwachte er wieder aus seiner Betäubung. Die Sonne stand schon sehr tief, er mußte also lange bewußtlos gewesen sein. Er spürte Hunger, seine Glieder schmerzten ihn von den Fesseln. Was hatte man eigentlich mit ihm vor? Wie war das alles gekommen? Waren die Bewohner des Hauses entflohen und hatte man ihn allein zurückgelassen? Sollte er liegen bleiben, bis er verhungerte? Mit allen diesen Fragen zermarterte er sein Gehirn, ohne jedoch irgendwelchen Aufschluß darüber zu finden. Noch einmal versuchte er die Fesseln zu sprengen und ein Hilferuf auszustoßen. Umsonst. Geduldig ergab er sich endlich in sein Schicksal. Sollte da kommen, was wollte; verdient hatte er sein Schicksal, wie er sich in seinem Innern eingestand. Dunkle Nacht; Heulend blies der Sturm um das Haus. Von heftigem Durst gequält, erwachte Juda aus seinem unruhigen Schlafe. Es was ihm alles wie ein Traum, doch die Fesseln und die Unfähigkeit, ein Wort herauszubringen, überzeugten ihn bald von der schrecklichen Wirklichkeit. Doch was war das? Ertönten da nicht Tritte im Hause, die sich ihm immer mehr näherten. Rettung! Das war sein erster Gedanke. Aber konnten es nicht jene sein, die ihn. in diese Lage gebracht hatten? Es war ihm jetzt alles gleich. Nur hinweg von hier! und nicht verhungern! das war sein Gedanke. Seine Vermuthung bestätigte sich.- Alsbald öffnete sich die Thüre und Elieser mit einem seiner Genossen traten in's Zimmer. Er konnte sie ganz deutlich beim Scheine ihrer Fackel erkennen. „Stehe auf. Verräther. Du sollst nun Deinen verdienten Lohn erhalten, zwar nicht in klingender Münze, doch-- Die letzten Worte wurden vom Heulen des Windes übertönt. Ohne jedes weitere Wort banden sie seine Fesseln los. führten ihn hinaus und banden ihn auf eines der bereitstehenden Pferde. Den Knebel aus dem Munde entfernten sie ihm klugerweise nicht. Niemand bemerkte etwas von diesem nächtlichen Vorgänge und bald hatte Elieser mit seinem Gefangenen die Ruine erreicht, wo er allseitig freudig begrüßt wurde. „Da bringen wir ihn," rief Elieser seinen Freunden von weitem zu. Grimmige Blicke richteten sich auf den mit gesenktem Haupte dastehenden Juda, die Jünglinge vermochten kaum ihren Ingrimm zu bemeistern. Elieser konnte sie kaum von Thätlichkeiten zurückhalten. »Josef fehlt noch." rief einer der Anwesenden. „Josef wird auch nicht heute Abend kommen, er beauftragte mich, es Euch zu sagen. Er will versuchen, durch irgend ein Mittel in das Gefängniß zu dringen und Don Manuel zu befreien. Wenn es ihm gelingt, wird er ihn alsbald zu seiner Familie bringen und ihnen bei der Flucht behilflich sein. Mißlingt jedoch sein Versuch, so wird er heute Abend noch hierher kommen. Kommt er nicht, so ist das schon ein gutes Zeichen." „Kann ihm denn nicht vielleicht etwas passirt sein, daß er nicht kommen kann," warf einer der Jünglinge dazwischen. „Darüber beruhige Dich. Dazu kenne ich Josef zu gut. er läßt sich so leicht nicht fangen. Was wollen wir aber mit Juda machen? Ich möchte gerne warten, bis Josef kommt, aber was sollen wir inzwischen mit ihm machen?" „Josef sagte doch selbst, er müsse sterben! Tödten wir ihn also!" riefen verschiedene der Versammelten. Juda, der dies alles mit angehört hatte, vernahm mit Entsetzen die letzten Worte. Flehentlich bat er: „Tödtet mich doch nicht! Nehmet alles, was ich habe, nur lasset mich leben. Ihr habt recht, ich war der Verräther; doch das that ich nicht um des Geldes willen. Lasset mich doch am Leben, habt Erbarmen!" „Hattest Du Erbarmen, als Du uns verriethest und alle Deine Brüder dem Scheiterhaufen überliefert hast, die nur durch Gottes Hilfe gerettet wurden? Hattest Du da Erbarmen? Aber siehe, wir vergelten nicht Böses mit Bösem, obgleich man Dich wie einen Hund tödten sollte. Du weißt, noch schmachtet Don Manuel im Kerker, und wisse, sollte ihm auch nur ein Haar gekrümmt werden, so hat auch Deine letzte Stunde geschlagen. Das schwöre ich Dir bei Gott, damit Du aber in dieser Zeit nicht wieder Deine Bosheiten ausführen kannst, werden wir Dich weiter gefangen halten, bis sich Dein Loos, entschieden hat." i

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.