Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1903-07-20 · Heft 57 (20.7.1903) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 57 (20.7.1903)
Date
1903-07-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2449890-2449943--58673-2523103
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Ein Kentrat-Hrgan für das orthodoxe Iudenthum. Begründet von Nr. Trhmann in Msllnz Montag, Ven Lo. Thamns 5663 20. Juli 1903. .«* Zwei abonnirt man befallen Postanstalten für die Monate LugM Wä ZsMWdsr auf den „llNDLottt". Dieser Preis tritt aber nur ein bei Abonnements, welche rechtzeitig am Post-ZeitungSfchalter des Wohnsitzes des Bestellers oder bei dem bei treffenden Landbriefträger aufgegeben werden. L^.Die Briefträger sind berechtigt den Abonnements-Betrag in den ersten 25 Tagen deS MonatS gegen Quittung ln Empfang zu nehmen. Ausland entsprechend höher. Air Erpeörtton ües ^Israelit." Aron Bondi hl—Wien. Mainz, 19. Juli. Der Weheruf. der sich heute unserer Brust entwindet, wird einen schmerzlichen Wiederhall in den weitesten Kreisen des gesetzestreuen Judenthums und darüber hinaus finden: Herr Aron Bondi weilt nicht mehr unter den Lebenden; nach langem, schwerem, in unendlicher Geduld und bewundernswerther Fügung in den Rathschluß des Höchsten ertragenen Leiden hauchte er am 16. dss. Mts. Abends seine reine Seele aus. Auf seinem Schmerzenslager war dem Vierzigjährigen kein Zweifel darüber, daß es ihm bestimmt sei, in den schönsten Jahren diese Erde zu verlassen, aber wie der große Mann, dessen Namen er trug, wie Aharon ha-Kauhen, nahm er die Todesankiindigung in stiller Ergebung auf. Mit der größten Ruhe und bewundernswerther Uebersicht ordnete er seine Angelegenheiten und traf Verfügungen bezüglich der von ihm geleiteten und in's Leben gerufenen zur Verherrlichung von Thaurosenu ha-kedauschoh dienenden Institutionen. Am Morgen des Sterbetages von Aharon ha- Kauhen, lautet eine Agadah. machte sich Moscheh auf den Weg zu ihm. Als er an dessen Haus kam, rief er: „Ahron, mein Bruder." Ahron erkannte die Stimme Moschehs und eilte zu ihm. „Was führt Dich so früh, mein Moscheh, zu mir?" „Nichts, als die Lösung einer schweren Frage, die mich während der Nacht beunruhigt hatte." „Welche denn?" Darauf erwiederte Moscheh: „Diese habe ich soeben vergessen, doch erinnere ich mich, daß es aus dem ersten Buche der Gotteslehre war. Bringe mir dasselbe, wir wollen darin lesen." Beide nahmen das erste Buch der Thora und lasen darin von Vers zu Vers, von Abschnitt zu Abschnitt, bis sie zur Schöpfung Adams kamen. Hier hielt Moscheh plötzlich an und wendete sich an Ahron mit der Frage: „Was meinst Du darüber, daß Adam den Menschen den Tod brachte?" „Moscheh, mein Bruder, sollten wir uns nicht dem Beschlüsse des Allvaters fügen? Er schuf das erste Menschenpaar, pflanzte für dasselbe ein Eden, setzte beide in dasselbe, bis sie im Uebermuthe von der verbotenen Frucht genossen, dann erst sprach Gott zu Adam: Denn Staub bist Du und zu Staub mußt Du zurllckkehren." „Aber auf diese Größe ein solcher Fall? Und wie, wenn auch mir und Dir Aehnliches bestimmt wäre? Wenn ich Dir heute Deinen Sterbetag zu verkünden hätte?" „Gerecht ist der Ewige in allen Seinen Werken." war die Antwort. Und Ahron starb auf dem Berge Hör durch den göttlichen Kuß. Auch unser theurer Bruder Aron Bondi ging binschikah, durch die zärtliche Berührung des Allvaters, dahin, und wir wollen mit schmerzzerrissener Brust es versuchen, ein kleines Bild des reichen Lebens des theuren Heimgegangenen zu entwerfen. * * * Nach unseren Begriffen gibt es nur ein Judenthum und zwar ist es dasjenige Judenthum, das an den Satzungen unserer heiligen Thora unverbrüchlich fest-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.