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Der Israelit · 1903-07-13 · Heft 55 (13.7.1903) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 55 (13.7.1903)
Date
1903-07-13
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Dr. Arthur Müller?n K«nitz hat bestätigt, daß der Lehrer Weichel einmal bei einem Gespräch in einer Restauration gesagt habe: „Na, wenn ich verhaftet werde, dann haben Sie die Ehre gehabt, mit eineui Mörder an einem Tische zu sitzen." Der Dr. Müller hat dies aber nur als eine scherzhafte Bemerkung aufgefaßt. Angekl. George: Das wären doch seltsame Scherze in einer so ernsten Zeit, wie sie damals war! Dr. Müller hat ja aber auch diesen „Scherz" der Behörde unterbreitet und weiter kolportirt! R.-A. Dr. Thiele: Hai der Angeklagte in Könitz auch mit den Behörden Fühlung genommen, so daß man in der „Morgenpost" annehmen konnte, daß seine Nachrichten einen gewissen offiziellen Hintergrund hatten? Angekl.: Gewiß; ich hatte auch Empfehlungen an den Bürgermeister Deditius, aber davon keinen Gebrauch gemacht, ich habe mit dem Staatsanwalt, dem Untersuchungsrichter, mit den Kriminalbeamten wiederholt Gespräche gehabt und bin auf Grund dieser und meiner eigenen Ermittelungen und Beobachtungen zu der Ueberzeugung gekommen, die ich auch heute noch habe: Dieser Mann ist der Mörder! Es wird sodann die Broschüre verlesen, .zu deren Verfasserschaft sich der Angeklagte George bekennt. Auch in dieser Broschüre wird die Frage, wer der Mörder sei, eingehend erörtert, die gegen Levy und Hoffmann vorliegenden Verdachtsmomente betrachtet und kritisirt und dargelegt, daß gegen den Lehrer Weichel schwerwiegende Verdachtsmomente sprechen, so daß man sagen könne, er müsse mindestens mit dem Morde in irgend welchem Zusammenhänge stehen. Gleichzeitig wird die Thätigkeit, die Staatsanwalt, richterliche Beamte und Polizeibeamte in dieser Mordsaffaire entwickelt haben, als völlig unzureichend höchst abfällig kritisirt und von „Schildbürger-Streichen". „Abderiten-Thaten" u. s. w. gesprochen. Die Anklagebehörde hebt als erschwerend hervor, daß diese Broschüre gerade zu einer Zeit erschienen sei, als sich in Könitz die Gemüther schon wieder beruhigt hatten, so daß das Militär zurückgezogen werden sollte. Vors.: Die Broschüre läßt ein so großes Maß von Bildung erkennen, daß ich auf die Idee gekommen bin. Sie mögen sie wohl nicht allein geschrieben haben? (George war früher einfacher Arbeiter. Red.) Angekl.: Ich habe mich in der Zeit, wo ich in der Strafanstalt war, fortgebildet. Der Strasanltaltsdirektor hatte sich für mich interessirt. — Auf weiteres Befragen erklärte der Angeklagte, daß er die Broschüre in Folge des Prozesses Bruhn geschrieben. In jenem Prozeß habe es sich immer nur darum gehandelt, ob Hoffmann oder Levy als Thäter in Frage kommen. Er habe dies für eine Fälschung der öffentlichen Meinung gehalten und sich verpflichtet gefühlt, darzulegen, daß ebenso schwere Verdachtsmomente gegen Weiche! vorlägen. Die Absicht der Beleidigung habe ihm fern gelegen. — Der Angeklagte König bestritt, daß er bei der Drucklegung den Inhalt der Broschüre gekannt habe. , Alsdann wird der Lehrer Weichel vernommen. Präs.: Wissen Sie, wer der Mörder ist? — Z r u g e: Nein! — Präs.: Sind Sie in irgend einer Weise an der Mordthat betheiligt? — Zeuge: Nein. — Auf weitere Fragen des Vorsitzenden und des Angekl. George erklärte Lehrer Weichel, daß, als George in Könitz auf der Bildfläche erschien, er mit ihm bekannt geworden und nachher mit ihm mehrfach zusammengekommen sei. um nach und nach aus ihm herauszubekommen, was er eigentlich, in Könitz treibe und für wen er thätig sei. Richtig sei es. daß er mit ihm eines Nachts gemeinschaftlich nach der abgelegenen Spüle gegangen sei. um dort Nachtwache zu halten und nach dem Mörder zu spähen. Er bestreite aber die in der Broschüre gegebene Darstellung, namentlich wisse er nicht, daß er bei dieser Gelegenheit auf die Meinung „daß die Mörder die Kleidungsstücke längst verbrannt haben würden," gesagt habe: „Ach, Unsinn, die sind ja alle noch da?" Ebenso kann er sich nicht darauf besinnen, die gelegentliche Aeußerung gethan zu haben: „Wenn ich verhaftet werde, dann haben Sie die Ehre gehabt, mit einem Mörder an einem Tisch gesessen zu haben." Auf weitere Fragen bekundet der Zeuge: Der Vorwurf, daß er gegen den Kreisschulinspektor Rhode agitirt und ihn der Thäterschaft bezichtigt habe, sei unwahr. Von Denunziationen wisse er nichts, er wisse nur, daß eine einzige Anzeige von seinem früheren Hauswirth Casparv gegen ihn eingegangen war. — Prä s.r Ist es richtig, daß Sie seiner Zeit in Skurdz ansässig gewesen sind, und aus eigener Anschauung von den Einzelheiten des Skurdzer Mordes Kenntnis; erhalten haben? — Zeuge: Ja, wir wohnten damals in Skurdz. — Präs.: Haben Sie damals die Schnittwunden an dem ermordeten Kinde genau gesehen? — — Zeuge: Ich war damals erst 14 Jahre alt. — Präs.: Sind Ihnen in Folge des Artikels und der Broschüre Unannehmlichkeiten bei Ihrer Vorgesetzten Behörden entstanden? — Zeuge : Direkt nicht. Ich habe mehrfach die Behörde angerufen, ob sie mich nicht gegen solche Angriffe schützen wolle, die Behörde wollte aber nicht recht einschreiten und ich habe mich schließlich aufgemacht und bin nach Berlin gefahren, um hier bei den oberen Instanzen Schuh zu suchen. — R.-A. Dr. Hahn: Ist Ihnen bekannt, daß in Berlin die Broschüre durch Dienstmänner mit großen Plakaten aus den Straßen angekündigt wurde? — Zeuge: Jawohl! Ich habe den Iustizminister und den Kultusminister um Schutz gebeten und solchen schließlich beim Oberstaatsanwalt gefunden. — Der Angekl. George widerspricht Hr verschiedenen Punkten den Bekun-

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