Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 57 (20.7.1903)
- Date
- 1903-07-20
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1258 hält. Dieses Judenthum, das man das orthodoxe I nennt, hatte in Deutschland im vergangenen Jahrhundert einen furchtbaren Kampf um seine Existenz zu bestehen. Es hat in diesemKampfe gesiegt und zwar hauptsächlich Dank seiner großen Führer, die gezeigt haben, daß man ein modern gebildeter Mensch sein kann — nicht obgleich — sondern weil man ein strenggläubiger Jude ist. Diese Kämpfe, die in Deutschland der Geschichte angehören, sie sind im Osten unseres Erdtheils noch lange nicht als beendet zu betrachten. Zum Theil beginnen J\e eben erst, wie in Rußland, zum Theil stehen unsere Brüder mitten im Kampfe, wie in Oesterreich. Namentlich in. der Metropole der österreichischen Monarchie, im kaiserlichen Wien, kämpfen die Jereijim noch heute einen schweren Kampf um ihre Anerkennung und Gleichberechtigung mit ihren, die große Mehrzahl bildenden, neuzeitlichen Brüdern. Aber in den jüngsten Jahren ist vieles dort besser geworden, die Wiener Orthodoxie hat an Achtung und Ansehen bedeutend gewonnen, und zu diesem großen Erfolge, zu diesem Kiddusch ha-schem unendlich viel beigetragen zu haben, war einem jungen Manne vergönnt. der vor ungefähr zwanzig Jahren dorthin aus Süddeutschland gekommen war und durch sein Vorbild gezeigt hat. wie sich Thora mit Derech Erez in harmonischer Weise vereinigen läßt. Es wird aber auch selten Jemand zu finden sein, der in so weitem Maße zu dieser hohen Aufgabe prädestinirt erschien, wie es Aron Bondi gewesen. Ein Ben G'daulim und selbst ein Chosid und Zaddik, erkannte er seine Bestimmung und handelte danach. Ein Sohn von Marcus Bondi, ein Enkel ‘vb 'n pi von Rabbi Taumel Vondi-Mainz und Commerzienrath Joseph Hirsch-Halberstadt, ein Schwiegersohn von Gustav Hirsch-Berlin, ein Lieblingsschüler von Rabbiner Dr. Breuer-Frankfurt a. M., von Moritz Lewin- Frankfurt a. M. und Rabbiner Dr. Deutsch-Fürth hat er die in ihn gesetzten Hoffnungen nach jeder Richtung bin erfüllt und durch sein' Leben und Wirken an der Stätte seines Wohnortes der Thora und ihren Anhängern zu neuem Glanze verholfen. Wir wollen hier nicht die einzelnen Vereine, Institutionen, Körperschaften aufzählen, die seinem Geiste und seinen materiellen Opfern theilweise ihr Entstehen, theilweise ihre Förderung verdanken. Da heißt es: „Schwochau mi jemallel? Wer ist im Stande seinen Ruhm zu verkünden?" Man muß ihn gekannt und ihn in seinem Wirken beobachtet haben, um seine Hingebung an Thora. Awodah und Gemillns chasodim ganz würdigen zu können. Was der Dahingeschiedene seinen Eltern, seiner Gattin, seinen Geschwistern, was er seinen Kindern. , Verwandten und Freunden gewesen, das läßt sich mit Worten nicht ausdrucken. und doch ist das Alles nur gering im Vergleiche zu dem. was er als Jehudi war. Aron Bondi war ein vielbeschäftigter und in Anspruch genommener Kaufmann, aber trotzdem verging kein Tag. der ihn nicht mit dem unermüdlichen Studium unserer Thora beschäftigt fand. Von Aharon ha-Kauhen heißt es: Es trauerte um ihn das ganze Haus Israel, zum Unterschiede von der Trauer -nach dem Tode Moschehs, die nur von de» Söhnen Israels begangen war. Denn es fehlte in der Familie der Freund und Friedensstifter, im Hause der kluge Lehrer und Erzieher, der, ohne zu beschämen, das Vergehen vorhielt, belehrte und besserte, und außerhalb des Hauses vermißten sie den Führer,- der sie von dem sichtbaren Schutze Gottes zu überzeugen suchte. Auch unser Aron wird in Haus, Familie und Gemeinde vermißt werden. * 4- * Freitag Vormittag fand die mb in Baden statt. Aus Nah und Fern war man herbeigeeilt, diesem d-.k die letzten Ehren zu erweisen. Wir wollen in aller Kürze melden, daß viele Redner Aron Bondi's Verdienste würdigten und dessen unersetzlichen Verlust beklagten. Im Trauerhause sprach der Bruder des Verstorbenen. Rabbiner Dr. Bondi- Mainz, mit thränenerstickter Stimme. Am Friedhofe sprachen: Herr Rabbiner Reich- Baden, Rabbiner F ü r st - Wien (Schiffschul), Dr. Spitzer in Vertretung der Chewra-Kadischa Wien, deren thatkräftiges Mitglied der theure Verblichene war, Rabb. Jos. B a u m g a r - ten als Lehrer des Verschiedenen, Dr. Rofenfeld- Wien im Namen des Vorstandes und Lehrkörpers der Religionsschule an der Adatz Jitzroel, deren Begründer Aron Bondi gleichfalls war; im Namen der Verwandten Rabbiner Dr. Auerbach- Halberstadt und Benj. Hirsch- Halberstadt, Rabbi. Weiß- Anstel als langjähriger Hauslehrer, Herr Wolf- Pappenheim als Vertreter des Vorstandes der Schiffschul sowie vieler humanitärer Vereine, deren Ehrenmitglied der Verblichene war. Möge der Allgütige die tieferschütterten Hinterbliebenen. die Eltern und Schwiegermutter, die Geschwister, seine Kinder trösten und sie und buiL" bv fernerhin vor solchen Schicksalsschlägen bewahren. ♦Tr*?errrn Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 17. Juli. Einen die Regelung des jüdischen Religionsunterrichts betreffenden Erlaß des Kultusministers und des Ministers des Innern veröffentlicht die „Allg. Ztg. des Judenthums." In dem Erlaß heißt es: . „Es ist uns erwünscht, einen Ueberblick darüber I zu gewinnen, in welcher Weise in denjenigen Synago-