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Der Israelit · 1903-07-30 · Heft 60 (30.7.1903) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 60 (30.7.1903)
Date
1903-07-30
Page
– (sequence 7)
Language
German
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ftr.e u U U i o t), Eosef von Hlömüa. ßrzahtung aus der Zeit der Inquisttion. 3! . .VI. Verzweiflungsvoll und jeden Augenblick gewärtig, das Schicksäl des Vaters theilen zu müssen, saßen die Gattin und Tochter Manuels am Tage nach der Gefangennahme schweigend und.theilnamslos gegen alles andere in ihrem Zimmer. Der Ausgang des ersten Verhörs war ihnen hinterbracht worden, und hoffnungslos blickten sie in die Zukunft. Was sollten sie, die beiden hiilflosen Frauen, jetzt ohne Schutz beginnen. Konnten sie nicht auch jeden Augenblick nach dem Gefängniß geschleppt werden? Wer war da, der sie retten konnte? Sie wußten wohl, daß die Gefährten Manuels entkommen waren, doch hatten sie sicherlich nicht so, viel Zeit gehabt, auch ihre Familien in Sicherheit zu bringen. Da wurden sie in ihrem Hinbrüten von einer Dienerin unterbrochen: ..Don Juda wünscht die Damen zu sprechen." „Gehe in Dein Zimmer, Mutter," wandte sich Selma an ihre Mutter, „ich kenne Deinen Widerwillen gegen Juda. Was wird er wölken? Sollte er am Ende einen Weg zur Rettung wissen?" Schweigend entfernte sich ihre Mutter und gleich darauf trat Juda durch die aridere Thllre ein. „Es ist gut, daß ich Dich allein treffe, Donna Selma. Es ist eine wichtige Angelegenheit, wegen der ich herkomme. Dein Vater ist gefangen, mit ihm alle seine Genossen, außer mir." „Du irrst," entgegnete ihm Selma kalt „Sie sind nicht mehr gefangen, sie sind entflohen." Sichtlich bestürzt wurde Juda bei diesen Worten, sollte sein schöner Plan scheitern? „Nur mein Vater ist noch gefangen!" fuhr Selma fort. „Vielleicht weißt Du ein Mittel, ihn zu retten!" Bei diesen Worten wurde Juda's Miene wieder zuversichtlicher, doch in Selma stieg ein schwerer Verdacht auf. Weßhalb wurden Alle gefangen, nur er nicht? ' „Sage mir, Juda, wurdest Du nicht auch gefangen?" „Nein," entgegnete er lächelnd, „ich war gestern Abend nicht bei Deinem Vater. Zu meinem Glücke," setzte er hinzu. Ihr Verdacht wurde ihr fast zur"' Gewißheit. Sollte Juda von dem Anschlag gewußt haben, oder sollte er sogar der Angeber gewesen sein? Zuzutrauen wäre cs diesem Menschen, der sich stets als eigennütziger, boshafter und aufdringlicher Mensch gezeigt hatte, wohl gewesen. Doch welche Beweggründe sollte er hierzu gehabt haben? Sie sollte es bald erfahren. Da fuhr Juda fort: „Der Zweck meines Besuches zu dieser Zeit ist, um mich mit Dir darüber zu berathen, was Du mit Deiner Mutter unternehmen mußt, um von hier zu entkommen. Ich weiß ein Mittel, Deinen Vater und Euch zu retten. Dies Unternehmen ist gefährlich, aber wohl der Belohnung werth, die ich dafür verlange." „Wieder der alte Juda," dachte Selma, „wieder derselbe eigennützige Mensch, der nur gegen Belohnung einen Menschen rettet." „Und was verlangst Du für die Rettung?" frug Selina kalt. „Dich," rief Juda leidenschaftlich. „Dich, mein geliebtes Mädchen, mein größtes Sehnen und Verlangen, für Dich gehe ich durch's Feuer, um Deinen Vater zu befreien." Also darauf hin hatte er gezielt. Schaudernd wandte sie sich von diesem niederträchtigen Menschen ab. Ihre Vermuthung war ihr jetzt Gewißheit, er hatte seine Genossen verrathen, um jetzt diese Belohnung erpressen zu können. Doch er sollte erfahren, daß sie ihn durchschaut hatte. „Hinweg, Verräther!" schrie sie Juda au, der Miene machte, sie an sich zu ziehen. „Ich habe Dein frevelhaftes Thun durchschaut; ist das Dein Dank, den Du meinem Vater für seine Wohlthaten zollst, daß Du ihn verräthst und nachher Deinen Lohn einstecken willst. Hinweg, sage ich Dir!" Juda hatte dies nicht erwartet; er hatte nicht geglaubt, daß sie so schnell seine Absichten erkannte. — Vorbei war jetzt seine Freundlichkeit. Was ihm auf gütlichem Wege nicht gelungen war, wollte er jetzt mit Gewalt erzwingen. Drohend wandte er sich jetzt an Selma: „Bedenke wohl was Du sagst und überlege was auf dem Spiele steht. Denn wisse, so gut ich die Macht habe, Deinen Vater zu befreien, so gut bin ich auch im Stande, Dich und Dein ganzes Haus zu vernichten. Du hast recht," fuhr er höhnisch fort, „wenn Du glaubst, ich habe Deinen Vater verrathen, aber nichtsdestoweniger wirst Du doch die Meine, oder aber, ich führe meine Drohung aus. Ueberlege es Dir wohl; ich hole mir morgen um diese Zeit Deinen Bescheid." „Spare Dir Deine Worte, Du Ungeheuer; niemals, niemals werde ich einwilligen, und sollte es unser Aller Untergang sein." Sie hatte diese Worte so ruhig als möglich ge-! sprechen, und merkte man ihr nichts an von dem Sturm, der in ihrem Innern tobte. War sie es nicht ihrer Familie schuldig, Alles dranzusehen, ihren Va-

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