Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 57 (20.7.1903)
- Date
- 1903-07-20
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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sollte, um die in Folge der Kischinew-Greuel zu erwartenden Massen von jüdischen Einwanderern aus Rußland gehörig zu versorgen. Nach Dr. Levi's Plane sollen die reichen Leute dazu bewogen werden, das nöthige Geld vorzustrecken, um eine Ansiedlung der jüdischen Einwanderer auf Farmen zu ermöglichen. In der Zusammenkunft hielten Reden: Prof. G. L. Griffith's, Jacob Labosky. Roman G. Lewis, F. W. Monroe, Henry M. Schabad, Raymond Robbins und E. P. Rosenthal. S p r e ch f a a J. Berlin, 17. Juli. Als eifriger Leser Ihres geschätzten Blattes bekam ich den Artikel Ihrer Zeitung: „Eingesandt aus Franzensbad, vom 6. Juli, unterzeichnet mit I. Löffler, Religionslehrer, worin angebliche Mißstände über die rituelle Geschäftsführung des dortigen Hotel Adler beleuchtet werden. Vorausschicken will ich, daß ich selbst strenggläubig und auf dem Boden des traditionellen Judenthums stehe und als vieljähriger Besucher des betreffenden Hotels mich von der reellen und streng-orthodoxen Führung der Küche selbst überzeugt habe, und mich der oben erwähnte Artikel als Jude sowohl, wie als Mensch auf's Aeutzerste empört hat, und kann ich nur nochmals erklären, daß alle in dem Artikel angeführten Anschuldigungen gegen das Hotel Adler auf Unwahrheiten beruhen. Was das „Buchen" anbelangt, war ich selbst Augen- und Ohrenzcuge, daß der Schochet des Hotel Adler eidesstattlich versicherte, daß der Schochet des Restaurateur Spiegel in seiner Gegenwart t r e f e n e Fleischtheile zu den koscheren geworfen, und als er ihn darauf aufmerksam machte, mit Achselzucken erwiderte: „nu, was schadet es!" Aus diesem Grunde ließ am darauffolgenden Wochenfeste auch Herr Adler, der zugleich Mitvorsteher der Synagogen-Gemeinde ist, den Schochet den Priestersegen nicht sprechen, da er ihn nach solchen Vorgängen nicht würdig hielt, dieses hehre Amt ouszuüben. Dies der wahre Sachverhalt, den ich bereit bin, unter meinem Eide zu bekräftigen. Der verehrliche Leser mag nun seine Schlüffe daraus ziehen, welchem Hotel man mehr Vertrauen betreffs „Kaschrus" schenken . darf, zumal die Leitung der Küche des Hotels Adler der Frau des Inhabers, die die Tochter des weit über die Grenzen des Landes bekannten orthodoxen Restaura- J teurs Leitner-Marienbad ist, untersteht. Berlin N.W., Bruckenallee 17. Moritz Wrefchner. (Wir haben den früheren Artikel aufgenommen, da wir keine Ursache hatten, in die Zuverlässigkeit unseres Korrespondenten den geringsten Zweifel zu setzen. Da uns nun aber auch von anderer Seite bestätigt wird, daß die früheren Angriffen gegen Herrn Ignaz Adler, sowie gegen dessen Schächter gegenstandslos sind, so bedauern wir deren Aufnahme und sehen uns veranlaßt, dieselben nach jeder Richtung hin hierdurch zu widerrufen. D. Red.) Aerrrlletoir. Jerusalem. Uiflovtfche Vv;2tzlrrng von Jsaae Bretter—Frankfurt a. M. 23] (Fortsetzung und Schluß.) „Faßt Euch," sagte er leise, „kurz ist die Zeit, die Euch noch bleibt. Ihr müßt Euch zum Tode bereiten." Aber sie ließen nicht von ihm. Allmählich sanken seine Augenlieder tiefer und tiefer und, himmlischen Frieden in den Zügen, fiel er in einen sanften Schlaf. Die lange, gefahrvolle Reise und die Aufregung hatten ihn ermüdet. Da traten die Männer still zur Seite und im Flüstertöne beriethen sie. was nun zu thun sei. Nach langem Bedenken schienen sie endlich einen Entschluß gefaßt zu haben. Sie verbrachten den Nest der Nacht in stillem Gebet. Noch graute der Morgen kaum, da hoben sie den tief schlummernden Rabbi vom Boden auf und trugen ihn behutsam in die Burg. Aber sie brachten ihn in keinen Saal, vielmehr gingen Ze in den unterirdischen Gang hinab, bereiteten dort ein weiches Lager und legten darauf den Rabbi. Dieser schlief noch immer, denn seit drei Tagen hatte er kein Auge geschloffen. Voll Sorge war er herbeigeeilt, von der Furcht gejagt, zu spät zu kommen. Sie kehrten in den Saal zurück, wo nun Alle versammelt waren.' In größter Andacht verrichteten sie das gemeinsame Morgengebet. Der zweite Vor-"