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Der Israelit · 1903-07-16 · Heft 56 (16.7.1903) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 56 (16.7.1903)
Date
1903-07-16
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1234 Gunsten der russischen Juden angewandt. Sie läßt sich jetzt so gut wie täglich über Negerverfolgungen und Negermetzeleien in Amerika aus London melden, und zwar in ganz denselben Ausdrücken, mit denen sonst die Lage der russischen Juden charakterisirt wird. Das Blatt kann zwar der amerikanischen Regierung keine Unduldsamkeit den Negern gegenüber vorwerfen, es sucht aber zu beweisen, daß die amerikanische Bevölkerung durch das jetzige Verhalten der Regierung zu den Negern höchst aufgebracht wird. Außerdem bemüht sich die „Nowoje Wremja" zu beweisen, daß Rußland immer den Vereinigten Staaten gegenüber loyal j und freundlich war und daß das amerikanische Volk der russischen Regierung zu Dank verpflichtet ist, weil sie ihnen während des Sezessionskrieges ihre Hilfe angeboren hat.' Jedoch tonnte die Redaktion bis heute trotz mehrfacher Aufforderungen seitens der amerikanischen Presse nicht beweisen, daß diese Hilfsbereitschaft kräftigeren Ausdruck gefunden, als das in einem nichtssagenden, wenn auch der Form nach gewiß liebenswürdigem Brief Gortschakoffs der Fall ist, worin dieser erklärt, daß Rußland keinen Grund hat, sich in die inneren Angelegenheiten Amerikas einzumischen. Ekaterinoslaw. Ein Kapitel über die Zulassung der Juden in den Schulen Rußlands ist in folgender in den „Virschewija Wjedomosti" publizirten Nachricht aus Ekaterinoslaw enthalten: „In einer der hiesigen Schulen mutzte die Administration zwanzig christliche Schüler wegen Nichtbezahlung des Schulgeldes entlassen. Die Entlassung von zwanzig christlichen Schülern mußte selbstverständlich die Entlassung zweier jüdischer Schüler, die nur 10 pCt. aller Schüler'bilden dürfen, zur Folge haben. Den Eltern dieser zwei jüdischen Schüler legte nun die Administration die Alternative vor: entweder die Entlastung anzunehmen oder 600 Rubel für die christlichen Schüler, das Schulgeld für diese, zu erlegen. Die Eltern zogen es vor, 600 Rubel für die 20 christlichen Schüler zu bezahlen." Amerika. New-Dork, 14. Juli. Simon Wolf. Oscar Strauß und Leon L e v i waren zunr Lunch beim Präsidenten Roosevelt geladen, wobei die Kischinew-Petition überreicht wurde. — Rußland hat inzwischen vertraulich der amerikanischen Regierung mitgetheilt, daß weitere umfangreiche Strafverfolgungen der Exzedenten in Kischinew eingeleitet seien, welche Nachricht durch Preßtelegramme bestätigt wird. Roosevelt ist nunmehr geneigt, die Petition nicht abzusenden, sondern lediglich der russischen Regierung anzuzeigen, daß eine solche bei der amerikanischen Regierung eingegangen ist.. Dieser Ausweg scheint, da Rußland ja weitere Strafen verhängt, das jüdische Komitee zufriedenzustcllen. Feuilleton. Jerusalem. Hrstavtfche Svzätzluttg von Jsaae Breuer—Frankfurt a. M. 22] Da erkannte der Rabbi, wer ihnen der Urheber gewesen. Er schaute auf den Mann hin und sein Gesicht nahm einen sinnenden Ausdruck an. Er wußte auf den ersten Augenblick nicht, wer der Mann sei, wo er ihn schon einmal gesehen.. Endlich stutzte er. Das Gedächtniß war ihm wiedergekommen. „Tretet zu mir her," gebot er den übrigen. Ohne Zaudern gehorchten sie, traten auf die Seite des Rabbi und ließen David ben Sebulon allein. Der zuckte mit den Achseln und schaute trotzig zur Seite. Da stand nun der finstere, kraftvolle, männlichschöne Mann dem hohen Greis gegenüber. Er wußte, was jetzt kommen sollte und nahm sich fest zusammen. Wie kampfbereit biß er die Lippen mit den Zähnen. Und plötzlich, ohne daß er es wollte, stieg vor seinem Auge der blutige Schatten seines armen, gequälten Weibes auf, wie es den Stahl sich selbst in die Seite bohrte und sterbend dahinsank; wieder überkam ihn der alte Schmerz und in diesem alten Schmerze fand er sich selbst völlig wieder. Frei und offen schaute er dem Rabbi in's Antlitz. „Du bist David ben Sebulon," sprach der Rabbi, „einst Vorsteher der Gemeinde zu London?" „Ich Lin es!" „Du kamst nach Jork, um die Nachricht vom Tode des Baruch zu überbringen?" „So ist es." „Bist Du es. der diese veranlaßt hat, die Burg zu besetzen mit List und arger Klugheit?" „ „Das that ich." „Wußtest Du nicht, daß es Sünde ist, den Namen des Herrn zu entweihen?" „Ich wußte es." „Und warum thatest Du es dennoch?" Da flammte es wild in ihm auf und mit rauher Stimme rief er: „Ich that es, weil ich so noch hoffte, mein armes Volk zu retten, weil ich es Herausreißen wollte aus dumpfer Ergebung und Knechtschaft, auf daß es fürder nicht sei das verachietste aller Völker, das man verhöhnt und schmäht, mit Füßen tritt und martert. Ich tbat es, weil ich mein Volk wieder setzen wollte in die Reihe der anderen Völker, unter denen es einst gethront in höchstem Ruhm und Glanze, daß es wieder das Schwert führt in kräftigem Arm und jede Schmach von sich abwirft. Weh, daß es mir nicht ge-

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