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Der Israelit · 1903-07-27 · Heft 59 (27.7.1903) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 59 (27.7.1903)
Date
1903-07-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
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44. RaLraana. w* Ra* Kentrat-Hrgan für das orLhodose Iudentsium. Begründet von tor- IDe^nmtt« in Maittf 44. Jahrgang. MS Montag, den 3. Ab SS VS «7, Juli 1903. . Ein auferstandenes Buch. Zu der Judenfrage, die feit mehr als zwei Jahrzehnten in Ost- und West-Europa von der Tagesordnung nicht mehr weichen will und durch die Ereignisse von Kischinew in Rußland eben wieder brennend geworden ist, hat ein russischer Gelehrter, Prof. A. S. Subotin jetzt das Wort ergriffen. Der bekannte russische Schriftsteller ist wie sehr wenige berufen, sich über diese Frage zu äußern. 1886 von der Regierung in die bekannte Pahlen'sche Kommission zum Studium der Judenfrage berufen, beschäftigt sich Prof. Subotin seit 17 Jahren eingehend mit jüdischen Angelegenheiten. Ihm stand auch das von dieser Kommission auf amtlichem Wege aufgebrachte riesige statistische Material zu Gebote. Endlich hat er bei seinen Studien sich noch der Arbeiten des vor einigen Jahren verstorbenen Staatsraths V l o ch, des berühmten Friedensapostels, bedient. Dieser ehemalige Jude und spätere einflußreiche Berather des Czaren Nikolaus II. hatte, wie die Eingeweihten wissen, sich fleißig mit jüdischer Statistik befaßt, und die Ergebnisse seiner Studien in einem umfangreichen mit 340 Tabellen und 350 Karten versehenen fünfbändigcn Werke niedergelegt. Leider ist die ganze Auflage dieses werthvollen Buches'gelegentlich eines in der Druckerei ausgebrochenen Brandes bis auf wenige Exemplare vernichtet worden, und so wäre das gesammte in demselben aufgestapelte statistische Material dem Judcnthum verloren gegangen, wenn es Professor Subotin nicht jetzt in seinem Buche „Die Judenfrage in gehöriger Beleuchtung (Untersuchungen von I. S. Bloch) St. Petersburg 1903" ausgiebig benutzt und so einem großen Publikum zugänglich gemacht hätte. Nunmehr steht es jedem einsichtsvollen Christen frei, sich über die Judenfrage statt aus den seichten und ungemein gehässigen Artikeln einer verkommenen antisemitischen Presse aus einem umfangreichen, wissenschaftlichernsten Werk zu orientirtn. Wir aber wollen im Nachstehenden einzelne wichtige Kapitel aus diesem Werke in kurzen Auszügen wiedergeben und zugleich den Wunsch ausfprechen, es möchte sich ein jüdischer Mäcen finden, der das ganze Werk in's Deutsche übertragen und veröffentlichen läßt. Ursacheder I u d e n v e r f o l g ung. Schon Staatsrath Bloch hat mit scharfem Blick die wahre Ursache der modernen Judenverfolgung erkannt: Nicht Religion- und Rassenhaß, auch nicht der vielfach beschuldigte gemeine Brodneid, am wenigsten aber ist die eigene Schlechtigkeit der Juden selbst der Grund, weßhalb sie so heftig angegriffen und unablässig verfolgt werden. Einzig und allein die eigene Schwäche der Juden ist die Ursache des Antisemitismus! Wer hilflos und schwach ist, wer sich selber nicht kraftvoll zu vertheidigen vermag und stets auf den gutwilligen Schutz anderer angewiesen ist, der muß stets gewärtig sein, von feigen Wölfen, die sich an keinen Starken heranwagen, angegriffen, gehetzt und verfolgt zu werden. Die Hauptakteure in den großen Judenkrawallen am Beginn der achtziger Jahre des eben verflossenen Jahrhunderts-waren nicht etwa die „furchtbar ausgebeuteten" Bauern des betreffenden Ortes, wo. diese Krawalle stattgefunden haben, sondern fremde,Arbeiter aus Großrußland, die bis dahin nie einen Juden vor Augen gesehen haben und folglich auch nie von einem Juden irgend wie geschädigt wurden. Auch brachen die Unruhen zuerst in den größeren Städten aus. wahrend die Städtchen und Dörfer, wo die „ausgebeuteten" Bauern wohnen, sich anfangs ganz passiv verhielten. Nicht die Ausbeutung der Bevölkerung durch die Juden, sondern die Anfachung der Raub- und Mordlust des Pöbels von Seiten einer Anzahl Hetzer war die Ursache jener Krawalle. Sie begannen, als man dem Pöbel vorredete, die Regierung wolle die Juden nicht länger

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