Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 57 (20.7.1903)
- Date
- 1903-07-20
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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nehmen. Schließlich erklärte er. daß er das ' Memorandum zum Gegenstand eines Studiums machen und Erleichterungen schaffen wolle. Auf die Bitte, ein Uebergangsstadium zu schaffen, stellte der Minister die Schaffung desselben in Aussicht. Zum Schluffe machte der Abgeordnete Ladislaus Nyegre den Finanzminister aufmerksam, daß der Gesammtverdienst einzelner kleiner Trafikanten in einer Woche nicht so viel betrage, als die Anstellung eines Verkäufers für die Samstage toste. Der Minister, welcher die Deputation sehr freundlich empfing, versicherte nochmals, daß er die Angelegenheit einer günstigen Erledigungzuführen wolle. Semlin. (Eine Reminiszenz.) Gelegentlich der Thronbesteigung des serbischen Königs mag es nicht uninteressant sein, zu erwähnen, daß hier ein angesehener ungarischer Staatsbürger lebt, der in der Jugend des neuen serbischen Staatsoberhauptes eine nennenswerthe Rolle gespielt hat. Es ist dies der Semliner Kaufmann Herr Georg Spirta. Derselbe gab dem Vater Peters, Alexander Karagyorgevics, dessen Gattin und Sohn, dem jetzigen König, der damals 14 Jahre alt war, unmittelbar nach ihrer Ausweisung aus Serbien sechs Monate hindurch Schutz und Unterkunft. Alexander Karagyorgevics vertraute damals seinem Beschützer Herrn Spirta und seiner Gattin geborene Eva Rosenberg, ohne jede Schrift, zwei Millionen Dinars an, die er erst dann zurückforderte. als er später in Bogszeg (Arader Komitat) eine Besitzung ankauste. Unser Glaubensgenosse wurde vom alten Karagyorgevics reichlich beschenkt als Zeichen seiner Anerkennung für seine Herzensgllte und die Verwaltung seines Vermögens. Frankreich.- Paris, 13. Juli. Gestern hat man hier das Denkmal eines Mannes eingeweiht, dem auch die französischen Juden zum großen Danke verpflichtet sind. Jules Simon ist sein ganzes Leben lang ein unermüdlicher Vorkämpfer der Wahrheit und der Freiheit gewesen und bei jeder passenden Gelegenheit hat er mit aller Entschiedenheit gegen die Bewegung protestirt. die Kaiser Friedrich so treffend als „Schmach des Jahrhunderts" gekennzeichnet hatte. Die Redner, die bei der gestrigen Feier das Wort ergriffen, haben auch in sehr schöner Weise die hohen, sittlichen und politischen Tugenden Jules Simon's hervorgehoben. Vor ihm öffneten sich zwei Wege: der Weg der Ehre und der der Jmpopularität. Er wählte den letzteren, um seinem Grundsätze der Gleichheit aller Bürger ohne Unterschied der politischen und religiösen Anschauungen. treuzubleiben. Berühmt sind ja die Worte, die er einst in der Nationalversammlung gesagt hatte: „Man muß die Freiheit auch für seine Gegner lieben. Wenn man sie nur für sich liebt, ist man nicht würdig, sie zu lieben und zu verstehen." Wir Juden wollen ferner nicht vergessen, daß Jules Simon sich in geradezu väterlicher Art und Weise des unlängst verstorbenen jüdischen Dichters Eugene Manuel angenommen und ihm während seiner ganzen Laufbahn das lebhafteste Interesse bekundet hat. Und Jules Simon ist wie kaum einer sein ganzes Leben dem Grundsätze treu geblieben, den sein Freund und Mitarbeiter Manuel in so schönen Versen gesungen hat: Lei ir-, parke. agis, sans peur de danger, L’univers estgrand. qne ton oeil y ploiige, - Tivpourraa faillir, meme propager Une erreur pavfois, mais jamais un mensonge! Pi. Schweiz. Baden (Schweiz). Am Montag. 6. Juli, konstituirte sich in einer dahier einberufenen Versammlung der Rabbiner, Lehrer und Kantoren des Landes ein „Verein der israelit. Religionsbeamten der Schweiz". In den Vorstand wurden die Herren Dr. Strauß- Zürich, Schachnowitz - Endingen und Rosent h a l - St. Gallen gewählt. Schweden. Stockholm. (Die Schächtfrage in Skandinavien.) Die - Gegner des Schächtens sind überall recht eifrig bei der Arbeit. Nachdem in Finnland ein Schächtverbot erlassen worden ist, möchten die Schweden ihren Nachbarn nicht nachstehen und I sind daher bemüht, dasselbe zu erreichen. Vorläufig I wird die Schächtfrage nur in den Zeitungen ventilirt, I aber die Gegner haben die feste Hoffnung, ihr Ziel bald zu erreichen. Der erste, der diese Frage angeschnitten hat, ist der Abgeordnete und Thierschlltzler Wawrinsky. Derselbe beruft sich auf den Stockholmer Rabbiner Professor Klein, der die Aeußerung gethan haben soll, daß keine schwedische Familie mehr koscher esse: „Deßhalb fort mit dem Schächten, das doch eine bar-, barische Sitte ist," ruft Wawrinsky aus. „Sollen wir etwa auf die. polnischen Juden Rücksicht nehmen?" Aber Gottlob gibt es auch in Schweden noch Juden, welche unsere heiligen Gebote nicht so leicht preisgeben. Als Vertheidiger des Schächtens traten auf Herr Dr. Koch aus Göteborg und Herr Dr. Wolstein in Stockholm. Letzterer hebt hervor., daß die ersten und ältesten Gesetze zum Schutze der Thiere sich in der Bibel befanden und daß die Juden demnach die ersten Thierschützer waren. Das Schächten selbst ist ein Gebot der Humanität, um 8 dem Thier jede Todesqual zu ersparen. Daß dies auch jetzt noch der Fall ist. beweisen die unzähligen Gutachten von den berühmtesten Fachmännern auf dem Gebiete der Veterinärkunde. Ein christlicher Thierarzt in München, Namens Heiß, geht sogar soweit, zu behaupten, daß das Schächten die beste Tödtungsart ist, und es wäre wünschenswerth, dieselbe als obligatorisch u*quj. .