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Der Israelit · 1903-07-20 · Heft 57 (20.7.1903) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 57 (20.7.1903)
Date
1903-07-20
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1261 erster Reihe solche Läden bevorzugt hat, in denen etwas für den Magen zu finden war. In 51 Bäckereien wurde für 44,500 Rubel Brod. in 32 Läden wurden für 30,000 Rubel Fleisch. Fische. Obst. Gemüse etc. geraubt. 264 Materialwaarenhandlungen haben einen Verlust von 224,000 und 110 Weingeschäfte einen solchen don 127,000 Rubel zu beklagen gehabt. Im Ganzen hat der hungrige Pöbel in 495 Läden seine Magenbedürfnisse befriedigt und dabei für 300.000 Rubel Lebensmittel vernichtet und für 127,000 Rubel Schnaps vertilgt. Im weiteren Verlauf wurden 136 Kleiderläden, Hutgeschäfte, Schuh- und Galanteriewaarenhandlungen erbrochen und zusammen um 364,000 Rubel geschädigt. So wurden in 16 Kleiderläden für 97.000, in 9 Hutgeschäften für 27,000 Rubel Maaren gestohlen. In 28 Schuhgeschäften haben sich die Barfüßler für 85,000 Rubel Stiefel geholt, und in 66 Galanteriewaarenhandlungen haben die plündernden Frauen sich für 138,000 Rubel Putz und Tand geraubt. Sehr groß ist der indirekte Verlust in Folge der nunmehr eingetretenen gänzlichen Geschäftsstockung. In neun großen Detailgeschäften betrugen die Bruttoeinnahmen im März 1903 rund 75,000, gegen 89,000 Rubel im Jahre 1902. Sie sank im April desselben Jahres von 100,000 auf 55,000 und im Mai von 129.000 auf 78,000 Rubel. In den beiden Monaten April und Mai 1902 gelangen Wechsel zum Protest im Betrage von 66,000 Rubel, während im gleichen Zeiträume des Jahres 1903 in Folge der Krawalle die protestirten Wechsel sich auf mehr als das Doppelte, nämlich 149,000 Rubel belaufen haben. Bulgarien. Sophia. (Philosemitisches aus Bulgarien.) Wie süß und angenehm das Leben der Juden in Bulgarien ist. wie sympathisch sich die Bulgaren ihren jüdischen Mitbürgern gegenüber benehmen und wie die Mazedonier, die die Welt mit den Nachrichten von ihren Leiden und Kämpfen in Erregung bringen, die Freiheit verstehen, sobald es sich um Juden handelt, beweisen uns die letzten Vorgänge in Bulgarien. Wir folgen hierin der Erzählung der spaniolischen Zeitung in Sophia „La Verdad". Die Sozialisten von Sophia haben, angeregt von der internationalen Leitung der sozialistischen Partei in Brüssel, ein Meeting veranstalten wollen, um gegen die Greuel von Kischinew zu protestiren. Es ist ihnen ober zum ersten Male nicht gelungen, da die Macedonier die Versammlung gesprengt haben. Aber die Sozialisten beschlossen, doch um jeden Preis eine Versammlung abzuhalten und kündigten eine neue Versammlung an. Gleich darauf trat die angesehenste, beinahe offizielle Zeitung Bulgariens, die „Wetscherna potschta" mit einem drohenden Artikel gegen die Sozialisten und gegen die Juden auf. Der Artikel rechtfertigte die Massacres von Kischinew und erklärte, sie waren bloß eine gerechte Auflehnung der ausgebeuteten russischen Massen gegen die jüdischen Ausbeuter. Die Sozialisten wollten sich doch nicht abschreckrn lassen und sorgten dafür, daß die Macedonier in ihre Versammlung, die im Zirkus „Bulgaru" stattfinden sollte, nicht eindringen, aber sie konnten es schließlich doch nicht hindern. Die Macedonier, darunter auch Studenten, drangen mit Gewalt in die Versammlung ein, es entstand eine sehr ernste Rauferei zwischen den Sozialisten und ihnen, und nur die Einmischung der Polizei konnte ernste Folgen verhüten. Vom Zirkus begab sich ein großer Haufe Macedonier nach dem jüdischen Viertel Sophias „Jusch Bonai" und machte Miene, einen Judenexceß zu veranstalten. Auf Ansuchen des Oberrabbiners Dr. Marcus Ehrenpreis wurden sofort Gendarmen hingeschickt, die die Demonstranten auseinanderjagten. Diese aber beruhigten sich keineswegs und begaben sich nach dem zweiten Judenviertel „Dort Bonar", wo sie einige jüdische Häuser zu zerstören suchten. Wieder benachrichtigte der Oberrabbiner die Polizei von der drohenden Gefahr, diese schickte Hilfe, es kam zu ernsten Straßenszenen, wobei einige Juden verwundet wurden. Unter der ganzen jüdischen Bevölkerung herrscht Schrecken und Unruhe. Man befürchtet auch hier Ausschreitungen, wie die in Kischinew. Auch das Leben des Oberrabbiners ist bedroht, die Macedonier wollen sein Haus angreifen, so daß es von Wachleuten beschützt werden muß. Der Rabbiner hatte eine Unterredung mit dem bulgarischen Minister des.Innern. Petkow, und dieser versprach die schärfsten Maßregeln zu ergreifen, um den Ausschreitungen vorzubeugen. Charakteristisch ist, daß die Bulgaren jetzt deßhalb gegen die Juden aufgeregt sind, weil sie sie für die Urheber der Protestversammlung gegen Rußland halten. Der Oberrabbiner von Sophia mußte es offziell ableugnen. Die jüdischen Zeitungen von Bulgarien versichern, den Juden sei es nie eingefallen, gegen Rußland als solches zu vrotestiren. und die Sozialisten hätten auf ihre eigene Faust die Protestmeetings abgehalten. Amerika. Chicago, im Juli. In einer am 29. Juni hier abgehaltenen Zusammenkunft, die von Dr. A. R. Levi, . einem hervorragenden israelitischen Mitbürger, ange- . regt worden war, hat man Schritte zur Gründung einer internationalen Auswanderungs - Gesellschaft gethan. Zugleich wurden Resolutionen angenommen, welche ein Bündniß aller Vereinigungen befürworten, die eine Besserung der sozialen Zustände im Wege der ' Ablenkung der Massen aus den Städten auf die Landdistrikte erstreben. Die Einberufung der Versammlung erfolgte in der Erkenntniß. daß etwas geschehen - LE- ’*****%? 1 »y!1

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