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Der Israelit · 1903-07-23 · Heft 58 (23.7.1903) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 58 (23.7.1903)
Date
1903-07-23
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1282 ihre Subvention diese dem Religionsgesetze treue, ergebene Vereinigung zu stützen und zu festigen. Wir sehen uns gezwungen, unseren Appell an die Öffentlichkeit zu richten; die hiesigen Verhältnisse liefern einen neuen Beleg dafür, wie wenig die sog. Liberalen geneigt sind, die Gewissensfreiheit zu respektiren, vielmehr bereit sind, da, wo.es geht, rücksichtslos gegen ihre gesetzestreuen Stammesgenossen vorzugehen. Frankreich. Paris, 17. Juli. Seit mehreren Monaten kann man hier am gare de L'Eft jeden Freitag einem ergreifenden Schauspiel beiwohnen. Jeden Freitag gegen 10 Uhr bringt der vom Ausland kommende Zug eine ziemlich zahlreiche Emigrantenschaar aus Rumänien, die von hier nach Havre geht, um von da die Reise nach Amerika anzutreten. Unter den Armen finden sich Leute jeden Alters und Standes. Doch sind es meistens junge, arbeitslustige Leute, die ihre Heimath verlassen müssen, und eine neue suchen. Auf meine Frage, ob die Lage in Rumänien noch nicht besser geworden sei, sagte mir einer der Führer des Zuges: „Von besser werden ist noch keine Spur. Unsere Verhältnisse sind jetzt noch genau so, wie sie früher waren, nur mit dem einen Unterschiede, daß die öffentlichen Hetzereien ausgehört haben. So lange man bei uns," meinte er, „noch immer Gesetze Kat, deren Ausübung nicht dieselbe Wirkung für alle Bürger bietet, ist an eine Besserung nicht zu denken. Alles was bis jetzt geschah, war nur formell, in Wirklichkeit bestehen für uns dieselben Schwierigkeiten, wie vorher. Man hofft bei uns. daß das Zusammentreffen des Königs mit dem Kaiser von Oesterreich vielleicht auch für die rumänischen Juden von günstigem Einfluß sein werde." . Der heutige Zug war achtzig Personen stark, darunter befanden sich auch einige ganze Familien, die ihr Hab und Gut zu Hause verkauften, um die Reise antreten zu können. Bei ihrer Ankunft in Paris werden sie von Herrn S. Schwabacher aus Frankfurt a. M., der hier wohnt, empfangen und bcwirthet. Sie werden in ein in der Nähe des Bahnhofes gelegenes Nestaurant geführt, wo sie gedeckte Tische vorfinden und selbstverständlich strengrituelle und unter Aufsicht des ebengenannten Herrn zubereitete Speisen bekommen. Dies muß umso nachdrücklicher hervorgehoben werden, als gerade an dieser Stelle vor einiger Zeit der Mangel an genügender Theilnahme den Emigranten gegenüber scharf geurtheilt wurde. Und nicht nur in Paris finden sie diese so überaus humane Aufnahme, sondern auch in Havre wartet ihrer schon eine ebenso lobenswerthe gastfreundliche Aufnahme, die Herr Schwabacher von hieraus besorgen läßt. Auch ist dafür gesorgt, daß die Emigranten von hier noch frühzeitig abgeben, um iw Havre vor Abend ankommen zu rönnen. W. Feuilleton. Eosef von Mevilla. Zrzähkung aus der Ieii der Inquisition. ii Unsere Erzählung versetzt uns in die letzten Jahre des 13. Jahrunderts. Das für die Juden so schreckliche Edikt der Königin Jsabella war im Jahre 1492 erlassen worden, nach welchem sämmtliche Juden, die nicht die Taufe annehmen wollten, innerhalb vier Monaten Spanien verlassen mußten. Schlimmer als je zuvor wüthete das schreckliche Glaubensgericht, das Jnquisitionsiribunal gegen diejenigen, die trotz Annahme der Taufe wieder in den alten Glauben zurückfielen. Wehe dem, der vor die Schranken des Tribunals geladen wurde. An Rettung vor dem Scheiterhaufen war nicht zu denken. Wenn auch das einzige Geständnitz, noch Jude zu sein, genügte, um einen dieser Unglücklichen zum Feuertode zu verurtheilen, so erpreßte ihnen die Folter Geständnisse von Verbrechen, an die sie nie dachten. Welch' verlockende Aussichten hatten also jene armen, ausgewiesenen Juden, durch Annahme des Christenthums ihren Aufenthalt in Spanien zu ermöglichen? Dennoch konnten sich viele Juden nicht dazu entschließen, ihre südliche Heimath zu verlassen, und traten deßhalb äußerlich zum Christenthum über, während sie jedoch in der That dieselben gläubigen Juden waren, gls früher. Zu diesen, Marannen genannt, gehörte auch Don Manuel, einer der angesehensten Bürger von Sevilla. Niemand, außer seinen Glaubensgenossen, ahnte, daß hinter dem scheinbar froininen Christen ein glaubenstreuer Jude steckte, und konnte er so ohne Furcht vor Entdeckung in seinem Hause die alten Satzungen aufj recht erhalten. Mit allen Glücksgütern gesegnet, zur Seite einer liebenden Gattin, erfreut durch seine einzige liebliche Tochter Selma, wagte er zu hoffen, daß ihm das Glück auch weiter hold bliebe und er in Ruhe seines Glückes genießen tonne. Doch glaubte er selbst nicht, daß alles so bleiben werde, und oft saß er stundenlang in Schwermuth versunken da und dachte darüber nach, was die Zukunft bringen könnte, ja sogar bringen mußte. Weßhalb sollte er auch allein von dem Unglück, das seine Glauben-brüder betroffen hatle und noch im Gange war. verschont bleiben? Wie schnell sollten sich seine düsteren Ahnungen verwirklichen. —

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