Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 57 (20.7.1903)
- Date
- 1903-07-20
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1260 Industrieschule zu Nürnberg, ernannt. Tie schriftliche -Prüfung fand am 18.. 19.. 22. und 23. Juni statt. Für die Prüfung aus der Religion wurde von den 3 vom hiesigen Rabbinat zur Wahl gestellten Aufgaben das Thema gewählt: „Die Pflichten gegen das Leben j und die Gesundheit der Nebenmenschen." Von den 3 für den deutschen Aufsatz zur Auswahl gestellten Themen entschied sich die Prüfungskommission für das erste: „Naturkunde, eine Mitgift für das Leben." Bei der mündlichen Prüfung bestanden alle neun Absolventen. Die Schlußfeier fand am 14. Juli kn der Aula der Anstalt unter zahlreicher Betheiligung des Publikums statt. In seiner Schlußrede mahnte der Direktor, Herr Dr. A.Feilchenfeld, die Absolventen, die in der Schule gepflegten Ideale hochzuhalien und den jüdisch-religiösen Prinzipien, in denen sie erzogen worden seien, stets treu zu bleiben. Schweiz. Cndingen (Schweiz). Die Judengemeinden im Surbthale des Aargau sind älter als der Kanton, da sich hier bereits zu Ende des 16. Jahrhunderts Juden ansiedelten und in den beiden Gemeinden Endingen und Langen eine nach jenen Begriffen öffentlichrechtlich-gesicherte Heimstätte fanden. In diesen Tagen beging der Kanton Aargau die erste Jahrhundertfeier seines Bestehens und Eintritts als selbstständiges Glied in die Eidgenoffenschaft. Dem Festesjubel des Kantons schlaffen sich auch die beiden jüdischen Gemeinden in würdiger Weise an. Die Gemeinde Endingen veranstaltete aus diesem Anlaffe am 6. Juli ein jüdisches Volksfest, das mit einem feierlichen Gottesdienste in der Synagoge eingeleitet, sich in seinem ganzen weiteren Verlaufe zu einem wahren Kiddusch-Haschem gestaltete. Herr Lehrer Schachn o w i tz wies in seiner eindrucksvollen Festrede auf die wichtigsten Momente in der Geschichte der Schweiz, des Aargau und deffen Juden bis zur Emanzipation und Erlangung der korporativen Selbstständigkeit der Gemeinde Endingen Anno 1870 hin. Mit der Feier war auch ein sebr^gelungenes Jugendfest der israelit. Religionsschule verbunden. Holland. Amsterdam, im Juli. Man hört so oft Klagen über unzureichende Gelegenheit zum Abhalten von Gottesdiensten und Vorhandensein von Synagogen auf dem Lande. Deutsche Glaubensgenossen, nun. die darunter zu leiden haben, werden auf den holländischen Ort M a a r h e n aufmerksam gemacht, der einen in jeder Beziehung angenehmen Wohnbort bildet, und dessen religiöse Verhältnisse kn jeder Beziehung mustergültige zu nennen sind. Rußland. Petersburg. 17- Juli. Wie verlautet, hat die russische Regierung der amerikanischen die Antwort zugehen lassen, sie werde die jüdische Petition betreffend die Vorgänge in Kischinew weder entgegennehmen, noch in Erwägung ziehen. Die Antwort ist dem Staatsamt des Aeußeren durch den amerikanischen Geschäftsträger in Petersburg, Riddle, telegraphiert und sofort Roosevelt nach Oysteröav übermittelt worden. Man hält hierdurch den Fall für abgeschlossen. Duboffary. im Juli. Hierselbst wurde ein gewisser Michael Rybolenko verhaftet unter dem erdrückenden Verdachte, seinen jungen Neffen ermordet zu haben. Man erinnert sich, daß der Mord dieses Knaben dem „Bessaraöetz" in Kischinew zu der Ausstreuung Anlaß gab, daß die Juden den Knaben zu rituellen Zwecken ermordet hatten. Dieses Märchen vom Blutmord war alsdann einer der Faktoren, die den Anreiz zu den scheußlichen Judenmetzeleien in .Kischinew geboten haben. „ Kischinew. Die Ergebnisse der Sammlungen beliefen sich am 20. Juni bekanntlich auf 736.476 Rubel. Heber die Vetbeiligung der einzelnen Länder an diesem Ergebnisse liegen uns nähere Zahlen vor. Danach marschirt Rußland mit 463.770 Rubel 62.9 Prozent an der Spitze der ganzen Sammlung. In einem weiten Abstand hinter Rußland folgt Amerika, welches mit 192,443 Rubel — 26,1 pCt. der Sammlung geleistet hat. Deutschland, wo die Sammlung bis Mitte Juli bekanntlich eine Summe von % Millionen Mark erreicht hat. hatte am 20. Juni davon erst 33,673 Rubel — 76,700 Mk. nach Kischinew abgeliefert. Aus Frankreich sind bis zur erwähnten Zeit 9,248, aus Oesterreich 10,000 Rubel nach Kischinew abgegangen. Beide Länder dürften das Vierfache dieses Betrages in ihren Kassen für die Opfer der Kifchinewer Katastrophe noch zur Verfügung haben. Dasselbe laßt sich von England sagen, wo bis zum 13. Juni etwa 120,000 Mk. gesammelt und wovon nach Kischinew erst 16,000 Rubel gesandt worden sind. Auch die 3000 Rubel aus Italien, die 3000 Rubel aus Rumänien, wie die 1000 Rubel aus Holland dürfen wohl nur als erste Rate angesehen werden, denen bald weitere viel größere Zahlungen folgen werden. Nach unserer Schätzung dürsten z. Zt. in Europa und Amerika weit über 1.000.000 Mk. für Kischinew zur Verfügung stehen. Dazu kommt noch, daß die Sammlungen nirgends destnitiv geschliffen sind und daß namentlich in. Rußland selbst noch fortwährend große Betrage gesammelt werden. Demnach werden wohl für Kischinew zu den bereits abgelieserten 730,000 Rubel weitere 700,000 Rubel dazukommen, so daß die ganze Sammlung etwa 1*4 Mill. Rubel ergeben und zur nothdürstigen Befriedigung aller gerechten Ansprüche ausreichen dürfte. Der in Kischinew in 644 demolirken Läden angerichtete Schaden wurde in einer Eingabe an den Finanzminister bekanntlich auf rund 812.000 Rubel beziffert. Bezeichnend ist. daß der Kischinewer Pöbel m