Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 56 (16.7.1903)
- Date
- 1903-07-16
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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Zahllos sind die Kompositionen des großen Meisters, welche hohen Fürstlichkeiten, wie Vicenzo I., seiner Gemahlin Eleonora, dem Fürsten von Mirandola u. s. w. gewidmet sind. Ihm ward denn auch das gelbe Sammetbarett erlassen, welches dm Ebräer in italischen und anderen Landen zu jener Zeit tragen mutzten. Fürsten, wie eben jener von Mrandola, hegen brieflich den Wunsch, sich mit der Person des Hebräers Salomon und seiner Gesellschaft durch ein Konzert zu ehren, und erbittet daher den Herzog Franceskr» von Mantua, ihm solchen zu überlassen. Tage stolzer Herrlichkeit, welche erst lange Jahre später ihr Ende erreichten, als Mantua von den Deutschen erstürmt ward (1630) und nun für lange Zeit Kunst und Wissenschaft daselbst brach liegen sollten. Uns aber durchschauert's, wenn wir die Gassen jener-altitalienischen Städte durchwandern, wenn wir die Herrlichkeit Venedig's betrachten, jene Paläste bewundern, darin vor Zeiten fürstliche Geschlechter hausten, wir denken dann zurück an jene Periode italienischen Glanzes, da ein Salomon de Rossi, eine Madonna Europa, ein David Kirita sich der Gunst jener Großen erfreuen durften: „Der göttlichen Kunst Sei jeder ergeben! Und lacht dir nicht Musengunst. Gestalte zum Kunstwerk dein Leben/ Zeiittttgsnachrlchlen und Corresponderrzen. Deutschland. , Berlin, 7. Juli. (Der deutsche Dreyf u ß.) Auf ihr Ersuchen ist der „Jüd. Presse" das letzte Schreiben, das der beklagenswerthe, seit nunmehr länger als zwei Jahren im Zuchthaus zu Graudenz schmachtende Moritz L e w y an seine Eltern gerichtet hat, zur Verfügung gestellt worden. Wir entnehmen demselben nachstehenden Passus: Betreffs der Redakteure*) hatte ich bis zu der Zeit Eures Briefes noch nichts Bestimmtes gewußt. Wenn ihre Verurtheilung auch eine kleine Genugthuung für uns ist, so frohlocke ich durchaus nicht darüber; man ist naturgemäß geneigt, die Leidenden zu beklagen, wenn man selbst gelitten hat. Ich bin nun einmal nicht rachsüchtig und bitte auch Euch, es nicht zu sein. Wie Ihr, meine Lieben, wißt, war der p. Masloff zur Verbüßung seiner Strafe hier. Er hat uns *) Gemeint sind der Akedakteur der »Staatsbürger-Ztg." Tr. Ä'öltiiher und der Verleger des Blattes. Dilh. Brulrn. gegen-' welche bekaiuulich am 11. Lciober u. I. von der ziveiren Strafkammer des hiesigen Landgerichts l ans ein 2ahr resp. sechs Mvnate Geiängnih crk-uint worden ist. Die '-Bcnuttjcilung erfolgte u. A. oeshalb, weil die Angeklagten den ÄenLermeiner Adolf Lewy des Mordes und denen Sohn March der Mitthäterschast bezichtigt hatten. doch gewiß genug angethan, aber ich betrachtete ihn nur als Werkzeug Anderer. Wir lagen auf einem Korridor; so. habe ich ihm nicht selten, da er schwerere Beschäftigung hatte wie ich, ich auch damals än Zahnschmerzen litt, mein Essen, natürlich mit Erlaubnitz des Beamten, gegeben, welches er mir dankend abnahm. Ihr werdet mich hierfür jedenfalls rügen, aber thut es nicht, liebe Eltern, und denket so wie ich: denn Jemanden, der uns schweres Unrecht und bitteres Leid zugefügt hat, durch Liebe und Großmuth zur Einficht zu bringen, ist für mich ein Genuß. Es verfehlte selbst bei diesem rohen Menschen nicht ganz seinen Zweck. Für schlimmer halte ich das Thun und Treiben der vorher Genannten. Es war bei ihnen nicht etwa eigene Ehrlosigkeit oder übertriebene Ehrliebe, welche unbefleckte Namen begeiferte, in! Gegentheil! Hämische Bosheit ist bei dieser Sache der Beweggrund zur Verunehrung Anderer. Wer die Höhen eines Anderen nicht zu ersteigen vermag, aus Schwäche oder aus Trägheit, der untergräbt sie, um nicht überragt zu werden, und wird aus Sucht nach Ehre ein Räuber an ihr, wie der Habsüchtige aus Ueberschätzung des Besitzes am Besitze Anderer zum Diebe wird. Die Ehrsucht sowie die Gier, die Ehre eines Anderen zn rauben, ist detzhalb ebenso herrschend, wie die Habsucht, aber gefährlicher ist sie, und weiter erstreckt sich ihr zersetzender Einfluß. Gegen den Dieb reicht oft Vorsicht, Schloß und Riegel aus; gegen die Verleumdung aber gibt es kein schützendes Mittel. Die Zunge ist der eigentliche Pfeil, der sehr, sehr weit trägt. An den Diebstahl heftet die öffentliche Meinung, wie das weltliche Gesetz, ein viel schimpflicheres Brandmal, als an die Verleumdung. Der Dieb, wenn er noch so verschlagen wäre, kann sein Verbrechen nicht beschönigen. Der böse Leumund aber kann die Maske der Unschuld tragen, ja sogar prahlerisch großthun mit seinem Verdienste: denn er entblödet sich nicht, frech zu behaupten, er habe nur der Wahrheit dienen wollen; unbestechliche Gerechtigkeitsliebe habe ihn bewogen, einen verkappten Sünder zu entlarven, und wenn diese Ausflüchte nicht stichhaltig sind, so hat er einen letzten, der nicht entkräftet werden kann, der heißt: „So böse habe ich's nicht gemeint!" Deßhalb, liebe Eltern, halte ich die Verleumdung für bedeutend sündlicher. als die Beeinträchtigung des materiellen Besitzes. Jene dringt an's Leben selbst, diese nur an das äußere Gut. Geldverlust ist ersetzbar, der Verlust an Ehre aber nicht. Die Ehre halte ich für die schwerste Errungenschaft des Lebens; und mit ihr verliert der Mensch wohl nicht selten alle Ermuthigung zur sittlichen Ausdauer und alle Svannlraft. Detzhalb ist die Ehre der schönste Sporn zum Streben. Ja, meine lieben Eltern, wer Gefühl für Ehre hat. mutz wissen, was sie kostet, was sie werth ist, wie sehr, sehr tief der Schmerz ist, sie durch Bosheit Anderer zu verlieren .... So. meine lieben Eltern,