Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 61 (3.8.1903)
- Date
- 1903-08-03
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1844 schüft auf ferne Bedeutung für uns zu prüfen und es selbst in dem Falle, daß wir es ablehnen müssen, als mehr oder minder werthvollen Beitrag zur Selbstcharakteristik des Judenthums anzusehen." Läßt sich eine größere Infamie denken? Also alles, was jüdische Männer mit reinen Händen der Wissenschaft darbringen, hat nur ein sekundäres Interesse, zählt unter den schmutzigen Händen der Rassenhasser bloß als „Beitrag zur Selbstcharakteristik des Judenthums". Und diese Staatsbürger-Zeitung-Weisheit wird von den beiden Herausgebern des Jahrbuchs der Deutschen Shakespeare-Gesellschaft sanktionirt? Im Einzelnen kühlt dann Bartels namentlich an dem Aufsatz „Dreihundert Jahre Shylock-Schimpf" sein Mütchen. Adolf Gelber mag die vielen Ansichten immer vortragen: sie sind jedenfalls nicht so beschaffen, daß ihn sein Widersacher einer bewußten Fälschung zeihen könnte (er redet nur von einer Fälschung der Phantasie). Eben darum hat er aber nun und nimmer das Recht, alle Gesetze des literarischen Anstandes mit Füßen zu treten. Wenn Gelber einen Sah wie den niederschreibt: „Es gibt so vieles, das unsäglich schlimmer ist als der Bruch der Gattentreue," so mag man dagegen jeden beliebigen Standpunkt einnehmen; es ist jedoch perfid, hier den tiefgreifenden Unterschied religiösen Gefühls seststellen zu wollen: „Freilich, man darf.nie vergessen: Gelber ist Jude, er sieht anders wie wir, er fühlt auch anders." Auch an einer fricheren Stelle wird eine ganz nebensächliche Verschiedenheit der Auffassung — denn darauf läuft doch das ganze Geschrei hinaus — mit einer ähnlichen Motivirung abgethan: „. . . . eine verblüffend einfache Erklärung, die aber wohl nur der jüdischen Seele eingehen wird." In keinem andern Kulturland der Welt wird eine solche Kampfesweise geübt. Wir möchten nur wissen, was die Engländer und Amerikaner, wenn sie das Jahrbuch der Deutschen Shakespeare-Gesellschaft lesen, dazu sagen würden. Da sie Herrn Bartels wahrscheinlich nicht kennen, müßten sie die Sache weit ernster nehmen, als wir es vermögen. In letzter Linie bleibt der Makel nicht an dem gleichgiltigen Rezensenten des Jahrbuchs, sondern an der deutschen Wissenschaft hängen. Köln, Ende Juli. Dem Jahresbericht des „Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen zu Köln" ist zu entnehmen: In den wenigen Jahren seit Gründung des Vereins hat es sich gezeigt, wie groß das Vedürfniß nach jüdischen Pflegerinnen sowohl in der schnell wachsenden Gemeinde unserer Stadt, als auch in den größeren Nachbargemeinden Rheinlands und Westfalens gewesen ist. — Vielfach waren wir bei der noch beschränkten Zahl unserer für die Privatpflege verfügbaren Schwestern nicht in der Lage, allen an uns gestellten Ansprüchen gerecht zu werden. -- Von verschiedenen Gemeinden wurde auch in diesem Jahre wieder das Ersuchen an uns gerichtet, ihnen eine Schwester zur dauernden Thätigkeit für ihren Bezirk zu überlassen. Abgesehen davon, daß es bei den wenigen Privatpflegerinnen nicht möglich war. diesen Wünschen zu entsprechen, halten wir es für unzweckmäßig und für unsere Bestrebungen nicht ersprießlich, einzelne Schwestern in kleineren Gemeinden dauernd zu stationiren. Zu häufig würde ihnen hier die genügende Thätigkeit mangeln, während andererseits nur die innigen Beziehungen und Berührungen mit der Schwesterngemeinschast und dem Krankenhaus, sowie die regelmäßige Arbeit geeignet sind, die Fortbildung, die wahre Verufsfreudigkeit. den gerechten Berufsstolz und dadurch auch die so nöthige, soziale Achtung unserer Schwestern zu sichern. Auch mußten wir dir Gesuche von Gemeinden und anderen Pflegerinnen-Vereinen, uns zu überweisende Mädchen für sie auszubilden. ablehnen, weil wir für die Bedürfnisse der hiesigen und der benachbarten Gemeinden noch nickt genug Schwestern haben. Wir sind aber gerne bereit — und haben es uns seit Gründung unseres Vereins zur Aufgabe gemacht — in einzelnen Krankheitsfällen Schwestern nach auswärts zur Pflege in Familien zu entsenden. Die Zahl unserer Schwestern betrug im Anfang des Berichtsjahres 12; dazu kamen 3 Schülerinnen, welche am Chanukahfeste mit einer kleinen Feier unter unsere Schwestern ausgenommen werden konnten Wir traten mit 14 Schwestern in das Jahr 1903. Von 5 im Berichtsjahr aufgenommenen Schülerinnen erwiesen sich nur 2 für ihren Beruf geeignet; 3 waren wir genöthigt, wieder zu entlassen. Als unsere nächste und dringlichste Aufgabe in der Fürsorge für unsere Schwestern müssen wir den Bau eines Schwesternhauses ansehen; unsere bisherigen Miethswohnungen stellen nur einen sehr unvollkommenen Ersatz dafür dar. Rur ein zweckmäßig eingerichtetes Schwesternheim mit Unterrichts- und Erholungsräumen, sowie sorgfältig abgesonderten Schlafzimmern für die im Nachtdienst befindlichen Pflegerinnen wird unseren Schwestern die ruhige Behaglichkeit eines Familienhauses schaffen können. Das Kuratorium des Israel. Asvls hat sich bereit erklärt, auf dem von ihm für den Neubau der Kranken- und Altersversorgungsanstalt erworbenen großen Terrain in Köln-Ehrenfeld einen geeigneten Platz für das Schwesternheim dem Verein zur Verfügung zu stellen. Mögen die vielen Freunde unseres Vereins, besonders aber die Frauen, uns bei der Schaffung eines genügenden Baufonds für das Schwesternhaus ihre werkthätige Hilfe nicht vorenthalten. Lübeck, Ende Juli. (Altenheim.) Eine Vereinigring hiesiger Gemeindemitglieder hat in Gemeinschaft mit Herrn Rabbiner Dr. Carlebach sich die