Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 60 (30.7.1903)
- Date
- 1903-07-30
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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J \ I'- - "' ■’■■■ ' 1319 ••:/* icn. Es genügt jedoch nicht. Scharen von intelligenten, willigen und thätigen Kräften in's Feld zu stellen; dieselben müssen auch organisirt werden. Die Zentralleitung gab zu diesem Zwecke „Instruktionen für die Mitarbeiter" heraus, ebenso kurz und bündig wie klar und treffend. Also ausgerüstet, konnte man nach gegebneer Parole getrennt marschiren und vereint schlagen. Doch damit kommen wir ja zur eigentlichen Besprechung der uns vorliegenden „Jüd. Statistik." Dieselbe umfaßt 452 Seiten und zerfällt in v i e r Theile. Der Redakteur, Herr Dr. Alfred Rossig, schickt ein ungemein'lehrreiches Vorwort zur Einleitung voraus. (Seite 7—22.) Leider gestattet der in diesen gesch. Bl. zur Verfügung stehende Raum uns nicht, aus der -„Einleitung" Näheres zu bringen. Nur hervorgehoben möge manches werden. Die Einleitung verbreitet sich über die Bedeutung, Geschichte, Aufgabe und Organisation der „jüd. Statistik". Als Motto ist die Stelle 4. B. M. 1, 17—19 gewählt, die von der Volkszählung durch Moses und Ahron spricht. Tie jüdische Statistik der Gegenwart wird als ein Postulat des jüdischen Nationalbewußtseins bezeichnet, ihre ideelle und praktische 'Bedeutung begründet, besonders als Unterlage aller rationellen, jüd. Politik. Es wird aber auch darauf hingewiesen, welches Interesse gerade die nichtjüdischen Völker und die Wissenschaft an einer spezifisch jüdischen Statistik haben muffen. „Es vereinigt sich das nationale Interesse der Juden mit dem innerpolitischen Interesse der meisten Staaten und dem Interesse der menschlichen Forschung." Als Ursache des bisherigen Vrachliegens der jüdischen Statistik werden namentlich zwei hervorgehoben: erstens die,« Jute Iudennoih, besonders im Osten. Angesichts der dortigen Katastrophen suchte man in fieberhafter Hast Asyle für ungezählte Schaaren von Emigranten. So tragen auch die Anfänge der Kolonisation in Palästina den Charakter der Ueberhastung an sich. Als zweiten Grund gibt der Verfasser kurz den Mangel für Verständniß stat. Untersuchungen an. Das sei freilich weniger verzeihlich. besonders da seit dem Auszug aus Egyvten „die Juden zu den besten Statistikern des Altertbums gehörten." kHaushosfer, Lehr- und Handbuch der Statistik, 1882, S. 95.) So wurde alles, was die russischjüdischen Kolonisationsgesellschaften gethan, die ganze Notbschild'sche Palästinaaktion, ebenso die Hirsch'sche und spätere „I. C. A."-Aktion in Amerika und im Orient, ebenso die ganze Thätiakeit der Allianzen, ohne statistische Grundlagen vorgencmmen. Selbst die politischen Zionisten haben sich noch nicht zu der Werthschäßung der Statistik durchgerungen, die ihr Führer Dr. Max Nordau auf dem 5. Kongresse empfahl. Neuerdings scheint sich allerdings und allenthalben die bessere Erkenntniß Bahn zu brechen. Versuche einer jüdischen Statistik finden wir beispielsweise bei Zunz in , seinen „Grundlinien zu einer zukünftigen Statistik der Juden." (1823.) Es folgen um die Mitte des 19. Jahrhunderts Manuel Noah, der Gründer eines jüdischen Freistaates auf Grand-Island mit einer diesbezüglichen Aufforderung an alle jüdischen Gemeindevorstände, ferner die Synode zu Augsburg (1871) mit dem Beschluß, eine Statistik des Judenthums in Deutschland, Oesterreich- Ungarn und der Schweiz herzu stellen. Der Großrabbiner von Frankreich sandte in den achtziger Jahren statistische Fragebogen an die jüdischen Konsistorien. Von nichtjüdischer Seite wurden durch die Regierungen Rußlands und Italiens Erhebungen angesiellt. Erst 1885 wurde der Gesammtstatistik näher getreten durch einen ersten Versuch des Verfassers. „Materialien zur Statistik des jüdischen Stammes." Zu den neueren Arbeiten zählt Herr Dr. Nossig die des „Vereins zur Abwehr des Antisemitismus," die werthvolles Material enthalten, das Jahrbuch des „D.-J G.-B.", die statistische Zusammenstellungen des anglo-amerikamschen Judenthums, die jüdischen Jahrbücher in London und Newyork u. s. w. Dazu stoßen noch neuerdings zahlreiche Schriften jüd. und nichtjiidischer Autoren aus den verschiedensten Gebieten jüdischer Statistik. Alle die hier genannten Arbeiten scheidet der Verfasser in „verarbeitetes Material" und „rohes Material". Dem ersteren zählt er auch die Publikationen in den jüdischen Zeitschriften zu. So leitet das interessante Vorwort auf den noch interessanteren ersten Theil hin: „Systematische Bibliographie der jüdischen Statistik." Es ist der Haupttheil und birgt die schwerere Ausgabe: Die Hebung des Materials! Was hier durch wahren Bienenfleiß auf 110 Seiten kleinen Drucks zusammengeiragen wurde, verdient in der That Bewunderung und Anerkennung. Waren doch gerade hier unsägliche Schwierigkeiten zu überwinden. Dabei wurden die bibliographischen Forschungen nicht an einem Orte, durch eine einzige Arbeitsgruppe, sondern durch die Sektionen des „Vereins für jüd. Statistik" und in verschiedenen., Ländern geführt. Daher sind dem ersten Theil zwei Instruktionen für die „Mitarbeiter" vorausgeschickt. Die erste Instruktion gibt Anweisungen für die Beschaffung des Materials, für die Aufspürung von Quellen, die zweite Instruktion bezieht sich auf die Abfassung, Einordnung und Sichtung des Materials. So soll das Material in folgende Untergruppen eingeschichtet werden: 1) Bevölkerungsstatistik. 2) Anthropologische und ethnographische Statistik. 3) Gesundheitsstatistik. 4) Wirthschaftssiatistik. 5) Statistik des sozialen Lebens. 6) Statistik des religiösen Lebens. 7) Moralstatistik. 8) Statistik des geistigen Lebens. 9) Politische Statistik. 10) Vermischtes. Es sind für jede der hier angeführten