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Der Israelit · 1903-07-23 · Heft 58 (23.7.1903) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 58 (23.7.1903)
Date
1903-07-23
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Unter diesen Gesprächen waren die Fackeln vollständig heruntergebrannt und der Raum war wieder in völlige Dunkelheit gehüllt. »Es ist Zeit zum Aufbruch," mahnte Josef. In wenigen Augenblicken war die Stätte so bewegter Szene wieder wie ausgestorben. III. Der Frühling (1493) war wieder in's Land gezogen. Neue Hoffnung auf Besserung keimte in der Brust der Marannen. Dow vergeblich ist ihre Hoffnung. nichts vermochte das Herz der fanatischen Königin und ihrer einflußreichen Rathgeber zu rühren, um das Los der Juden zu einem glücklichen zu gestalten. Das Pesachfest war da. Wie alljährlich versammelten sich die Marannen zur Feier desselben bei Don Manuel. Es ist Seder-Abend. Alle sitzen bereits am Tisch, um aus dem Munde des Hausherrn die Erzählung von der Befreiung Israels aus Aegypten zu hören. Wann wird für sie die Stunde der Befreiung schlagen? Diese Frage konnte man auf allen Gesichtern lesen. „Wir sind noch nicht vollzählig," Hub Don Manuel an. „Noch fehlt einer unserer Brüder, und wir wollen noch ein wenig warten, vielleicht kommt er noch. Was nun unsere Lage betrifft," fuhr er ernster werdend fort-, „so dürfen wir uns keinen Hoffnungen hingebeu. Unser Traum von Besserung ist nicht in Erfüllung gegangen. Vergeblich lag Ton Abarbanel vor der Königin auf den Knieen, um ein besseres Loos für uns zu erflehen. Machtlos waren seine Bitten dem fanatischen Großinquisitor gegenüber. Unsere Lage ist verzweifelter, als je zuvor. Die Inquisition soll jetzt noch in allen Provinzen eingefübrt werden, und wird es schwer halten, unser Geheimnis; zu wahren. Rettung liegt nur in der Flucht und halte ich es für das Beste, wenn wir unser Besitzthum nach und nach veräußern und so bald als möglich aus dem Lande gehen." Da ertönte ein Glockenzeichen. „Es wird Juda sein," sagte Manuel. Da ertönte die Glocke zum zweiten und dritten Male. Erbleichend hörte es Manuel. Er wußte die Bedeutung des Glockenzeichens. Es die Warnung seines treuen Dieners; es war also Gefahr vorhanden. „Wir sind verrathen," stammelte Manuel. „Rettung liegt nur in der Flucht." Wie schnell hatten sich seine erst kurz vorher ausgesvrochenen Worte bewahrheitet: „Rettung liegt nur in der Flucht." „Folgt mir, meine Bruder. Wir sind verrathen." Bei diesen Worten öffnete er durch Druck auf einen geheimen Knopf eine sonst nicht zu erkennende Thür und trat mit seinen Genossen in einen dunklen, engen Gang. „Wir müssen hier einige taufend Schritte in dem dunklen Gange vorwärtsgehen, dann kommen wir in einem anderen Stadtviertel wieder auf die Straße." Nun langsam ging es vorwärts. Da endlich sah inan einen Lichtschimmer. Es war dies das Ende des Ganges. Doch was war das? Waren dort nicht am Eingänge des Schachtes Menschen, die laut miteinander sprachen. Waren es Leute, die zufällig da standen, oder sollte der geheime Gang verrathen worden sein und sollten da am Eingänge Soldaten stehen, um sie zu fangen. Don Manuel war nicht lange im Zweifel. Mit Schrecken sah er beim Näherkommen, daß der Ausgang thatsächlich von Soldaten besetzt war. Ihre Flucht war vereitelt. „Wir sind verloren." rief Don Manuel mit schmerzerfüllier Stimme seinen Genossen zu. „Halt!" rief ihnen der Anführer der Hermandad zu. „Gebt Ihr Euch gefangen?" „Wir sind Deine Gefangenen." sagte Don Manuel einfach. In einem Moment lagen sie Alle gefesselt am Boden. um nach dem Kerker gebracht zu werden. (Fortsetzung folgt.) Der „Israelit" erscheint wSchentllcli zweimal, Montaga und ßounerstaga, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. AaSland entsprechend hoher. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Dev Buchhandel verkehrt d^rch V. y. Steinncker, Deiprig, NoMatz J8. — Inserate 25 Pfennig die viergespaltene Nonpareillezelle oder deren Preis der Zeile im Reclametheil 75 Pfennig. — Direkte Francoursendung unter Streifband pro Jtchrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 16 Kronen österr., für's Ausland 18 Mark, an die Err rdition franco einsenden. Postzeitungsliste 3932. Telephon 1015. Stellesuchende und sonstige Jrreressenien können auf Wunsch die jeden Dienstag und Freitag erscheinende „Kleine AuSgabe deS JSraelit" vier Wochen lang gratis und franco erhalten. Wünscht man den Empfang der „Kleinen Ausgabe" längere Zeit, so kann man sich für 25 Liennige daS Vierteljahr, indeß ausschließlich bei der Post auf dieselbe unter Nr. 3933 abonniren. Auf Wunsch stunden wir die Zahlung deS JnfertionSbetragS au nutzer Stelle Befindliche bis nach Erlangung einer solchen. Inhalt (Hauplblattl r denzen: Deutschland: ST Inhalt v«r cvfirn Breslau. M.-Gladbach. 51— Inhalt vrr itoriitn — _ Correspondenzen: Deutschland: Srira-Btilage: Spenden-rrcrzeichnme. Verantwortliche Redacrirn: OSear Lehmann in Mains. — Ervedition deS ^Israelit". Schottstrabe Nr. 2. Mains. Druck und Verlag der Job. Wirth'schen Holduchdruckeret ActtemEeselllHast ln Malus. HissZu drei Gettsge«.

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