Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 58 (23.7.1903)
- Date
- 1903-07-23
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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f r ■ 44. Jahrgang. ■ S 44« $01 iötfldiüMcu Lchmvtttiii Bstzerns Soeben erschien der Jahresbericht dieses Vereins, der am Montag, den 20. c.. seine 24. Generalversammlung in Gunzenhausen abhielt. Der genannte Verein ist der größte aller jüdischen Lehrervereine Deutschlands. Er hat nach Aufnahme noch einiger Mitglieder durch die jüngste Versammlung bereits die Zahl 170 überschritten und wird wohl in aller Kürze 180 erreichen. Dabei sind die Kollegen der bayerischen Rheinpfalz nicht mit inbegriffen. Diese bilden eine Vereinigung für sich. Nach dem 23. Jahresberichte (1902) hatte der in der Ueberschrift genannte Verein genau 170 Mitglieder, die jährlich einen Beitrag von 10 Mk. entrichten. Die Hälfte dieser 1700 Mk. wird aus Unterstützungen von dienstunfähigen Lehrern oder deren Relikten verwendet, die andere Hälfte jedoch zum Unterstützungsfond geschlagen. Das gleiche Verfahren wird beobachtet bezüglich der Beiträge von außerordent- ‘ lichen Mitgliedern, deren der Verein jetzt 940 zählt. Diese brachten dem Vereine 3469.02 Mk. ein. so daß hier je 1734.81 Mk. zur wirklichen Unterstützung und für den Unierstützungssond aufgewendet werden konnten. An Spenden und Geschenken gingen ein 3825.36 Mark, an Tantiemen (Kausfmann'sche Buchhandlung, Frankfurt a. M. und Lebensversicherung Viktoria. Berlin) Mk. 238.85. Sechs neueiutretende Mitglieder hatten insgefammt 135 M. Eintrittsgeld zu entrichten; von der Neujahrsgratulationsenthebung machten viele Gebrauch zu Gunsten der Kassa, die hierdurch einen Zuschuß von 123 Mk. zu verzeichnen hat. Am erfreulichsten war jedoch im abgelaufenen Jahre die Thais a ch e, daß die hohe Kgl. Staatsregierung zum ersten Male zur Unterstützungskasse des Vereins einen Zuschuß leistete, und zwar die ansehnliche Summe von 2000 Mk. Das Jahr 1902 bildet sohin einen Markstein in der Geschichte des Vereins. Als direkte Anerkennung der Wirksamkeit und segensvollen Bethätigung des Vereins darf mit Genugthuung hervorgehoben werden, daß die Kgl. Regierung den Genuß des Ctaatszuschusses abhängig macht von der Mitgliedschaft des bayer. israelitischen Lehrervereins. Die Verwaltung hat diese ehrende Kundgebung natürlich nicht unbenutzt vorübergehen lassen, sondern dieselbe zur Propaganda verwendet für diejenigen jüdischen Lehrer Bayerns, die immer noch dem Vereine fernstehen. Sind ihrer auch nur wenige, so muß es doch als unkollegial und indifferent empfunden und bezeichnet werden, wenn überhaupt solche Ausnahmen Vorkommen. Die Kgl. Regierung hatte zwei verschiedene Vertheilungsmodi in Vorschlag gebracht. Die 2000 Mk. nehmigung der hohen Kgl. Regierung nach dem satzungsmäßigen Vertheilungsmodus an die Bezugsberechtigten abgeführt. Danach erhielten Unterstützungen: A. Aus Vereinsmitteln: 11 alleinstehende Wittwen je 1 Theil 1750 Mk., 1 Wittwe mit 1 Kinde 156.25 Mark. 1 Wittwe mit 2 Kindern 187.50 Mk., 1 Wittwe mit 6 Kindern (2'/. Theile) 312.50 Mk., 11 dienstunfähige Lehrer 1705~m, zus. 4111.25 Mk. 8. Aus dem Staatszuschuß: 11 alleinstehende Wittwen, je ein Theil 792.77 Mk.. 1 Wittwe mit 1 Kinde 90.09 Mk.. ' 1 Wittwe mit 2 Kindern 108.11 Mk., 1 Wittwe mit 6 6 Kindern 180.20 Mk.. 9 dienstunfähige Lehrer 828.83 Mark, züs. 2000 Mk. Die Kgl. bayer. Regierung hat zwar vorsichtigerweise sich das Bewilligungsrecht bezw. diese Vergünstigung von Jahr zu Jahr Vorbehalten; doch steht zu hoffen, daß keinerlei Bedenken gegen den Zuschuß sich geltend machen werden. Die ultramontane Kammermehrheit hat dafür gestimmt und die bayerischen Liberalen sind erst recht nicht dagegen. Der Verein weist an Werthpapieren einen Nennwerth von 80,000 Mk. auf, der Kassabestand 1902 war 3149.86 Mk., während an Rückständen im Ganzen 82 Mk. zu verzeichnen sind. Der Gesammtvermögensbestand erreicht demnach die Höhe von 83,231.86 Mk. So blickt denn der isr. Lehrer-Verein im Königreich Bayern dankbar zurück in die Vergangenheit, indem er sich anschickt, künftiges Jahr sein 25jähriges Jubiläum zu begehen. Viel hat man erreicht, vieles gibt's noch zu erstreben und zu erkämpfen. Am harten Fels der Zeit einst als bescheidenes Pflänzchen gesprossen, durch der Liebe Thau benetzt und sorgsam gepflegt, ist er zum mächtigen Baume emporgewachsen, der köstliche Früchte trägt und gerne alle Lehrer unter sein schützendes Dach nehmen möchte. Herbei darum, ihr Säumigen! Heraus aus dem Schmollwinkel, der für keinen vernünftigen Menschen ein Ehrenplatz ist! Bis zur Jubelfeier 1904 soll keiner fehlen innerhalb der blauweißen Pfähle. "Hoch ist's nicht zu spät, doch „höchste Zeit zum Einsteigen." Möge auch der edle Herzenswunsch des allverehrten Vereinsvorstandes. Herrn H. Goldsiein-Heidingsfeld, sich erfüllen, mit dem ersten Vierteljahrhundert des Vereins das Vermögen auf 100,000 „abzurunden", sintemalen nach dem dezimalen System unserer heutigen Geldwährung sich's so leichter rechnen läßt. Und keiner würde über diesen arithmetischen. Vortheil mehr schmunzeln, als unser treubewährter Kassirer, Herr Dr. M. Braunschweiger-Würzburg, der alljährlich bei den Generalversammlungen den eindringlich mahnenden Worten des Vorsitzenden kräftig beipflichtet: „je