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Der Israelit · 1903-07-23 · Heft 58 (23.7.1903) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 58 (23.7.1903)
Date
1903-07-23
Page
– (sequence 4)
Language
German
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luftig angelegt; überall herrscht peinliche Ordnung und Reinlichkeit. Die Eleven, die nunmehr den Anwesenden vorgestellt werden, sahen frisch und gesund aus. Die Antworten, die sie auf die an ste gestellten Fragen ertheilten, zeigten, daß sie praktisch mit allen landwirthschaftlichen Thätigkeiten vertraut gemacht werden und .daß ste mit Lust und Liebe an dem Von ihnen erwählten Berufe hängen. Aus den kurzen Aufsätzen, die die jungen Leute über das, was sie gelernt hatten, anfertigen müssen, war zu ersehen, daß der theoretische Unterricht nicht hinter dem praktischen zurücksteht. Zuerst wurden die Ställe besichtigt. 24 Kühe, 10 Kälber. 9 Pferde zeigten einen vorzüglichen Stand. Da die Berwerthung der Milch die Gesammtwirthschaft günstig beeinflußt und andererseits die bisherige Produktion nicht mehr der Nachfrage genügt, soll in nächster Zeit die Zahl der Kühe auf mindestens 30 erhöht werden. Der Gang über die Felder des ca. 400 Morgen großen Gutes veranlaßt diejenigen, welche Neuhof vor der Bewirthschaftung durch die Bodenkulturgesellschaft gesehen hatten, zur rückhaltlosen Anerkennung der Betriebsleitung. Die anwesenden Fachleute sprachen sich außerordentlich befriedigt über den Stand der Früchte aus. der eine gute Ernte erhoffen läßt. Das Ganze sticht entschieden außerordentlich zu seinem Vortheil von den umliegenden Besitzungen ab und beweist, mit wie großem Verständnitz und welch' rastloser Arbeit an der Meliorirung des Gutes gearbeitet wird. Nach bem Rundgang, der allgemein lebhaftes Interesse hervorgerufen hatte, wurden die Gäste von dem Posener Damenkomitee, welchem Frau D. Gellert, Frau Jeanette Herz, Frau Licht, Frau Medizinalrath Mankiwicz und Frau I. Rosenthal angehören, mit einem Frühstück bewirthet. Der Vorsitzende, Oberamt- - mann Cohn, begrüßte offiziell die Erschienenen und sprach dem Leiter. Herrn Rosenthal, sowie dem Damenkomitee den herzlichen Dank der Gesellschaft aus. Hiernach fand eine Besprechung der anwesenden Gesellschafter und Vorstandsmitglieder des Bodenkulturvereins statt, in welcher die Aufnahmebedingungen der Zöglinge prinzipiell erörtert wurden, und der Beschluß gefaßt wurde, weitere Zöglinge auf Neuhof aufzunehmen. Zwar liegt eine große Anzahl von Anmeldungen vor. die aber zum größten Theil keine Berllcksichtgung finden konnten, da es sich entweder um kränkliche oder schwächliche junge Leute handelt, oder andere Bedenken vorliegen. Es sei an dieser Stelle nochmals betont, daß die Bodenkulturgesellschaft nur gesunde und kräftige Zöglinge Aufnahme gewähren kann. Neue Anmeldungen nimmt Herr Rosenthal. Posen. Naumannstraße 15. entgegen. Die Besichtigung hat alle Erschienenen davon überzeugt, daß das bedeutsame Unternehmen in guten Händen liegt, und daß. wenn auch noch manche Verbesserungen zu treffen, manche Erfahrungen zu sammeln sind, man doch beruhigt und vertrauensvoll der Zukunft des bedeutsamen Unternehmens entgegensehen kann. Frankfurt a. M., 22. Juli. (Zur Errichtung eines jüd. Lehrlingsheims.) Den Nr. 2 der „Mittheilungen aus dem Verein zur Versicherung gegen Stellenlosigkeit" (rcv naw entnehmen wir über obiges Thema die folgenden Ausführungen: Es liegt in der Natur der Sache, daß Frankfurt als bedeutendste Handelsstadt ganz Süddeutschlands mit seiner großen Zahl von, durch jüdische Inhaber geführten Geschäften, der Platz ist, wohin sich nicht nur aus der näheren und weiteren Umgebung, sondern auch aus beiden Hessen, aus Baden. Bauern u. s. w. die Blicke jener Väter lenken, die ihre Söhne dem Kaufmannsstande zuführen wollen. Waren es früher vorwiegend Kinder aus wohlhabenden oder wenigstens bemittelten Familien, die für den kaufmännischen Beruf in Betracht kamen, so sind es jetzt vielfach solche, für deren Unterhalt während der Lehrzeit kein oder nur ein sehr geringer Zuschuß geleistet werden kann. Es erklärt sich dieser Umstand aus der wirthschaftlichen Entwicklung des letzten Dezenniums. Waarenhäuser, Versandgeschäfte, Konsumvereine. Genossenschaften etc. haben in Verbindung mit der Besserung unserer Verkehrswege die kleinen Waarengeschäfte auf dem Lande und in den Kleinstädten, den Haupterwerbszweig der dort wohnenden jüdischen Bevölkerung, auf den Aussterbeetat gesetzt. Ein weiterer, früher sehr wichtiger Erwerbszweig, der Viehhandel, hat theils durch genossenschaftliche Gründungen, theils durch Einfuhrverbote. Seuchengesetze etc. seine frühere Ertragsfähigkeit verloren. Rechnet man hinzu die überall offen oder latent vorhandene antisemitische Strömung, die in den kleineren Verhältnissen sich doppelt unangenehm fühlbar macht, so kann man es keinem Vater verübeln, wenn er seine Söhne einem, bessere Chancen bietenden Berufe zuführen möchte. Bedauerlicherweise stehen dieser Wunsch und die Mittel zu seiner Verwirklichung nur selten im Einklang. Fort und fort kommen Gesuche an unseren Verein. Lehrstellen zu vermitteln, in denen Kost und Wohnung von dem Prinzipal gewährt werden. Leider gibt es solche Stellen weder hier in Frankfurt noch in sonstigen Groß- und Mittelstädten. Aus dem so geschaffenen Dilemma führen zwei Auswege, von denen man schwer sagen kann, welcher die unangenehmeren Folgen aufweist. Zum kleineren Theil, meist in jenen Fällen, wo der Vater noch einen kleinen monatlichen Zuschuß leisten kann, wird hier eine Unterkunft gefunden, die bei dem sehr gedrückten Pensionspreis weder in Bezug auf 8^ ~7-'viygadaJKggyTKStjfUl'r' 'JTJ. « \\rm

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