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Der Israelit · 1903-07-27 · Heft 59 (27.7.1903) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 59 (27.7.1903)
Date
1903-07-27
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Bürgern recht lau, zum Theil auch mit großer sozialer Selbstüberschätzung betrieben. Diese äußerte sich namentlich darin, daß die Komiteemitglieder es für unter ihrer Würde hielten, die Arbeiter politisch zu bearbeiten. Faßt man alle diese Umstände zusammen: die skrupellose Agitation der Antisemiten, die Unmöglichkeit der anderen deutschen Parteien, mit denselben Waffen wie die Antisemiten kämpfen zu können, und die theilweise soziale Ueberhebung der Bürgerschaft in den Städten, so hat man die Erklärung für den Wahlsieg der Antisemiten. Die Möglichkeit, diesen den Wahlkreis wieder zu entreißen, ruht einzig und allein darin, daß sich die Kreise, welche Justizrath Wagner aufgestellt haben, die Agitation der Antisemiten zum Vorbild dienen lassen, nicht in der Weise, daß sie die Wähler mit gleichen Unwahrheiten bedienen, wohl aber in der Weise, daß sie sich nicht die Mühe verdrießen lassen, sich mit jedem einzelnen Wähler, mit jedem Bauer, mit jedem Tagelöhner zu beschäftigen. Wenn die fünf Jahre bis zur nächsten Wahl gut ausgcnutzt werden, daß den kleinen Leuten nachgewiesen wird, wie sie der Antisemit durch falsche Versprechungen getäuscht hat, so muß es gelingen, eine auf so unwahrer Grundlage aufgebaute Autorität zu zerstören und dem Antisemitismus in Westpreußen und den umliegenden Bezirken das Heft wieder zu entwinden. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 22. Juli. Im jüngsten Heft der „Akademischen Blätter", des Verbandsorgans der Vereine Deutscher Studenten, veröffentlicht Oberbibliothekar Dr. Hans Paalzow eine Aufsatzreihe „Zur Unlversitätsstatistik", in der er über die jüdischen Studenten die folgenden interessanten Mittheilungen macht: „Jeder, der die Verhältnisse der deutschen 'Universitäten auch nur oberflächlich kennt, weiß, daß die Juden unter den Studenten in einem Prozentsatz vertreten sind, der ihren Antheil an der Gesammtbevölkerung übersteigt. Dies gilt besonders von den preußischen Universitäten. Schon auf den preußischen höheren Lehranstalten sind die Juden stark vertreten. Während die männliche Bevölkerung Preußens 1890 zu 1,2 v. H., 1895 zu 1,2 v. H. und 1900 zu 1,1 v. H. aus Juden bestand, nahmen von den Schülern der höheren Lehranstalten die Juden in der Zeit von, 1886—90 8,94 v. H., in der Zeit von 1891 bis 1895 8.42 v. H. und in dem Studienjahr 1899/1900 7,65 v. H. aller Schüler für sich in Anspruch, also rund siebenmal mehr, als der Durchschnitt beträgt. Der Antheil der Juden an der Zahl der Studierenden der Universitäten ist aber' noch größer, so daß von den jüdischen Schülern relativ mehr zur Universität gelangen, als von den Schülern der christlichen Bekenntnisse. Zum Vergleich können hier natürlich nur die drei weltlichen Fakultäten herangezogen werden, die theologischen müssen außer Betracht bleiben. Unter je 100 reichsinländischen Studierenden in den juristischen, medizinischen und philosophischen Fakultäten der preußischen Universitäten betrug die Zahl der Juden im Durchschnitt der Studienjahre von 1886/87 bis 189111,95, in der Zeit von 1891/92 bis 1895/96 11,47, und in dem Studienjahr 1899/1900 9,52 Prozent. Noch stärker ist der jüdische Antheil, wenn man nicht alle reichsinländischen Studierenden, sondern nur die studierenden Preußen in Betracht zieht. Non den jüdschen Studenten fällt der bei weitem größte Theil auf die medizinische Fakultät, während der Rest sich auf die juristische und philosophische Fakultät ziemlich gleichmäßig vertheilt. In einem früheren Heft der „Preußischen Statistik" war über den starken Antheil der Juden an der Universitätsbildung gesagt, daß die tieferen Gründe dieser Erscheinung sich fast gänzlich der Kenntniß entzögen, soweit man sie auf statistische Grundlage stützen wolle. Jetzt weiß aber Herr Geheimrath Petersilie (in der „Zeitschrift des Preuß. Statistischen Büreaus" 1902. S. 82) eine ganze Reihe von Gründen dafür anzufiihren. Er schreibt: „Was die lebhafte Neigung der Israeliten zum Studium anbelangt, so hat man darin einerseits eine Rasseneigenthümlichkeit zu erblicken, anderseits aber wohl auch eine Folge der wirthschaftlich günstigen Lage einer Menge von Juden familien. Sieht man von der allerdings nicht kleinen Zahl der ganz armen jüdischen Trödler, Hausirer, Inhaber von Wanderlagern u. s. w. ab, so kann man den Rest zu einem guten Theil zu den Wohlhabenderen, selbst Reichen rechnen, denen es leicht wird, einen Sohn dem Studium zu widmen; sie ihun das erfahrungsgemäß auch gern, zumal wenn mehr als ein Sohn vorhanden ist. Ueberdies gewährt den Juden ihre Ansässigkeit in größeren und mittleren Städten, welche sie bevorzugen, bessere Gelegenheit, die Söhne auf höhere Lehranstalten zu schicken, wovon die Folge dann auch eine regere Betheiligung am Studium ist. Dazu kommt noch der Umstand, daß in Deutschland dem Juden das Eintreten in einige Berufe durch das herrschende Vorurtheil außerordentlich erschwert, ja mitunter unmöglich gemacht wird, so beispielsweise in den Offiziersstand. Daraus erklärt sich auch die Vorliebe der Juden für das Studium der Medizin. Schon als Jurist kann der Jude ein gutes Fortkommen vorzugsweise nur in der freien Berufsthätigkeit des Rechtsanwalts, im Bank-, Versiche-

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