Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 59 (27.7.1903)
- Date
- 1903-07-27
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Ungarn. Pretzburg. Dem Rechenschaftsbericht des hiesigen „Israelit. Waisenknaben-Jnstituts cnrv„ für das Jahr 1902 entnehmen wir: : Wir müssen leider konstatiren, dass die Mtgliederzahl unseres Vereins auch im abtzelaufenen Jahre nicht zugenommen hat, die Jahresbeiträge, 'wie auch die Spenden mit jedem Jahre eine Verminderung erfahren, während die Anforderungen, welche an diesen Verein gestellt werden, immer grössere werden. Ist es doch sowohl Religionsals auch Menschenpflicht, uns armer, verlassener Waisen anzunehmen, sie zu hegen und zu pflegen, sie ausbilden zu lassen und selbe als nützliche Glieder der Gesellschaft zuzusühren. so ist es ja heilige Pflicht, Sorge zu tragen, dass diese Wohlthal in erweitertem Maße geübt werde, was uns nur dann möglich wird, wenn unserem Waisen-Jnstitute jene Gewogenheit und materielle Unterstützung zu 2heil wird, welche unserem so wohlthätig wirkenden Vereine dringend Roth thut. Wir können nicht umhin, an unsere sehr gescb. Vereinsmittzlied'er und p. t. Gönner das höfliche und dringende Ersuchen zu richten, unseres Vereins bei freudigen Anlässen und Zusammenkünften stets wohlwollend zu gedenken und in Freundeswie Bekanntenkreisen für die materielle Hebung dieser Humanitäts- Anstalt wirken zu wollen, diesem unterstützende Mitglieder zuzusühren, und können sicher sein, daß der 'ix c'ct.’ ihre Bemühungen stets segnen wird. Die Vereins-Statuten erfordern in manchen Punkten eine gründliche Umänderung, was die Aufgabe der demnächst st.--tEindenden Generalversammlung sein tvird. Das Viktor Kittseer'sche Stiftungshaus erforderte bereits zu Ende des Jahres 1901 eine grössere kostspielige Renovirung, wodurch im diesjährigen Verwaltungsjahre mehr als das gewöhnliche Reinerträgniß verausgabt wurde. Der Stand der Instituts-Zöglinge wurde auf acht erhöht. Die Knaben-Volksschule wurde von vier, die Bürgerschule von drei und die Religionsschule Jeßode-Hathora von einem Knaben besucht. Vermischtes. Eydtkuhnen Die verwittwete Frau Rentier Channa S ch i d o r § f i) in Wirballen. hat für die dortige Synagoge eine Thora-Nolle mit werthvoller Bekleidung gespendet. Am Donnerstagwurde die Thora-Nolle unt den Chupoh-Stangen im Umzuge durch die Stadt unter Vorantritt des Rabbiners und großer Bethciligung der Gemeinde nach der Synagoge gebracht. Dort fand ein Umzug statt, wobei Psalmen gesungen wurden. Die Feier war eine sehr erhebende, die allen Theilnehmern in dauernder Erinnerung bleiben wird. Musik spielte nicht bei derselben auf. da die russischen Gemeinden (so auch Wirballen) wegen der Kischinewer bedrängten Brüder 3 Monate trauern. Eduard Segall. Fe u f 11 e i * tu 8osef von Sevilla. Erzählung aus der Zeit der Inquisition. 2! Doch was war das? Täuschte sich Don Manuel oder war es die Wirklichkeit. Beim Scheine der Fackeln glaubte er das höhnische GesüTt Juda's, eines jungen Mannes, den er am Abend am Sedertische vermißt hatte, zu erkennen. Er wollte es nicht glauben. Sollte sich der junge Mann dermaßen durch Gold habe blenden lassen, um an seinem Wohlthäter zum Verräther zu werden. Es blieb ihm jedoch keine Zeit zum Nachdenken. Mit den anderen Gefangenen zusammengekettet, wurde.er alsbald von den rohen Soldaten nach dem Gefängnisse gebracht. Was Manuel jetzt erblickte, war keine Täuschung. Wieder sah er das höhnische und schadenfrohe Gesicht. Es war kein Zweifel, es war Juda. Schmerzerfüllt wandte sich Manuel ab, um dem höhnischen Lächeln zu entgehen. Was hatte er diesem gethan, daß er an ihm. seinem einstigen Wohlthäter. zum Verräther geworden war? Hatte er da noch Gnade von den fanatischen Inquisitoren zu erwarten, nachdem sein eigener Glanbensgenosse um des schnöden Goldes willen zu den Feinden Lbergegangen war? Bei diesen für ihn so schmerzlichen Gedanken war man im Gesängniß angelangt. IV. Die Zelle, in die man die Gefangenen brachte, war ein öder, feuchter Kellerraum; das einzige an der Decke angebrachte Fenster, das vergitrert war, warf nur ein spärliches Licht in den Kerker, und wenn der Mond von Zeit zu Zeit seine Strahlen in den Gefangnißraum warf, beleuchtete er die vor Angst verzerrten Gesichter der so plötzlich Eingekerkerten. Dumpfe Verzweiflung malte sich auf ihren Gesichtern. Allmählich kehrt ihre Geistesgegenwart zurück, und ruhiger dachten sie über ihre Lage nach. Wie plötzlich war das Unglück über sie hereingebrochen: und welches Schicksal stand ihnen bevor? Der Weg aus dem Gesängniß führte zum Scheiterhaufen. Das wussten sie. — Da leuchtete Manuel ein Gedanken ein. Der einzige Weg zur Freiheit war der durch das Fenster an der Decke. Es galt zunächst, die Eisenstäbe an demselben zu entfernen. So schwierig dieses Mittel war. es mußte versucht werden. Auf den Schultern eines der Gefangenen stehend, suchte Josef, der Jüngste aber Kräftigste unter, ihnen, die Eisenstäbe zu lockern, und der Versuch gelang