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Der Israelit · 1903-07-23 · Heft 58 (23.7.1903) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 58 (23.7.1903)
Date
1903-07-23
Page
– (sequence 7)
Language
German
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II. Wild brauste der Sturm über die Ebene bei Sevilla, dumpf rouie der Donner, und wenn hie und da ein Blitz an dem nächtlichen Himmel zuckte, beleuchtete er die Gesichter zweier Jünglinge, die trotz des Sturmes und Regens ihren Weg ruhig weiter verfolgten. Ihr Gesichtsschnitt verrieth die jüdische Abstammung. ' „Das rechte Wetter für unser Vorhaben," unterbrach der Eine, eine hohe, kraftvolle Gestalt, das Schweigen. „Noch etwas zu gut," meinte der Andere, eine nicht minder kraftvolle, aber kleinere Gestalt. „Meinst Du nicht, Josef, daß sich viele durch den Sturm abhalten lassen, bei der Zusammenkunft zu erscheinen?" „Darüber beruhige Dich, Elieser. Diejenigen, die ich zur Versammlung aufforderte, werden sich durch nichts abhalten lassen, um Mittel und Wege zu finden,, den Qualen, die wir Juden jetzt zu leiden haben, endlich ein Ende zu machen." »Josef, Josef," ermahnte Elieser, „gib Dich keinen Täuschungen hin, was willst Du mit 20 oder 30 Deinesgleichen gegen ein ganzes Volk ausrichten? Die Zeiten der Makkabäer sind vorüber." „Wohl sind die Zeiten vorüber, doch noch lebt der alte Gott; kann er uns nicht jetzt ebenso helfen, wie damals jenen Makkabäern?" Bei diesem Gespräche waren sie am Ziele ihrer Wanderung angekommen. Wie Riesen lagen vor ihnen die Trümmer einer alten Ritterburg, der geeignetste Ort für eine derartige Versammlung. Die Dunkelheit der Nacht, sowie abergläubige Furcht hielten jeden Unberufenen vor Zutritt zu den Trümmern ab und war die Wahl Josef's eine glückliche gewesen. In der einzigen, noch erhaltenen Halle angekommen, wurden die beiden Jünglinge von einer Schaar Männer von ungefähr dem gleichen Alter auf's herzlichste begrüßt. Von dem unstäten Lichte der angezündeten Fackeln beleuchtet, nahm sich die kleine Schaar wie eine Geisterversammlung aus. Da unterbrach Josef das Schweigen: „Meine Brüder! Ich habe Euch hierherbeschieden.. Euer Herz sagt Euch warum. Könnt Ihr das länger mitansehen, daß die Blüthe unseres Volkes von den fanatischen Mönchen dahingemordet wird, wollt Jbr weiter unthätig mitansehen, bis auch die Reihe an Euch kommt? Nein,.: nimmermehr, raffet Euch auf aus Eurer Unthätigkeit, schüttelt die Angst vor dem Feinde ab. Denket an unsere Vorfahren, an Judo Makkabi, haben die sich hinmorden lassen, ohne sich zur Wehr zu setzen? Ich sehe wohl ein, daß wir gegen die spanischen Soldaten nichts ausrichten können, doch können wir nicht unschuldig Verurtheilte aus dem Gefängnisse befreien? Alles wollen wir daran setzen, und wenn es sein muß. reißen wir Unschuldige vom Scheiterhaufen herunter. Können wir das nicht? Antwortet. Kann uns Gott nicht ebenso helfen, wie Er unseren Vätern half. Wir können und wollen nicht länger zögern!" Beifallsrufe ertönten. Doch wieder war es Elieser. der von dem Vorhaben abrieth. „Ucberleget wohl, was Ihr vorhabt, bedenket wohl, ob der Schaden nicht größer sein kann, als der Vortheil. Angenommen. Ihr befreit einige Gefangene aus dem Kerker, werden dann nicht in Zukunft die Wachen verdoppelt und verdreifacht werden und Eure Unternehmungen so vereitelt werden. Wird man dann mit den Gefangenen nicht noch kürzeren Prozeß machen? Auch ich leide schwer, wenn ich daran denke, wie unsere Brüder in diesem Lande leiden müssen; doch denket an das Wort des Propheten: Nicht durch Kraft und nicht durch Macht, sondern durch meinen Geist spricht Gott. — Nur bei Gott liegt Rettung, sollen wir Ihm da vorgreifen?" „Du gehst zu weit," entgegnete ihm Josef, „nicht das will ich, was Du sagst. Wirst Du Dich widersetzen, wenn ich meinen gefangenen Bruder aus dem Gefängnisse befreien will? Du wirst es nicht, und auch Ihr nichr, meine Brüder," wandte er sich an die Versammelten. „Wir sind bereit, mit Dir zu kämpfen und zu sterben," fielen Alle begeistert ein. „Ich danke Euch, meine Brüder. Ist auch Keine: unter Euch, der sich nicht stark und muthig genug zu dem Unternehmen fühlt, er möge es ruhig sagen."' Keiner rührte sich. „Werdet Ihr auch alle Euer Wort halten und bei keinem Menschen etwas über diese Zusammenkunft sprechen? Ihr wüßt, was davon abhängt. Schwört es mir!" „Wir schwören es." sagten Alle einmüthig. „Wer ist außer den hier Versammelten noch in's Vertrauen gezogen?" fragte einer der Jünglinge. „Niemand außer uns," erwiderte Josef. „Auch Jlida nicht?" „Auch dieser nicht." „Warum nicht?" „Laß das meine Sache sein," entgegnete Josef schroff. „Warum hast Du Juda nicht auch hierher kommen lassen?" wandte sich Elieser leise an den Freund. „Ich traue ihm nicht," erwiderte Josef ebenso leise. - „Wie?" fragte Elieser erstaunt, „welchen Grund hast Du zu diesem Mißtrauen? Ist nicht Juda ein besonderer Günstling Don Manuels? Solltest Du Dich nicht irren?" ' „Kann sich Don Manuel nicht auch in einem Menschen täuschen? Ich habe meine Gründe zu Mißtrauen und will ich Gott danken, wenn mein Mißtrauen grundlos war."

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