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Der Israelit · 1903-07-30 · Heft 60 (30.7.1903) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 60 (30.7.1903)
Date
1903-07-30
Page
– (sequence 6)
Language
German
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„Wrede". 13—14,000 Festtheilnehmer als ehemalige Angehörige des Regiments, darunter auch zahlreiche Glaubensgenossen, gaben sich hier Rendezvous, und manche rührende Szene frohen Wiedersehens bot sich dabei dem Beobachter. Zu den Festakten gehörte vor allem ein Dankgottesdienst von den drei Konfessionen, veranlaßt von dem Regimentskommando. Das Rabbinat wurde um Beiheiligung und zugleich um Rückäußerung ersucht, in welcher Weise dasselbe die Veranstaltung auszuführen gedenke, nachdem für die beiden anderen Konfessionen je ein Platz im Freien hierfür bestimmt sei. Das Rabbinat erklärte sich bereit, eine zweckentsprechende Feier in der Synagoge zu veranstalten. Dieselbe wurde nun, wie angeordnet, Sonntag den 19. ds. Mts., Vormittags 9 Uhr, bei großer Betheiligung und in festlich geschmücktem und beleuchteten Hause in solenner Weise ausgesührt. Ein gutgewähltes Programm, das jedem Besucher behändigt, enthielt mehrere passende Psalmen, die theils als Choral, theils recitativ zwischen Kantor und Chor vorzüglich vorgetragen wurden, das Königsgebet mit Choralgesängen beim Aus- und Einheben der Thora, und endlich die Festpredigt, von Herrn Distriktsrabbiner Bamberger. Dieselbe hatte zum Text: „Beim Glück des Gerechten jubelt die Stadt" (Spr. Sal. 11, 10), an welchen der Redner die Festbedeutung und Festberechtigung nachwies. Stets habe das Regiment für Recht und Gerechtigkeit gekämpft, habe in Treue und Hingebung König und Vaterland gedient, und stets sei es sich der Soldatenpflichten, die ähnlich, wie ein jüdisches Heiligthum der Opfer verschiedenste erheischten, bewußt geblieben. An dem Schuhe des geliebten Vaterlandes und seiner Vertheidigung habe es in den verschiedenen Kriegen des Jahrhunderts reichlichen Antheil genommen, so ganz besonders an dem letzten Feldzug gegen Frankreich, wobei es den ersten Sieg habe mit erringen helfen. Damit habe es sich den Dank und die Anerkennung des Gesammtvaterlandes erworben; ganz besonders aber nimmt Würzburg als Garnisonsstadt desselben den freudigsten Antheil an dem Jubelfeste, wie dies der äußere Schmuck derselben und alle Veranstaltungen herrlich zum Ausdruck bringen. Diese Antheilnahme finde nicht nur in der allgemeinen Vaterlandsliebe. sondern auch in unserer heiligen Religion ihre Begründung, die da nach dem Prophetenwort gebietet, für das Wohl des Vaterlandes zu beten und diejenigen zu achten und zu lieben, die in seinem Dienste stehen. Mit einer zu Herzen dringenden Ansprache an die aktive Mannschaft zur ferneren Treue und Hingebung, und an die zahlreich anwesenden Veteranen in Worten des Dankes und der Anerkennung, sowie mit einem pietätvollen Gedächtniß für die Dahingeschiedenen des Regiments. schloß die herrliche Rede, die auf Alle den besten Eindruck machte. Die ganze Feier fand den ungeteilten Beifall aller Anwesenden. Rach derselben fand der eigentliche Festakt im Kafernenhofe mit Enthüllung eines Denkmals für die Heimgegangenen Kampfgenossen statt, wozu der Herr Distrikts-Rabbiner ebenfalls offiziell geladen war. Witten, Ende Juli. Die Repräsentanten der jüdischen Gemeinde beschlossen, am 1. August, Abends, zu Ehren ihres wohlverdienten Lehrers einen Commers zu veranstalten, ohne dabei zu wissen, daß der Abend der Vorabend des Tischo beaw ist. Die gewählte Kommission wurde darauf aufmerksam gemacht, lehnte es jedoch ab, die Feier zu verlegen. Ob sich ein jüdischer Lehrer, der den Namen Prediger und Kultusbeamter führt, noch findet, der am Vorabend des Tischo beaw seine Abschiedsfeier halten läßt, glauben wir kaum. Begreiflicherweise sind viele Mitglieder der Gemeinde, wenn auch nicht fromm, dennoch über diesen Akt empört! Rußland. Petersburg, 27. Juli. Der Bischof von Kischinew wies auf Anordnung des Oberprokurators des heiligen Synods die Geistlichkeit an, in der Kirche durch Predigten und außerhalb derselben durch Belehrung auf die orthodoxe Bevölkerung einzuwirken, damit der religiöse Hatz gegen die Juden schwinde. Kischinew, 27. Juli. Vor einigen Tagen hatte sich eine Anzahl hiesiger Juden wegen Beleidigung des Gendarmen I. Schweitz vor bem. Friedensrichter zu verantworten. Am 26. v. M. haben einige, hiesige Glaubensgenossen auf dem Bahnhofe das erste Sendschreiben des Paters Johann von Kronstadt vertheikt. Dies verdroß den Gendarmen; er zog eine Nummer der Kruschewan'schen „Snamja" aus der Tasche und begann aus derselben einen Brandartikel gegen die Juden laut zu verlesen. Die auf dem Bahnhof anwesenden Juden fanden, daß es nicht zu den Aufgaben eines Gendarmen gehöre, dem Publikum antisemitische Hetzartikel zu verlesen, und erstatteten bei seiner Vorgesetzten Behörde Strafanzeige. Die Wirkung war, daß sie wegen Beamten-Beleidigung vor Gericht gestellt wurden. Bei der Verhandlung gab der Gendarm ungenirt zu, daß er einer großen Anzahl von Lastträgern und sonstigem Volke die „Snamja" vorgelcsen und den Inhalt des Artikels erklärt habe. Er halte das für vollkommen erlaubt und fühle sich durch die Dennciatien schwer beleidigt. Der bekannte Odcssaer Anwalt Litwitzki belehrte ihn jedoch in seiner Vertheidigungsrede, daß er sich eines groben Amtsvergehens schuldig gemacht hat, wegen dessen er nichts vor dem Friedensrichter als Ankläger, sondern vor einem ganz anderen Forum als Angeklagter stehen müßte. Der Friedensrichter lehnte denn auch die Verhandlung der Sache ab und übergab die Akten an die Staatsanwaltschaft.

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