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Der Israelit · 1903-07-30 · Heft 60 (30.7.1903) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 60 (30.7.1903)
Date
1903-07-30
Page
– (sequence 8)
Language
German
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ier aus dem Gefängniß zu befreien und vor dem Feuer- I lode zu retten, mußte sie sich nicht selbst opfern, um dies zu erreichen? Sie hatte ja Zeit bis morgen; aber was konnte sie morgen anders sagen, wenn nicht ein Wunder geschah?! „Ich bin wohl jetzt hier überflüssig," sagte Juda gereizt, „bis morgen hoffe ich jedoch bestimmte Antwort von Dir zu bekommen, sonst wehe Dir und' Deinem ganzen Hause." Selma würdigte ihn keiner Antwort. Stolz und siegesgewitz entfernte sich Juda aus dem Hause, das er durch seinen Verrath in eine Stätte des Unglücks verwandelt hatte. Unterdessen hatten die entflohenen Genossen Manuels ruhig und unangefochten ihre Flucht fortgesetzt. Ihr Plan war, auf dem kürzesten Wege eine Hafenstadt zu erreichen, um nach Deutschland oder Holland zu entkommen. Das Glück war ihnen hold und glücklich gelangten sie, ohne angehalten zu werden, bis nach Malaga, wo gerade ein Schiff nach Holland abging. Nur Josef war mit noch einigen Jünglingen in der Stadt zurückgeblieben. Sein erstes Ziel war das Haus Don Manuels. In welcher Fassung fand er hier Mutter und Tochter vor. Soeben hatte sich erst Juda entfernt, und zornerfüllt hörte Josef den Bericht Selmas an. Er schwor Juda blutige Rache. Zunächst harrten jedoch wichtigere Dinge seiner. Auf seine Veranlassung wurde das Nöthigste auf Pferde gepackt. Manuel's Gattin nahm ihr sämmtliches Baärvermögen an sich, und als die Nacht hereingebrochen war, setzte sich ein kleiner Reiterzug von dem Hause Manuel's aus in^Bewegung. Lautlos verfolgten sie ihren Weg, nur hie und da wieder unterbrach ein unterdrücktes Schluchzen Selma's die Stille der Nacht. Wie war doch das Unglück über sie hereingebrochen? Gestern waren sie noch alle vereint m ihrem glücklichen Heim, und heute mußten sie ohne den Vater die schöne Heimath verlassen, um nie wieder zurückzukehren. Endlich hatte man ein kleines Dorf erreicht, wo Josef bei einem seiner Glaubensgenossen bereits ein vorläufiges Unterkommen für Mutter und Tochter gefunden hatte. Stumm verabschiedete sich nun Josef, begleitet von den Segenswünschen und dem Danke der Geretteten. Nachdenkend schlug er den Weg nach der Ruine ein, wohin er heute die mit ihm verbündeten Jünglinge geladen hatte. — VII. Bald hatte Josef die Ruine erreicht. Laute Freudenrufe seiner Freunde gegrüßten ihn. Nach allen Seiten freundlich grüßend trat er auf den im Hintergründe stehenden Elieser zu. „Nun, mein Freund, habe ich Recht behalten?" „Du hattest Recht, Josef," entgegnete er ihm, „jetzt sehe ich es erst recht ein." Nach diesen Worten wandte sich Josef an seine ungeduldig wartenden Genossen. „Meine Freunde! Seitdem wir zum letzten Male zusammen waren, hat sich Großes ereignet. Durch Verrath wurden unsere sämmtlichen Brüder in Sevilla eingekerkert. Die meisten sind wieder entflohen; nur Einer von ihnen, aber der Edelste, Don Manuel, schmachtet noch im Gefängniß. Er soll und muß befreit werden, und habe ich Euch deßwegen hierberufen. Aber noch wegen eines anderen Grundes. Wir wurden verrathen. Ihr fraget nicht, wer der Verräther ist. aber Ihr sollt es wissen. Der Verräther war einer unserer Brüder und heißt Juda! Ihr kennt ihn wohl. Bei der letzten Versammlung wurde ich gefragt, warum ich ihn nicht in's Vertrauen zog? Nun. hatte ich recht, daß ich ihm mißtraute?" (Fortsetzung folgt.) Der „JSraelit" erscheint wSc&esatlieli zweimal, KTontags and Donnerelaga, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljcchr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Drv Wnchhrmdrl verkehrt durch V. 3F. Skrinacker, Leipzig, RohplatzjS. — Inserate 25 Pfennig die vterAespaÜene Nonpareillezelle oder deren Raum. Preis der Zelle im Reclametheil 75 Pfennig. — Direcie Franeozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 16 Kronen österr., für's Ausland 16 Mark, an die Expedition franco einsenden. Postzeitungsliste 3932. Telephon 1615. Stellesuchende und sonstige Interessenten können auf Wunsch die jeden Dienstag und Freitag erscheinende „Kleine Ausgabe deS ISraelit" vier Wochen lang gratis und franco erbalten. Wünscht man den Empfang der „Kleinen Ausgabe" längere Zeit, so kann man sich für 25 Pfennige daS Vierteljahr, in'deß ausschließlich bei der Post auf dieselbe unter Nr. SS33 aSonniren. Auf Wunsch stunde» wir die Zahlung deS JnferttonSbetragS an außer Stelle Befindliche bis «ach Erlangung einer solchen. Inhalt (Hauvlvlett) r Jüdische Statistik. — Zeitungsnachrichten und Tvrresyondenzen: Deutschland: Berlin. Würzburg. Witten. Singen. _ „ Crepes Jakubfalu (Ungarn.) London. Belletristische Beilage: Jude. (Fortsetzung). Blätter sür Mische Geschichte un» Literatur. Terantwortliche Redaction: OSear Lehmann in Mainz. — Expedition de» ^Israelit'. Schottstraße Nr. 2. Mainz. Druck und Verlag der Job. Wirth'schen Hnsduchdruckerel Aetien-SesellsLaft in Mainz. HLerzrr drei JBeilage*

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