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Der Israelit · 1903-07-16 · Heft 56 (16.7.1903) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 56 (16.7.1903)
Date
1903-07-16
Page
– (sequence 8)
Language
German
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rathen. Man zerre das Kind von der Mutter hinweg, man raube dem Sohne den Vater, dem Gatten entreiße man das treue Weib und trenne Freund vom Freunde. Es erkennt das jüdische Volk, daß ihm alles genommen . und geraubt werden kann und eins ihm nur ewig - bleibt, als unentreißbares Gut: Gott und Sein Gesetz. Da wendet es feine ganze Liebe diesem Gotte zu und seinem hehren Gesetz. Immer inniger verwächst es mit diesem Gesetz, es läßt die Feinde brüllen und quälen, es läßt sein eigenes Herze laut aufschreien vor brennendem Weh, vor heißer Sehnsucht nach allem, was ibm tbeuer-möge brüllen der Feind, möge schreien das Herz vor brennendem Weh. vor beißer Sehnsucht, nur umso mehr liebt es sein Gesetz so feurig und wahr, ist ja sein Schmerzenskind geworden, für das es alles geopfert-— und man liebt ja am meisten so ein Schmerzenskind. Da wird ihm sein alles und Höchstes das Gesetz, es bildet sich ein Kern in ihm, der nimmermehr davon läßt. Und ist dieser Kern groß genug geworden, da winkt der Herr und es fallen allmählich die engen Schranken des Golutz. Es fallen die Schranken, doch gleich der Glocke, die die Form behält, die ste in der engen Umarmung des Lehms gewonnen, auch wenn vom Hammer zerschlagen der pressende Lehm sich zerbröckelt, so bleibt der "echte Kern sich gleich, tritt er auch hinaus in die Freiheit. Es locken die Völker, ihr Hohn hört nicht auf, es zieht sie ihre Selbstbestimmung zu fremdem, neuem Beruf — es droht der Vater, vom Sohne sich zu trennen, vom Gatten die Gattin, von der Mutter das Kind — es winkt auch ihr Land verführerisch herüber und gaukelt Träume vor von eigener Macht und Größe, Ruhm und Selbstständigkeit-der gute Kern hat im Goluß gelernt, daß über allem steht das Gesetz, alles bestimmt wird durch das Gesetz, alles sich unterordnen muß dem Gesetz, seinem lieben, theuren Schmerzenskinde. Und so lebt der Kern fort in der Mitte der Völker, schaut ihre Irrungen, ihre Zweifel, ihren Wahn, wie sie stets selbst sich aus eigener Macht das Gebäude ihres Glückes wollen erbauen, wie ste frohlocken, jubeln, trauern, verzweifeln --bis ste alle die Unzulänglichkeit ihrer Kräfte erkennen und gebrochenen Herzens, voll heißem Flehn, zu ihnen kommen, den ewigen Juden, und das Gesetz verlangen, das sie so lange verkannt und verhöhnt. —-— Dann aber ist das Ende gekommen und zum zweiten Male streckt der Herr seine Hand aus und führt nun alle Menschen hin zu Seinem Angesicht, nach Jerusalem, der hehren Gottesstätte, wo wieder, hoch auf Quadern erbaut, der Tempel ragt, und alle Völker danken den Juden für ihre ewige Treue, die Lobgesänge aller Menschen schallen empor zum Herren, die Juden aber stimmen voran, als das nächste Volk des Herrn. O. wohl dann decken, die Gott kann reihen in die Schaar derer, die für diese Zeit gelebt und geduldet, gelitten und gestorben.-David ben Sebulon, Mann mit dem stürmischen Sinn und doch so weichen Herzen, willst Du in ihren Reihen fehlen, willst Du fehlen dabei. wo Dein treues, wackeres Weib Dich sucht mit bangendem Herzen, mit sehnendem Blick, mit verlangendem Arm —-o kehr um-o kehr um —." Da sank mit lautem Aufschrei David ben Sebulon dem Greise an die Brust. Der schaute mit wunderbarem Blick auf den weinenden Mann, auf die weinenden Jünglinge. Engelhafte Anmuth strahlte aus seinem Antlitze. Mit mildem Scheine schien der Mond herab und beleuchtete die Ebene. Lang weinten die Männer und konnten sich nicht fassen. Unaufhörlich küßten sie des Rabbi Hand und Gewand. Er suchte sie zu beruhigen, doch es mochte ihm nicht gelingen. Erschöpft ließ er sich endlich auf den Boden herab. (Fortsetzung folgt.) Der „JSraelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montags nnd Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man avonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Der Buchhandel vrrkrhv! durch S. fr Skrinackrv, Leipzig, Rotzplatz J8.— Inserate 25 Pfennig die viergespaltene Nonpareillezeile oder deren Raum. Preis der Zelle im Reclametheil 75 Pfennig. — Directe Francozusendung unter Streifbackd pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 16 Kronen österr.. für's Ausland 16 Mark, an die Expedition franco einsenden. Postzeitungsliste 3832. Telephon 1015. Stellesuchende und sonstige Interessenten können auf Wunsch die jeden Dienstag und Freitag «scheinende „Kleine AuSgabe deS Israelis vi« Wochen lang gratis und franco erhalten. Wünscht man den Empfang der „Kleinen Ausgabe" längere Zeit, so kann man sich für 25 Pfennige daS Vierteljahr, indeß ausschließlich bei der Post auf dieselbe unter Nr. 3S33 abonniren. Auf Wunsch stunden wir die Zahlung deS Insertionöbetragö au außer Stelle Befindliche bis nach Erlangung einer solchen. : Zertraglichkelt und Veriohmmg. - ÄeitunqSnachrlchten und Corrcspondenzen: Deutschland: Berlin. Dreh a. d. L. Nürnberg. (sid». AnS dem Ureise Worms. Ruvland: Petersburg. Ekaternwslaio. Amerika: Neiu-Nork. — Feuilleton- Jerusalem. lFortsetzung.) Inyattder «rft.n Sellap«: Immer noch Harnmucab!. - ÄeitunaSnachrichten und Korrespondenzen: Teutschlaud.-Berlim Jranksurt a. M. Hamburg. llrcield. Schlockau. 6beöen. Bechtheim. Ans enddeutschland. Inhalt der »rSettrn Beilage: Jüdische Musiker an italienischen Fürsteahöfen. — Zeitnnasnachrichken und CorresvondenZen - Deutschland: Berlin, England: London. Rußland: Petersburg. Italien: Nom. o nz . ^Pädagogische BeUage: Unabhängiger Verein isr. Lehrer na Großherzogtbum Hessen. - Allerhöchste Verordmmg oo,n 4. Juni 1903, betreuend d,e Schulpflicht m Bauern. Ertrs-DeUager „Sprüche der Väter." Verantwortliche Redaction-. Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition de» ^Sraelit". SLottstraße Nr. 2. Mainz. Dmck und Verlag der Job. Wirtb'schen HÄSuchdruckeret Aktiengesellschaft ln Mainz. HiesM vier VeUagm.

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