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Der Israelit · 1903-08-03 · Heft 61 (3.8.1903) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 61 (3.8.1903)
Date
1903-08-03
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1842 vertraut, an uns ist die Binde zu lösen und den Schleier zu lüften, die sie verhindert haben, die Unwahrheit und Haltlosigkeit ihres Denkprozeffes zu sehen, an uns eine Umwerthung aller geltenden Werthe vorzunehmen, mm v, xc*:' x*: b2 „Jedes Thal werde erhöht und jeder Berg und Hügel erniedrigt." Alles, was bei den Völkern als hoch und erhaben galt, wird erniedrigt werden und umgekehrt, was bei ihnen als klein und unbedeutend angesehen wurde, wird erhöht werden. Die falschen Ideale, denen die Völker nachstrebten, die Ziele, die sie sich gesetzt, die Zwecke, für die sie gearbeitet, sie werden in ihrer ganzen Hohlheit und Nichtigkeit sichtbar werden, das ganze Gebäude, das sie aufgeführt, wird morsch werden, das ganze System, das sie sich zurechtgeklügelt. wird stürzen "? -ns2 ndzzi und die Herrlichkeit Gottes wird sichtbar werden. An Stelle des Kultus der physischen Kraft wird ein Kultus der geistigen aus dem Urquell wahren Geistes geschöpften Kraft treten, an Stelle der Schönheit die Wahrheit, an Stelle des Witzes Geist, an Stelle der Gewalt das Recht, an Stelle der Zwietracht der Friede, an Stelle des Hasses die Liebe — aber nicht jene Liebe, in deren Dienste die Bekenner der Religion der Liebe Scheiterhaufen errichteten und unzählige Unschuldige dem qualvollsten Feuertode Preisgaben, sondern jene echtjüdische Liebe, die ein Erbgut unseres Volkes ist. die gleichweit entfernt ist von Schwäche als von Grausamkeit, an Stelle der Ungebundenheit die wahre jüdische Freiheit, an Stelle der inneren Zerrissenheit, an der unsere Mitmenschen kranken. Harmonie, an Stelle des modernen Weltschmerzes der jüdische, unverwüstbare Optimismus, an Stelle der Trunkenheit und des Sinnentaumels die ernste Lebensfreude — mit einem Worte — an Stelle der nichtjüdischen die jüdische Welt- und Lebensanschauung. Daß dies uns gelingen werde, ist unsere Hoffnung, und daß wir an der Verwirklichung dieses Zukunftsstaates arbeiten, daß wir für die Beglückung der Welt leiden, das ist unser Trost. Im Talmud wird uns erzählt, daß Rabbi Josua nach Rom kam und da hörte, daß ein jüdisches Kind im Gefängnisse schmachte. R. Josua ging hin und rief: fr: 'S s'viib bx'W". zpv' rztrsb „Wer gab Jakob dem Raube preis und Israel den Plünderern?" Da antwortete das jüdische Kind: *.\rns:sx xd: H i:xsn v n xdn •«thto xVi „Fürwahr, Gott war es. gegen den wir sündigen und sie wollten nicht auf Seinen Wegen wandeln und nicht hören' auf Seine Lehre." R. Josua weissagte dem Kinde eine große Zukunft und löste es aus. .Der tiefe Sinn dieser räthselhasten Erzählung.dürfte sich uns^ erschließen, wenn wir annehmen., daß das Kind in seiner Antwort den Rabbi Josua auf die. Schwierigkeit im Verse aufmerksam machte, die darin besteht, daß zuerst in der ersten und gleich darauf in der dritten Person gesprochen wird. „Wir sündigten" und „sie wollten nicht in Seinen Wegen wandeln." Die Lösung dieser Schwierigkeit besteht unserer Ansicht nach darin, daß der Prophet uns daran erinnert, daß wir darum in die Fremde ziehen mußten, weil es uns nicht gelungen, unserer Aufgabe, die in der Gewinnung der Menschheit für die Ziele der Gottheit besteht, gerecht zu werden. Weil wir sündigten, weil die Thora bei uns nicht lebengestaltend gewirkt, weil wir der Menschheit nicht das Beispiel eines goiterfüllten Lebens gegeben, weil wtr in unserem Leben nicht die Ideale der n-rn verwirklicht, weil wir nicht rein und hoch dastanden, wollten jene, die wir durch That und Beispiel für die hehren Wahrheiten unsere Thora begeistern sollten, die wir für die hohen und heiligen Zwecke, die zu verwirkliäen, dem Leben Werth. Weihe und Inhalt geben, erziehen sollten, nicht in Seinen Wegen wandeln und nicht hören auf Seine Lehre. Weil sxsrr wir gefehlt, darum :ix xd: wollten jene nicht die Zwecke als heilig anerkennen, die in unserer Thora als Höhenziel menschlichen Strebens hingestellt werden, weil wir den Zielen untreu geworden, wollten sie sie nicht als erstrebenswerth anfehen. Diese Wahrheit erkannte das jüdische Kind und dies zeugt von einer Tiefe des Verständnisses. daß wir die Weissagung des Rabbi von der zukünftigen Größe des Kindes voll und ganz begreifen. Soll sich unsere Hoffnung verwirklichen und soll unser Trost wirksam bleiben, so müssen auch wir der Erkenntniß Raum geben, daß wir nur dann unsere Ziele erreichen können, wenn wir die Thora lebengestaltend bei uns wirken lassen, wenn wir in unserem Leben die Ideale unserer Lehre verwirklichen, wenn wir durch Reinheit der Gesinnung und Lauterkeit des Wandels beispielgebend für die Völker werden. Wenn wir Lebrer der Menschheit bleiben wollen, dürfen wir nicht bei ihr in die Schule gehen und den Abfall erlernen. dem zu steuern wir berufen sind. Fest und ohne Wanken muß unser Standpunkt sein, festbalten müssen wir an allen Eharaktereigenthumlichkeiten unserer Nationalität, einstehen für die geistigen Errungenschaften unseres Volkes, die Perlen in der Geisteskrone des jüdischen Volkes, die rsta hüten, dann wird sich unsere Hoffnung erfüllen "» "res daß die Herrlichkeit Gottes sich offenbaren wird und alles Fleisch wird erkennen, daß Gott spricht. Zeitungsnachrichten und Correspondeuzen. Deutschland. Berlin, 27.. Juli. Jüdische Flüchtlinge aus Kischinew mit ihren Familien-halten sich gegenwärtig auf der Durchreise nach Amerika in Berlin auf. Es sind ..^ .

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