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Der Israelit · 1903-07-16 · Heft 56 (16.7.1903) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 56 (16.7.1903)
Date
1903-07-16
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1238 wie zu Lasters Zeiten, werden gebeten, ihre Adresse zur Bildung einer Vereinigung niederzulegen unter „Deutsches Vaterland" bei...." Die orthodoxen Juden haben nie aufgehört, die „Fühlung" mit den nationalen Parteien zu verlieren. In Frankfurt a. M. und sonstigen südd. Städten sind die orthodoxen Juden — auch hierin konservativ — wie von jeher regierungstreu. Frankfurt a- M.. 15. Juli. Am 25. Thamus (Montag, 20. Juli) feiert der in weiten Kreisen bekannte Oberkantor der Jsr. Religionsgesellschaft. Herr Julius Friesländer, seinen siebzigsten Geburtstag. Wir behalten uns vor, den Verdiensten dieses allbeliebten Mannes in einer späteren Nummer unseres Blattes Ausdruck zu verleihen. Hamburg, 14. Juli. An Stelle des jüngst nach Wien berufenen Predigers Herrn Dr. G r u n w a l d wurde nach vorausgegangener Conrurrenz gestern Herr Rabbiner Tr. Löwenthal, bisher in Tarnowitz, ein Schwiegersohn des Hrn. Rb. Dr. Kahn-Wiesbaden, einstimmig zum Prediger an die Synagoge Venethstraße gewählt und wird derselbe bereits im Laufe des nächsten Monats seine neue Stellung anireten. Nach dem, was man sich vorher schon von der ev. Wahl erzählt hat, scheint der Erwählte auch in den maßgebenden Kreisen des Synagogenverbandes Sympathien zu besitzen, und wenn er es versteht ohne Eingriffe in die oberrabbinatlichen Funktionen sich diese Svmpathieen zu erhalten, so dürfte es ihm auch gelingen, eine dauernde Verständigung dieser bisher abseits stehenden synagogalen Vereinigung mit der Kultusgemeinde Synagogenverband herbeizuführen. Dann wird seine Stellung eine angenehme, einträgliche und hoffentlich auch dauernde sein. H. V. Krefeld, 8. Juli. Hier wurde heute eine neue Synagoge eingeweiht. Die „Krefelder Zeitung" bemerkt dazu: Die alte Synagoge besaß keine Orgel, auch war die Mitwirkung von Frauenstimmen bei den Gesängen bisher nicht üblich. Schlochau, 14. Juli. (Abgeordneter Böckler und die Schlochauer Juden.) Die Herren Blumenthal und Reumann in Schlochau veröffentlichen jetzt folgende Erklärung: „In der Hauptmahl hatten sich in Schlochau-Flatow alle liberalen — also auch die jüdischen — Wähler für den Kandidaten Justizrath Wagner erklärt. Nachdem der Wortführer der jüdischen Wähler, ein Vertrauensmann des Zentralvereins deutscher Staatsb. jüdischen Glaubens, in öffentlichen Versammlungen mehrfach — und ohne Widerspruch zu finden — versichert hatte, bei der Stichwahl „würden wir nur dem deutschen Kandidaten zum Siege verhelfen", hielten wir alle uns zunächst für verpflichtet, unter allen Umständen gegen den Polen zu stimmen; wir alle dachten ' nur daran, daß höchstens Hilgendorff in die Stichwahl! kommen könnte, und ihm hätten wir dann, unserem Prinzip getreu, die Stimmen gegeben. Wir wären wortbrüchig geworden, wenn wir in der Stichwahl selbst mit einem Polen gegangen wären, nachdem immer und immer von unserer Seite betont worden war, daß in der Hauptwahl nur deßhalb Hilgendorff nicht unser Mann sei, weil er einmal mit den Polen paktiert hatte. Also: Einem Polen konnten wir die Stimme unter keinen Umständen geben. — Nun kam wider Erwarten der Antisemit in die Stichwahl! Einen Antisemiten wollten wir selbstverständlich durch unseren Aufruf nicht zur Wahl empfehlen. Die Fassung des Aufrufes hat irregeführt; denn wir schrieben das „Entweder — oder". Das „Entweder Böckler die Stimme geben" bezog sich aber lediglich auf den einen unserer Glaubensgenossen, einen höchst angesehenen und in der Agitation für Wagner öffentlich hervorgetretenen Mann, der öffentlich sein Wort gegeben hatte, nur einem Deutschen seine Stimme zu geben. Als Mann von Ehre und Wort mußte er dieses Versprechen halten. Hier im Schlochauer Kreise hat jeder Leser des Aufrufs den Passus „Entweder — oder" richtig verstanden: Wir Schlochauer (d. h. Juden) haben uns alle der Wahl enthalten. — Wir sind und bleiben Todfeinde Vöckler's und seiner Gesellschaft, zu der sich auch jener eine jüdische Wähler nicht zählt, der sein Wort gegeben hatte und auf den sich das „Entweder" bezog. — Allen 600 jüdischen Wählern mußten wir kurz und bündig sagen, daß sie dem Polen nicht einen Stimmenzuwachs schafften — der Pole erhielt in der Stichwahl 7617, der Antisemit 13,278 Stimmen — der ihm doch nicht den Sieg bringen konnte. Recht sehr bedauern wir, daß Sie (das Schreiben richtet sich an ein jüdisches Blatt. Red.) über unseren Kultusbeamten. der mit uns gleicher Ansicht war und die Stimmenthaltung wünschte und übte, den Stab brechen, ohne genau die Sachlage geprüft zu haben. Nie und nimmer hätte er einem Böckler seine Stimme gegeben. Leider' ließ die Fassung des eilig geschriebenen Aufrufes nur die Eingeweihten — und das waren die Schlochauer — den rechten Sinn erfassen, während die Berliner das „Entweder" mißverstanden. Wir kennen unfern Kultusbeamten als guten Deutschen, aber auch als einen eifrigen Kämpfer für unser Judenthum und einen energischen Vekämpfer der Antisemiten." Die Erklärung ist sehr gewunden, die Herren mußten doch wissen, daß ihr Aufruf auch außerhalb der Schlochauer Gurtenzäune gelesen werde, und keine noch so große Eile entschuldigt eine noch größere Dummheit. Giefreu, 14. Juli. Oberbürgermeister M e c u m erläßt in den Gießener Zeitungen folgende Erklärung: „Der neue Friedhof und seine Weihe." In den ersten Tagen dieser Woche wurde mir von verschiedenen Seiten mitgetheilt, Herr Pfarrer 1

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