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Der Israelit · 1903-07-27 · Heft 59 (27.7.1903) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 59 (27.7.1903)
Date
1903-07-27
Page
– (sequence 5)
Language
German
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T 1805 I 1 I auch höhererseits nicht unbekannt geblieben ist. auch von dieser Seite dringend an die strenge und gewissenhafte Geltendmachung der Statuten unseres Vereins hingewiesen worden. Da auch gegen Sie der wohlbcgründete Verdacht vorliegt, daß Sie sich durch die Wahl eines sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten zu einer reichsfeindlichen Partei bekannt haben, so ersuchen wir Sie höflichst, sich bei einer geheimen Sitzung des gesummten Vorstandes, die wir auf Sonntag, den 19. d. Mts., Nachm. 5 Uhr, im neuen Schullokal anberaumt haben, in dieser Angelegenheit zu äußern. Da wir Offenheit und Unerschrockenheit zu den schönsten Tugenden eines deutschen Kriegers rechnen, so erwarten wir auch von Ihnen, daß Sie uns durch ein offenes, rückhaltloses Bekenntniß unsere harte Pflicht erleichtern helfen und sich nicht schon durch Abwesenheit bei der genannten Versammlung der Mitgliedschaft verlustig machen, da wir dieselbe unbedingt als Begründung des gegen Sie geltend gemachten Verdachtes betrachten müßten. Mit kameradschaftlichem.Gruß Der Vorstand'des KriegerfVereins Gr.-Krotzenburg. (Folgen Namen.) Dies Schreiben ist eine Einmischung in Privatangelegenheiten, wie sie ungehöriger nicht gedacht werden kann, und gleichzeitig ein Einbruch in's Wahlge-- heimniß. den Jeder, der noch etwas auf das Wahlrecht und auf die politische Selbstständigkeit hält, mit aller Entschiedenheit zurückweisen muß. Der Passus von dem wohlbegründeten Verdacht einer sozialdemokratischen Abstimmung ruft aber zugleich die Frage her, worauf sich dieser Verdacht denn stützt. Soll man etwa daraus schließen, daß das Wahlgeheimnis; verletzt worden ist? Das wäre eine gesetzwidrige Handlung, die. wenn sie nun etwa als Veweismaterial angewandt werden sollte, den Strafrichter anginge. Im klebrigen ist wobl anzunehmen, daß Niemand, der auf seine politische Meinungsfreiheit Werth legt, sich der geheimen Dehme des Kriegerbereins unterwerfen wird; übrigens hat der Vorstand gar kein Recht, aus einer solchen Weigerung das Reckt zum Ausschluß herzuleiten, ebensowenig wie ihm überhaupt ein Recht zu seinem inquisitorischen Eindringen in die Abstimmung bei den Neichtagswahlen zusteht. Je mehr auf solche Weise Politik in die Kriegervereine hineingetragen wird, umsomehr müssen unabhängig denkende Leute von ihnen zurückgestoßcn werden. PirmasenS, im Juli. Für alle, die den hiesigen Platz und Umgebung besuchen, dürften nachstehende drei ...Eingesandt" der Pirmasenser Zeitung von Interesse sein.' Ich bemerke, daß die drei Brüder des antisemitischen Bürgermeisters größere Schuhfabriken und bedeutende jüdische Abnehmer und Lieferanten haben. Das erste Eingesandt lautet: „Das gemüthliche, friedliche Zusammenleben der konfessionell gemischten Bevölkerung der Pfalz soll nunmehr einen Riß bekommen. Kein Geringerer als der hochwohllöbl. Bürgermeister von Münchweiler a. d. Rodalb hat die „Schmach des Jahrhundert", wie Könige und Fürsten den Antisemitismus benannt haben, nach dem ihm unterstellten Dorfe Münchweiler verpflanzt, denn an seinem Geschäftslokale prangen zwei mit Tinte geschriebene Plakate: „Juden ist der Eintritt in dieses Lokal unter allen Umständen untersagt." Hat der betreffende Gastwirth das Plakat nur angeheftet, um sein Lokal „judenrein" zu erhalten, so werden sich die israelitischen Besucher Münchweilers zu trösten wissen, allein, da dieser Herr gleichzeitig Bürgermeister ist, so bekommt die Sache einen amtlichen Charakter, denn wenn kein Jude dessen Lokalitäten betreten soll, so ist es demselben unmöglich gemacht, zu dem Bürgermeister von Münchweiler a. d. Rodalb zu gelangen. Wir fragen aber, ist dies die christliche Nächstenliebe, die bei jeder Gelegenheit im Munde geführt wird? Ist das die Toleranz, mit der sich gerade die Religionsgesellschaft, welcher der betreffende Bürgermeister angehört, stets brüstet? Mehrere deutsche Staatsbürger isr. Konfession." Darauf folgte nun eine Antwort, in der es u. a. heißt: „Auf das „Eingesandt von gestern sehe ich mich veranlaßt, Folgendes zu erwidern: Durch die Plakate „Juden ist der Eintritt strengstens verboten." die ich an meiner Ladenthüre angebracht habe, störe ich wohl nicht im geringsten den konfessionellen Frieden in der Pfalz, sondern schuhe mich vor manchem Ungemach und spare Zeit und Aergernisse. Meine Handlungsweise ist also ganz privater Natur, und wer mich als Bürgermeister sprechen will, kann dies wohl im Gemeindehaus. Außerdem wäre es für Münchweiler gar kein Schaden, wenn es künftig von israelitischen Besuchern gänzlich verschont bliebe. Jakob Wadle, Bürgermeister." Die Einsender der ersten Notiz erwiderten darauf an derselben Stelle: „daß wir uns bemühen werden, den Wunsch des Herrn Bürgermeisters, Münchweiler nicht mehr zu besuchen., unseren Glaubensgenossen soviel als möglich bekannt zu geben. Sollte indessen die aufblühende Industrie Münchweiler darunter leiden, so würden wir es sehr bedauern, indessen hätten die Interessenten dann Gelegenheit, sich bei ihrem Ortsoberhaupte für seine väterliche Fürsorge zu bedanken. Der übrige Inhalt des gestrigen „Eingesandt" bewegt sich in einem so schmutzigen antisemitischen Fahrwasser, daß wir es unter unserer Würde halten müssen, darauf zu erwidern."

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