Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 56 (16.7.1903)
- Date
- 1903-07-16
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Unterricht im Hause unter Inspektion des Herrn Bezirksravviners Dr. Weingarten vorgesorgt. Auch der Handfertigkeitsunterricht fand, wie früher, unter der Leitung eines Lehrers eingehende Pflege, und es wurden recht schöne Arbeiten in Pappe ausgeführt. An einem Kursus in Stenographie. Rundschrift und Buchführung, der im Hinblick aus eine bessere Vorbereitung für das praktische Leben eingeführt wurde, nahmen 6 Zöglinge theil. Entlassen wurden 7 Zöglinge, von denen 4 dem Kaufmannstande sich widmen, 1 zu einem Buchbindermeister, 1 zu einem Bäckermeister in die Lehre traten und 1 in eine Präparanden-Anstalt eintrat, um sich für den Lehrerberuf vorzubereiten. Der Gesundheitszustand war G. s. D.. abgesehen von einigen leichten Masererkrankungen, die gut verliefen, ein recht günstiger. Wir dürfen wiederholt darauf Hinweisen, daß das in hygienischer Beziehung musterhafte Heim unserer Zöglinge nicht zum kleinsten Theil zu dem günstigen Resultat, das wir mit Dank gegen Gott verzeichnen, beiträgt; die großen Opfer,' welche die Errichtung dieses Heims erheischt hat, lohnen sich reichlich, und dies darf unsere Freunde, die uns durch ihre Mithilfe und ihre Unterstützung in den Stand gesetzt, in den Besitz der nothwendigen Mittel für die Herstellung dieser der Wohlthatigkeit und der reinsten Menschenliebe gewidmeten Anstalt zu gelangen, zur besonderen Genugthuung und innerer Ve- . friedigung gereichen. Doch alles dies würde nicht genügen, wenn nicht die väterliche und mütterliche Fürsorge unseres Hausvaters und seiner Frau für unsere Zöglinge eine vortreffliche wäre, ihnen sei hiermit unser herzlicher Dank gesagt. Die Kaddischstiftungen wurden um 3 vermehrt. Bei so manchem Erfreulichen, welches uns das vergangene Jahr gebracht, haben wir aber leider auch eines schweren Verlustes zu gedenken, der uns betroffen. Am 19. Juli (14. Thamus) 1902 verschied das langjährige und um unsere Anstalt so verdiente Vorstandsmitglied. Herr D. H. Apelt, in Halle. Derselbe gehörte seit Gründung unserer Anstalt der Verwaltung an. .und es ist nicht zu sagen, mit welchem Eifer und welcher Aufopferung an Zeit und materiellen Leistungen er sich der Anstalt widmete, für sie warb und ihre Zwecke förderte. Er scheute selbst im hohen Alter die Reise nach Frankfurt nicht, um an den Sitzungen des Vorstandes theilzunehmen, wenn wichtige Angelegenheiten zur Veraihung standen. Und es war eine herzerquickende Freude, die Lebhaftigkeit und den jugendlichen Eifer des bereits hochbetagten Mannes zu bewundern, mit welchem er in die Verhandlungen eingriff, und sein auf reicher Erfahrung begründetes Urtheil gab in Lebensfragen unserer Anstalt oft den Ausschlag. Sein liebenswürdiges und conciliantes Wesen gewann ihm die Herzen seiner Kollegen, sein klarer Blick und sein gesundes Iktheil ihre Bewunderung. Herr Alphons Jakobson aus Leipzig legte am Grabe des Verblichenen im Namen unseres Vereins den ihm vielfach gebührenden Dank für alles, was er uns geleistet, was er uns gewesen, in eindringlichen, herzbewegenden Worten nieder. Sein Name wird in der Geschichte unseres Vereins unvergeßlich bleiben. An Stelle seines sel. Vaters wurde sein Sohn, Herr Max Apelt-Halle, und an Stelle des wegen vorgerückten Alters aus dem Vorstand geschiedenen Herrn Louis Goldschmidt-Leipzig Herr Alphons Jacobson- Leipzig in den Vorstand gewählt. Wir nehmen hier Gelegenheit. Herrn Louis Goldschmidt für die Thaiigkeit, die er dem Verein gewidmet, den ihm gebührenden Dank zu sagen. Allen edlen Spendern, die durch Geldspenden oder sonstige Gaben ihr reges Interesse für unseren Verein zeigen und unsere Bestrebungen in so. freundlicher Weise fördern, sei herzlicher Dank gesagt. Das Bewußtsein, an einem Werke wahrhafter Menschenliebe mitgearbeitet zu haben, möge ihr schönster Lohn sein. Zum besonderen Danke fühlen wir uns den Vne- Bris-Logen verpflichtet, welche so freundlich waren, uns Geldspenden zuzuwenden, wie auch dem Frankfurter Verein zur Förderung des Handwerks unter den Juden, und dem gleiche Ziele verfolgenden Nassauer Verein, die stets bereit sind, unsere Wünsche für Unterstützung der von uns entlassenen Zöglinge, welche ein Handwerk erlernen wollen, entgegenzukommen. So sprechen wir zum Schluß die Hoffnung aus, daß. wie unser Verein bisher so viel Gutes gewirkt, er weiter wirken und immer schöner sich entfalten möge, und daß. damit sich diese unsere Hoffnung verwirkliche, der Kreis der Freunde unserer Bestrebungen sich immer mehr und mehr erweitern möge. Besonders möchten wir dem jüdischen Publikum die Fürsorge für die ..Purimspende", die in den zwei letzten Jahren nicht den gewünschten Erfolg gehabt hat, an's Herz legen. Sie bildet den Lebensnerv unseres Instituts, und wir müßten, und mit uns gewiß viele, bedauern, wenn wir durch Rückgang dieser Spende uns in die traurige Notbwendigkeit versetzt sehen sollten, unsere Thätigkeit zum Schaden so vieler, die auf unsere rettende Hand warten, einschränken zu müssen. Die Verwaltung besteht aus den Herren: M. Apelt- Halle. Herm. C r a m e r - Frankfurt a. M. Louis F e i st (Fa.: Beer. Sondheimer & Cie.), Frankfurt a. M. Jul. Goldschmidt (Fa.: I. S. Goldschmidt), Frankfurt a. M. Bankdirektor Carl Herz berg - Frankfurt a. M. Aron Hirsch (Fa. Aron Hirsch & Sohn). Berlin. Alphons Jacobson- Leipzig. L. Mainz- Frankfurt a. M. Rechtsanwalt Memelsdorf - Limburg. Leop. Rosenthal -Diez. Prof. Dr. A. Sulzbach- Frankfurt a. M. r s