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Der Israelit · 1903-07-20 · Heft 57 (20.7.1903) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 57 (20.7.1903)
Date
1903-07-20
Page
– (sequence 10)
Language
German
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■ v 1266 hoffen, daß diese Konserven von den Reisenden regelmäßig verlangt werden, so daß dann die Veranlassung vorliegen möge, daß die genannte Rhederei ihren Passagieren, welche die Machol-Konserven beanspruchen, solche als regelmäßige und ihnen rechtmäßig zustehende Kost verabreichen lassen wird. Nachdem ein solch bedeutendes Verkehrsunternehmen durch die Zulassung dieser Konserven ein Bedürfniß für dieselben indirekt anerkannt hat, dürste es uns mit der Zeit gelingen, diese Frage auch bei anderen öffentlichen Verkehrsinstituten zur Geltung zu bringen. Unsere regelmäßig zur Ausgabe gelangenden Vereinsregister, welche sich rasch die Gunst des Publikums erworben haben, die wiederholt erwähnte von uns geplante Ausbildung von Wirthen, die Errichtung von Verkaufsstellen für Machol-Konserven und andere zweckdienliche Einrichtungen, welche eine praktische und durchgreifende Organisation der rituellen Verpflegung darstellen, sind fortgesetzt der Gegenstand eingehender Berathung, und hoffen wir, darin weiter gute Resultate melden zu können. Selbstredend bedarf es zur Verfolgung und zum ferneren Ausbau unserer Ziele und Pläne stets größerer Mittel, indem nicht nur unsere Unkosten stch stetig vermehren, sondern die Gesuche um Subventionen und Beihilfen zu Etablirungen beständig zahlreicher werden. Es ist daher die Pflicht eines jeden orthodoxen Juden, in seinem Kreise für unseren Verein bezw. für dessen Bestrebungen zu werben und recht viele Glaubensgenossen zu veranlassen, sich in unsere Mitgliederliste eintraaen zu lassen, um durch möglichst hohe Beiträge unsere Mittel zu stärken. In dem im verflossenen Jahre erschienenen Band I der „Gesammelten Schriften" von S. R. Hirsch heißt es in den Skizzen „Aus der Mappe eines wandernden Juden" wörtlich: „Daß von frommer Seite nicht für gute, anständige, jüdische, gewissenhaft koschere Hotels und Sveisewirthschaften möglichst gesorgt wird, ist in meinen Augen eine der größten Gedankenlosigkeiten und Versündigungen, die sich unsere Zeit zu Schulden kommen läßt, ^und schwer lastet die Verantwortung auf uns allen, auf jeder Gemeinde. jedem Kreis, die durch diese Vernachlässigung die schwachen Söhne unserer Zeit einer so großen Versuchung ausgesetzt sein lassen. Denn es gehört schon in der That Festigkeit dazu, Wochenja mondenlang entweder mit der precairsten Kost sich zu begnügen, oder an einem Tisch zu speisen, wo der Appetit schon vergeht, ehe die Mahlzeit begonnen. Ich bin überzeugt, fänden die Reisenden in den meisten Städten eine anständige jüdische, koschere Table d'hote, mehr als die Hälfte von denen, die jetzt die Speisegesehe übertreten, würden an diesen koscheren Tischen speisen, und dann auch gerne einmal den gehörigen Tisch entbehren, wo sie ausnahmsweise — wie wir heute — ihn nicht haben können. Mehr als Synagogenbau ist meines Dünkens heutigen Tages die Gründung anständiger, koscherer Hotels und Speisewirthschaften ein religiöses, gottgefälliges Werk, und wo ist die Gemeinde, wo sind die frommen Vereine, die noch daran gedacht!" _ Die Hoffnungen und Wünsche, welche der sel. Verfasser in solchen Gedanken vor langen Jahren ausgesprochen hat. sie haben sich verwirklicht durch die Errichtung unseres Vereins, der es als seine vornehmste Aufgabe betrachtet, im Sinne dieser bedeutsamen Worte immer weiter zu wirken. Der Verein balancirt in Ein- und Ausgaben mit etwas über Mk. 3000. unga t u. Budapest. (Trafikanten . beim Finanzminister.) Bekanntlich hat der Finanzminister eine Verordnung erlassen, nach welcher es vom 1. Juli ab den Trafikanten israelitischer Konfession untersagt ist, am Samstag ihre Geschäftslokale geschlossen zu halten. Diese Verordnung wurde später dahin abgeändert, daß das Geschäftslokal wohl geschlossen bleiben dürfe, jedoch in einem nächst dem Haupteingange unterzubringenden Verschlage alle Trafiksorten feilgeboten werden müssen. Die israelitischen Trafikanten traten in Folge dessen kürzlich zu einem Landeskongreß zusammen, welcher den Beschluß faßte, dem Finanzminisier im Wege einer Deputation ein Memorandum zu überreichen, in welchem um Zurückziehung, respektive Milderung dieser Verordnung angesucht wird. Dieser Tage sprach während einer Sitzung des Abgeordnetenhauses unter der Führung des Verboer Oberrabbiners Samuel Reich eine zwanziggliedrige Deputation beim Finanzminister Lukacs vor, um ihm das Memorandum zu überreichen. Der Deputation hatten sich die Reichstagsabgeordneten Ladislaus Nyegre. Elemer Domanhidy, Bela Barabas, Akos Bizony und Coloman Solteß-Ragy angeschlossen. Oberrabbiner Reich schilderte in prägnanten Worten, wie schwer die Verordnung die Trafikanten israelitischer Konfession treffe, und er bat den Minister. derselbe möge Abhilfe schaffen oder zumindest einen Uebergangstermin gewähren. Finanzminister Ladislaus Lukacs nahm das Memorandum' mit der Versicherung entgegen, daß es ihm ferne gelegen sei, den Konfessionalismus in irgend welcher Weise durch die Verordnung zu schüren, es waren vielmehr blos die Interessen des Aerars. welche bei Erlaß der Verordnung maßgebend wurden. Der Minister sagte ferner, er wolle den religiösen Gefühlen der Interessenten Rechnung tragen und die Finanzdirektionen anweisen, sie mögen die strikte Einhaltung der Verordnung nicht fördern, sondern auf die lokalen Umstände Rücksicht

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