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Der Israelit · 1903-07-09 · Heft 54 (9.7.1903) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 54 (9.7.1903)
Date
1903-07-09
Page
– (sequence 10)
Language
German
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zwar waren in den Jahren 1871, 1880, 1885, 1890, 1900 der Reihe nach 1,3, 1,2, 1,2, 1,1, 1,0, Prozent Israeliten vorhanden. In den 30 Jahren von 1871 bis 1900 ist also eine Abnahme der jüdischen Bevölkerung um nicht weniger als 0,3 Prozent im ganzen Reich zu beobachten. Die Vertheilung der Juden im Reich ist sehr verschieden. Am stärksten sind sie in der Reichshauptstadt Berlin vertreten, wo auch eine Zunahme stattgesunden hat, von 4.4 Prozent im Jahre 1871 auf 4,9 Prozent im Jahre 1900. Stärkere jüdische Bevölkerung hatten 1871 noch die Provinzen Westpreutzen mit 2,0, Posen mit 3,9 und Heffen-Raffau mit 2,6 Prozent. In der letztgenannten Provinz beträgt sie auch jetzt noch 2.6 Prozent, in den anderen ist sie auf 1,2 resp. 1,9 Prozent gesunken. Im Königreiche Sachsen, dem Eldorado der Antisemiten, hat zwar eine Vermehrung der Juden stattgefunden, von 0,13 auf 0,30 Prozent, doch blieb sie hier, wie diese Zahlen zeigen, stets beträchtlich hinter dem Durchschnitt im Reiche zurück. Bezüglich der Ursachen der Abnahme der jüdischen Bevölkerung sagt das Statistische Amt: „Sie mag auf Uebertritte von Israeliten zu christlichen Bekenntnissen zurückzuführen sein, ein Rückgang der Bevölkerung jüdischer Raffe hat schwerlich stattgefunden, indeffen gibt hierüber die Statistik der Konfessionen keine Auskunft." Diese vermuthete Erklärung ist nicht stichhaltig. Bei genauerer Berechnung ist der Prozentsatz der jüdischen Bevölkerung 1,041 Prozent. In den sechs Jahren von 1895 bis 1900 haben 2888 Uebertritte vom Judenthum zum Christenthum stattgefunden. Zählt man diese Personen, die am 1. Dezember 1900 zweifellos nicht mehr sämmtlich lebten, den Juden zu — man müßte bei Hervorhebung der Rape übrigens 130 von Christenthum zum Judenthum Uebergetretene in Abzug bringen, doch wollen wir dies nicht berücksichtigen —, so erhöht sich der Prozentsatz der Juden nur auf 1,046 Prozent. Run gab es am 1. Dezember 1902 im Deutschen Reich noch 10,602 „Personen anderen Bekenntnisses," worunter Freidenker, Cogitanten, aus der evangelischen Landeskirche Ausgeschiedene, Gottgläubige und viele andere zusammengefaßt sind. Zählen wir alle diese den Juden zu, obwohl nur ein geringer Bruchtheil von ihnen aus dem Judenthum stammt, so haben wir immer erst 1,065 Prozent Juden in Deutschland, der Rückgang wird also keineswegs hierdurch wett gemacht. In Wirklichkeit kann man also nicht von einer zunehmenden Berjudung Deutschlands sprechen, sondern allenfalls von einer Entjudung, wenn es nicht überhaupt lächerlich wäre, bei dem überaus geringen Prozentsatz, den unsere jüdischen Mitbürger zur Bevölkerung liefern, solche Worte anzuwenden. Rastatt, 6. Juli. (Rettung ausTodesg e f a h r.) In höchster Angst um einen dem Ertrinken nahen Menschen standen dieser Tage um die Mittagszeit auf der Badener Briiöe eine Menge Menschen. Der in den zwanziger Jahren stehende Bäckergeselle Johann Hegele aus Bartenstein (Württemberg) hatte mit einem Hund in der Murg unterhalb der genannten Brücke gespielt, gerieth dabei immer weiter in den dort ziemlich tiefen Fluß, bis er schließlich den Boden verlor und des Schwimmens unkundig, nach vergeblichen Anstrengungen, an's Ufer zu kommen, auf den Grund sank. Jetzt erst ging ein Kanonier nach, konnte aber nicht untertauchen. Rach kurzer Weile sprang Herr Emil Ettlinger den Murgdamm hinab, schnell sich der Schuhe und des Kragens entledigend, und hinein in das nasse Element. Beim zweiten Untertauchen brachte er den Leblosen in die Höhe und zog ihn an's Ufer, wo er sofort Wiederbelebungsversuche mit ihm anstellie, die denn auch bald Erfolg hatten. Durch das entschlossene Vorgehen des Herrn Ettlinger wurde' ein blühendes Menschenleben dem Tode entrissen. Inzwischen hat sich der Bäckergeselle im hiesigen Spital wieder ziemlich erholt, sodaß keine Gefahr für dessen Leben mehr vorhanden ist. Stuttgart, 7. Juli. Von der „Deutschen Derlagsanstalt" erhalten wir folgende Zuschrift: (Babel u n d V i b e l.) Es ist vielfach die Ansicht verbreitet und auch in den Besprechungen der Presse erwähnt worden, daß der kürzlich erschienene Vortrag von Professor Friedrich Delitzsch „Im Lande des einstigen Paradieses" der in Aussicht genommene „dritte Vortrag über Babel und Bibel" sei. Das ist unzutreffend. Der Vortrag „Im Lande des einstigen Paradieses" steht außerhalb der Reihe der Vorträge über Babel und Bibel. Wie man uns mittheilt, wird der „dritte Vortrag über Babel und Bibel" von Prof. Delitzsch voraussichtlich im Laufe des kommenden Winters gehalten und dann auch in Buchform bei der Deutschen Verlags-Anstalt in Stuttgart erscheinen. Rußland. Petersburg, 6. Juli. Der Minister des Innern, v. Plehwe, empfing dieser Tage eine Deputation der Kaufmannschaft von Kischinew und sagte ihr zu, daß alles geschehen werde, um die Ruhe und Ordnung in Kischinew aufrecht zu erhalten. Er bedauere die traurigen Vorfälle im April auf's tiefste. Petersburg. Der dirlgirende Senat hat dieser Tage eine Entscheidung getroffen, welche die Lage unserer Glaubensgenossen in Rußland trefflich charakterisirt:- Sie lautet: „Juden, welche sich ungesetzlich außerhalb des ihnen angewiesenen Ansiedelungsrayons niederlassen und entgegen den Gesetzen von 1882 und 1887 außerhalb der ihnen zum ständigen Aufenthalte

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