Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 54 (9.7.1903)
- Date
- 1903-07-09
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2446951-2449890-2449940--58612-2523039- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
1195 angewiesenen Städte und Markslecken wohnen, sind sofort nach Feststellung dieser Thatsache von der Polizei nach ihrem beständigen Wohnort auszuweifen, wo sie auf Grund der Paragraphen 61 und 63 des Strafgesetzbuches zur Verantwortung gezogen werden muffen...."' Petersburg. Einen interessanten Beitrag zur Kenntniß der ökonomischen Lage der Juden in Rußland liefert die „Sudebnaja Gazeta". das Organ der russischen Juristen. Sie schreibt darüber wörtlich: „Vom Ackerbau, von dem Staats- und Kommunaldienst und fast von allen freien Berufsarten (mit Ausnahme der ärztlichen) ferngehalten. sind die Juden genöthigt, ihren Erwerb im Handel und im Handwerk zu suchen. Die Städte und Flecken des Ansässigkeitsrayons sind mit jüdischen Handwerkern und Kleinhändlern überfüllt, und da das Bedürfnitz der Bevölkerung nach diesen seine bestimmten ökonomischen Grenzen hat, so hat sich die Majorität der jüdischen Bevölkerung in ein wahres Proletariat verwandelt. Welchen Verdienst können die jüdischen Handwerker haben, wenn sie nach den vom jüdischen Kolonisationskomitee gesammelten Daten im Jahre 1897 im Gouvernement Kowno 12.4 pCt., im Gouvernement Wilna 13.4 pCt. und im Gouvernement Grodno 18.1 PCt. der gesammten jüdischen Bevölkerung bildeten! An einzelnen Punkten hat die Zahl der Handwerker eine wirtschaftlich irrationelle Größe erreicht: in Schaulen (einer Kreisstadt des Gouvernements Kowno) bilden sie 42 pCt., in Molodetschno (Gouvernement Wilna) 76 pCt. der jüdischen Bevölkerung. Ebenso steht es mit den Kleinhändlern. Natürlicherweise muß der Pauperismus unglaubliche Dimensionen annehmen. Nach den überaus genauen Daten derselben Gesellschaft genossen im Jahre 1898 in 3272 bewohnten Ortschaften 132,855 Familien oder 18.8 pCt. aller im Ansässigkeitsrayon und in Polen wohnhaften (jüdischen) Familien (709.248) während des Passa festes eine Unterstützung von seiten der jüdischen Gemeinden. Nach den Forschungen des Herrn Brodowski gab es unter den 160,000 Juden Odessa's 50,000 wahre Proletarier, die „nicht von ständigen, sondern von zufälligem Erwerb leben". Odessa. Der „Daily Mail" wird von hier mitgetheilt, daß in Kischinew die Juden mit neuer Gewaltthat bedroht werden, seitdem das Attentat auf den Redakteur der Zeitung „Vessarabetz" im Volke bekannt geworden ist. Am 23. Juni beschlagnahmte die Polizei von Kischinew eine Anzahl lithographirter Flugblätter, durch die die Burger Kischiyiws aufgefordert wurden» die am Ostersonntag begonnene Arbeit fertig zu machen und es in der Hauptstadt Veffarabiens für die Juden „so heiß" zu machen, daß keiner von ihnen darin zu bleiben Lust behalte. Es heißt in dem Flugblatt wörtlich: „Die Warnungen des Gouverneurs und der Regierung sind nicht zu ernst zu nehmen, und wenn die Verfolgung der jüdischen Schuftigkeit mit der nöthigen Energie betrieben wird, so werden die südlichen Eentralpunkte folgen, und das Resultat wird das sein, daß die verabscheuten und verabscheuungswürdigen Hebräer in Masse aus Südrußland ausziehen." Die Behörden in Kischinew sollen diese Hetzereien keineswegs unterschätzen. Der Beamte, der dem „Daily Mai!"-Berichterstatter von der Sachlage Mittheilung machte, fügte hinzu, daß die Lage dadurch noch ernster werde, daß unter den industriellen Bevölkerungsklassen die Unruhe und Unzufriedenheit im Wachsen sei. Erfahrungsgemäß mache sich aber eine allgemeine Unzufriedenheit sehr leicht in Ausschreb tungen gegen die Juden Lust. vermischtes. Berlin, 3. Juli. Der Chefredakteur der „Staatsbürgerzcitung", Dr. Otto Vachler, ist gestern Abend im 58. Lebensjahre gestorben. Bachlcr, ursprünglich Arzt, war seit 1875 bei der „Staatsb. Ztg." thatig. Arnstadt, 3 Juli. Der Fürst von Sch varzburg hat dem isracl. Bankdircttor Numa Czarnikow zu Arnstadt aus Anlaß des 25 jährigen Jubiläums der von ihm gegründ.tcn Arnstädter Bank den Titel „Finanzrath* verliehen. Stampfen. (Jubiläum einer Kultusgemeinde.) Am 9. August feiert die israelitische Kultuögcmcinde die hundertjährige Jahreswende der Erbauung ihres schönen Tempels. Die Gemeinde plant, diesen Tag festlich zu begehen und ein fünfzehngliedriges Comilö wurde mit dcr Zusammenstellung eines reichlichen Programms betraut. Den gesanglichen Theil des Festgottesdienstes wird der hier in gutem Andenken stehende Oberkantor des Wiener türkischen Tempels, Herr Bauer, sammt seinem Chor celebriren. Was bietet Aönig i. CD.? König, ein Ort von über 2000 Einwohnern. Ucgt im Herzen des Odemvaldes. (Seine gesunde, staubfreie Höhenlage, seine würzige Waldlust und sein reines Ouellivasser gewähren dem. von der Berufsarbeit,i„d den Grohstadlaufregnugen erschlagten Körper > die bene und natürlichste Kräftigung. t Doch nicht nur der Körper, auch dcr abgespannte, nervös ge- * wordene (Seist ^vird wieder frisch und elastisch. Giebt es doch stir t diesen keine beuere Arznei als die harmonische Schönheit unseres Thaies, die Ruhe und den Frieden unseres Ortes und das farbenfrohe Spie! unserer Fluren und Wälder. Ganz besonders icdoch machen wir auf nufere Etahlquellen mit ihrem reichen Erhalt an Eiserl alifmerksam. Eirle, die (Suftav- Marlcnquelle. ist im oorigen Jahre mit allen Mitteln der modernen Technik gefaßt und ausgebaut. Um den Klirarlfeilthalt in König, angenehm und bequem zu gestalten, bat der Berschöilerungsverem in irächster Nähe deS Ortes ,iir Ausstellung von Ruhebänken in schattiger Lage und Herrichtung von gärttlerischeir Anlagen gesorgt. Für rituelle Pflege ist ebenfalls bestens Sorge getragen. Soolbad Harzburg TO Mit Genehmigung' Sr. KbrwKrden Herrn LamlraVbiner Dr, Rülf I unter Aufsicht Sr. Ehrtvürdc« Y Herrn Rabbiner Dr. Aucrliich I l&lbcnstadt. ■.•■■■■ {12 " _ . p III. Prospekt grat's und fr Pension Parknaus.^R“s”- Geöffnet bis i. Oktob. f' Salons mit llaiki.- : Einziges jüdisches l’ei. und Restaurant an