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Der Israelit · 1903-08-03 · Heft 61 (3.8.1903) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 61 (3.8.1903)
Date
1903-08-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
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B^qap n imi 1343 msgesammt 29 Personen, Männer, Frauen und Kinder, die nicht direkt vom Maffakre betroffen wurden und daher auch von dem Hilfskomitee für Kischinew nicht unterstützt werden konnten. Der größte Theil der Flüchtlinge ist vollständig mittellos, so daß für sie unter ihren hiesigen Glaubensgenossen Geldsammlungen veranstaltet werden. Der Hilfsverein der deutschen Juden und andere Unterstützungsverbände haben mit Rech! auf das dringendste vor jeder Auswanderung gewarnt. Es ist völlig ausgeschlossen, eine größere Anzahl jüdischer Auswanderer irgendwo unter erträglichen Verhältnissen unterzubringen oder zu unterhalten. Rur durch die Verhinderung jeder Auswanderung, gerade im ersten Keim, ist es möglich, den Kischinewer Juden Hilfe zu bringen. Nur in ihrer Heimath kann für sie gesorgt werden; zu ihrer Ueberführung nach Amerika oder anderen Staaten fehlt es ebenso an allen Mitteln, wie zur Beschaffung von dauernden Brodstellen in der Fremde. Obenein ist es nicht unwahrscheinlich, daß die mittellosen Auswanderer von der Aufnahme in Amerika ausgeschlossen werden. Unter diesen Umständen kann nicht ernst genug davor gewarnt werden, die Auswanderung aus .Kischinew oder sonstigen russischen Orten anzuregen oder zu unterstützen und die Meinung zu erwecken, es brauchten nur Leute, die sich um die Rathschläge der Hilfsvereine nicht kümmern, nach Berlin zu kommen, um ausreichender Unterstützung durch ihre mildthätigen Glaubensgenossen gewiß zu sein. Wenn ein solcher Wahn aufkäme, würde Berlin bald mit Tausenden und.Zehntausenden russischer und anderer Auswanderer überschwemmt, die bei aller Mildthätigkeit der Juden nur einem elenden Loose, vielleicht einem viel elenderem entgegengingen, als es bisher über sie verhängt war. Deßhalb ist es nöthig, dieser Bewegung bei ihrem Beginn zu steuern und in Kischinew und ähnlichen Orten keinen Zweifel darüber aufkommen zu lassen, daß jüdische Familien, die entgegen den Wünschen der Hilfsvereine auf eigene Verantwortung ihre Heimath verlassen, in Berlin und anderwärts auf keine Unterstützung zu rechnen haben. Sie können nur dann Hilfe finden, wenn sie sich den wohlüberlegten aus der Kenntniß der thatsächlichen Verhältnisse entsprungenen Anordnungen der anerkannten Hilfsorganisationen fügen. Frankfurt a. M., 31. Juli. (Der Bartels i st wieder los!) Der „Frkf. Ztg." wird geschrieben: „Zu der kath. Wissenschaft, die bekanntlich zu unseren Zeiten in Deutschland blüht, scheinen wir nun auch noch eine jüdische zu bekommen. Zwar, wir haben sie vielleicht schon lange, nur dünkte es ihre Vertreter bisher wohl nicht ersprießlich, den Schein der Zugehörigkeit zu der großen einen und untheilbaren Wissenschaft, die trotz der katholischen Abzweigung immer noch existirt, aufzugeben — sollte dies jetzt anders werden und eine reinliche Scheidung eintretcn, so haben wir Deutschen jedenfalls keine Ursache, darüber böse zu sein, und die Wissenschaft an sich kann nur dadurch gewinnend Diese Sätze stehen nicht etwa in einem geschäftsantisemitischen Leitartikel, sondern sie leiten im letzten Bande des Jahrbuchs der Deutschen Shakespeare-Gesellschaft (Herausgeber Alois Brandl und Wolfgang Keller) eine Besprechung des Buches „An der Grenze zweier Zeiten. Freie Reden über Shakespeare," von Adolf Gelber ein.*) Der Verfasser dieser Kritik ist der sattsam bekannte Herr Adolf Bartels. Bisher pflegten wissenschaftliche Publikationen in Deutschland konfessionellen Fragen nach Möglichkeit aus dem Wege zu gehen. Das Shakespeare-Jahrbuch, an dessen Wissenschaftlichkeit kein Kundiger zweifeln kann, scheint mit diesem löblichen Brauch brechen zu wollen. Wenigstens hat es ihn in diesem Falle ganz eklatant gebrochen. Denn die Kritik des Herrn Bartels brüstet sich zwar wiederholt mit ihrer „Wissenschaftlichkeit" — wieviel unlautere Nebenabsichten bergen sich oft in diesem faltenreichen Mantel! — ist aber in Wirklichkeit nur ein neuer Beweis dafür, daß die zufällige Zugehörigkeit eines Schriftstellers zur jüdischen Religion auf den Mann wirkt, wie der Anblick eines rothen Tuches auf den Stier. Die vergiftende Methode des Herrn Bartels ist in der „Frankfurter Zeitung" schon wiederholt gekennzeichnet worden. Es läge also wirklich kein besonderer Anlaß vor, sie auf's neue zu beleuchten, hätte er diesmal nicht seinen Geifer in die Spalten des Shakespeare-Jahrbuchs gespritzt. Wie kommt überhaupt Herr Bartels auf das englische Sondergebiet? Er unter den Anglisten, in Reih und Glied mit den Universitätsprofessoren, die zum Theil aus dem Studium Shakespeare's eine Spezialität machen! Hat man je von den Verdiensten des „Shakespeare-Forschers Bartels gehört? Wenn ihn trotzdem die Herausgeber des Jahrbuchs zu einem Waffengang einluden, so wäre es nur ein Akt der Gerechtigkeit gewesen, ihm keinen jüdischen Gegner zu geben —- wenn anders das wissenschaftliche Jahrbuch vor tendenziöser Besudelung hätte bewahrt bleiben sollen. Gleich im ersten Absatz seiner Kritik, die alle übrigen des Bandes an Länge weit übertrifft und in keinem Verhältniß zur Wichtigkeit des Gegenstandes steht — gleich zu Anfang bekennt Herr Bartels offen Farbe. Der „außerordentlich scharfe jüdische Verstand" wird anerkannt, aber dann heißt es weiter: „Kenner des Judenthums behaupten freilich, daß er einerseits durch eine Neigung zur (talmudischen, sagt man gewöhnlich) Spitzfindigkeit und andererseits durch blinden Fanatismus sehr oft beirrt werde .'. . aber, mag dies auch wahr - sein, so hindert es doch nicht, jedes Werk jüdischer Wissen- •) In der «Franks. Ztg." o. 5. Januar wurde Uber die ver» dienstoolle Publikation berichtet.

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