Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 56 (16.7.1903)
- Date
- 1903-07-16
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Bei Aufstellung der Bilanz wäre eine den Vermogensstand entwickelnder Status (Aktiva u. Passiva), sowie eine Betriebsbilanz zur Erhöhung der Uebersichtlichkeit in gesonderter Weise erwünscht. Laufende Einnahmen und Ausgaben balanziren mit ca. 27.000 Mark. Das Vermögen des Heims beträgt ca. 30.000 Mark. Nürnberg, px rn cy mw re. Diese erprobte Maxime altjüdischer Erziehungsweisheit, die in unserer ~6 rat von den großen Führern des Judenthums unserer Tage, allen voran S. R. Hirsch s. A., auf's neue wieder zu Ehren gebracht worden, ist die Devise einer Reihe von jüdischen Bildungs- und Erziehungsanstalten, die insbesondere hirr in Süddeutschland ihr segensreiches Wirken entfalten, um ihren Zöglingen ein vertieftes Wissen p*n:m zu verschaffen und zugleich eine gründliche Ausbildung 'b'02 xeSjn zu vermitteln. Weithin bekannt und für die Ausbildung der Lehrer von grundlegender Bedeutung smd die Talmud-Thora-Schulen zu Burgpreppach, zu Höchberg und in unserer Nachbarstadt Schwabach, die mit dem ministeriellen für Präparandenschulen vorgeschriebenen Lehrplan einen erweiterten und gründlichen Unterricht in den jüdisch-hebräischen Fächern verbinden. Damit ist ihr Wirken allerdings erschövrt. Es bleibt den Zöglingen überlassen, ob sie in eines der jüdischen Seminare eintreten wollen, oder in eine staatliche Anstalt. In diesen wird ein offizieller Religionsunterricht von drei Wochenstunden ertheilt, die zum Theil — schon mit Rücksicht auf das Schlußexamen — der Beschäftigung mit dem recht umfangreichen Gebiet der jüdischen Geschichte und der (systematischen) Religionslehre gewidmet werden müssen. Wie viel oder wie wenig Zeit sich dabei erübrigen läßt für den ipy. für *pn und für die c*r*is::r: c'jn, für xtcü wird der Kundige leicht ermessen. Nicht besser steht es mit den Schülern der höheren Lehranstalten, Gymnasien und Realschulen, die wöchentlich zwei Stunden Religionsunterricht erhalten. Es ist darum mit Freuden zu begrüßen, daß die bisherige Talmud-Thora-Schule zu Schwabach. die seit einem Vierteljahrhundert unter der aufopfernden Leitung des Herrn Distriktsrabbiner Löb Wißmann junge Leute mit bestem Erfolge herangebildet hat, nunmehr unter Umwandlung in ein „Institut" auf breiterer Basis ihr Wirken entwickeln will, indem sie Schüler des hiesigen Progymnasiums (mit der Berechtigung zum einj.-freiwill. Dienste) sowie Zöglinge der hierorts befindlichen staatlichen Lehrerbildungsanstalt sPräparandenschule und Seminar) aufnimmt, ihnen zu mäßigen Preisen Kost und Logis gewährt, und einen ausgiebigen Unterricht p*nrc darbietet. Da dieser Unterricht von Herrn Rabb. Dr. S. Mannes, dem auch der gesammte Religionsunterricht an den genannten Anstalten anvertraut ist, ertheilt bezw. oeleitet wird, so ist damit einerseits eine einheitliche Gestaltung des Unterrichts im Ganzen gewährleistet, andererseits die Garantie für fruchtbringende Ausnutzung auch des Nebenunterrichtes geschaffen^ Es sei hiermit dieses „Talmud-Thora-Jnstitut" allen Gesinnungsgenossen auf's wärmste empfohlen. Möge es ihm gelingen, seine nin nmv im weitesten Kreise zu verwirklichen m'ixn^i min S'-unV Eich (Kreis Worms), J4. Juli. Unsere kleine Gemeinde wurde in der vorigen Woche binnen zwei Tagen in doppelte Trauer versetzt. Am Montag, den 6. d. Mts., reiste Herr Eduard Haas nach Bad Kissingen zur Kur, Abends erlitt er einen Schlaganfall, dem er nach einem Tage erlag. Der 41 Jahre alt gewordene Mann hatte sich einer besonderen Beliebtheit. und Werthschätzung in hiesiger Gemeinde bei Juden und Andersgläubigen zu erfreuen, denn stets stand er f seinem Nächsten mit Rath und That bei. Sein Leichenbegängniß, das am Freitag stattfand, legte beredtes Zeugniß davon ab. Ein sehr großer Theil der Gemeinde begab sich nach dem zivei Stunden entfernten Osthofen, wohin die Leiche von Bad Kissingen aus verbracht wurde, um dem Verstorbenen das letzte Geleite zu geben. Aber auch aus der Ferne waren zahlreiche Bekannte und Freunde herbeigeeilt, so daß der Leichenzug. in dem mehrere Vereine mit Fahnen sich befanden, einen imposanten Umfang, annahm. Einen Tag später starb die schon längere Zeit leidend gewesene Schwester des Besagten im 34. Lebensjahre. Am Sonntag Vormittag wurde sie unter einem zahlreichen Trauergefolge zu Grabe getragen. Herr Rabbiner Dr, Stein- Worms hielt ergreifende Trauerreden. Weil man wußte, daß seitens der Nichtjuden die Betheiligung an der Beerdigung eine sehr große werde, ließ der evangelische Geistliche den Morgengottesdienst am Sonntag ausfallen. A. E. Aus dem Kreise Worms, 14. Juli. Daß die israelitischen Religionslehrerverhältnisse im Großherzogthum Hessen besser werden, scheint sich bald zu bestätigen. Am Samstag erließ das Kreisamt Worms — jedenfalls auch die übrigen KreisLmter in Hessen — Aufforderungen an die Gemeindevorstände, umgehend die Personalien der isr. Religionslehrer (Geburtszeit etc.) anzugeben. A. E. Rußland. Petersburg, 13. Juli. Den „Nowosti" wird aus Kischinew gemeldet, daß der Notar Pissardschewski, der der aktiven Theilnahme an der Judenhetze beschuldigt wurde, sich im Pavillon des dortigen Klubs erschossen hat. Es wird übrigens erzählt, daß er ein starker Alkoholiker^ war, und in Folge dessen ist es noch zweifelhaft, ob er seinen Selbstmord in zurechnungsfähigem Zustand ausgeführt hat. Die „Nowoje Wremjä" hat in den letzten Tagen eine ganz neue Art von Abwehr gegen die amerikanische Bewegung zu