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Der Israelit · 1903-07-09 · Heft 54 (9.7.1903) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 54 (9.7.1903)
Date
1903-07-09
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Zettungsnachrrchten und Eorrcspondeuzen. Deutschland. Mainz, 8. Juli. Gewaltige Aufregung herrscht im jüdischen Blätterwald. Im Wahlkreise Schlochau- Flatow erschien folgendes Flugblatt: Werthe Glaubensgenossen! Herr von Komorowski ist nach seinen gestrigen Erklärungen nicht der Mann, dem ein deutscher Jude in der Stichwahl seine Stimme geben kann, da er sein Polenthum in den Vordergrund stellt. Es wird uns schwer, einem Antisemiten vom Schlage Böckler's zum Siege zu verhelfen, es bleibt uns aber keine Wahl. Wir empfehlen daher, entweder Bäckler zu wählen oder , dem Wahlakte fernzubleiben. Prediger Lewin. Vlumenthal, Stadtv. Jul. N e u m a n n, Mühlenbesitzer. So traurig es ist, wenn Juden sich so tief erniedrigen, daß sie ihren schlimmsten Feinden zum Siege verhelfen, so halten wir doch die furchtbare Aufregung, wie sie sich beispielsweise im Berliner „Jüdischen General-Anzeiger" kundgibt, für deplazirt. Die Leute haben sich selbst genug gestraft. Der Herr Prediger, der Herr Stadtverordnete und der Herr Mühlenbesitzer haben sich in allen Kreisen einfach lächerlich gemacht und es wird lange Zeit vergehen, bis man ihnen ihre Wahltaktik vergessen haben wird. Aber irgend welche symptomatische Bedeutung für das Gesammtjudenthum hat die Sache nicht. Berlin, 2. Juli. Die seit dem Jahre 1765 hier bestehende. Gesellschaft zur Bertheilung von Brennmaterial „Haspakath Ebionim" hielt dieser Tage ihre statutenmäßig alle drei Jahre stattfindende Mitgliederversammlung ab. Nach einigen Begrußungsworten an die zahlreich erschienenen Mitglieder erstattete der Vorsitzende. Herr Bernhard Behrens, den Geschäftsbericht über die Wirksamkeit der Gesellschaft in den letzten drei Jahren: Es erhielten Brennmaterial 1900/01 825, 1901/02 844 und 1902/03 1021 Familien. Ursprünglich hat die Gesellschaft auch Vrod an Arme veriheilt. Da aber die Bertheilung von Brod sich nicht mehr ohne große Unzuträglichkeiten, auch für die Empfänger, ausführen ließ, hat die Gesellschaft beschlossen. nachdem sie hierzu die Genehmigung des Gemeindevorstandes sowie der außerordentlichen Mitgliederversammlung vom Juli 1901 erhalten hatte, künftig davon Abstand zu nehmen. Hierdurch, aber war die Gesellschaft in der Lage, während der letzten drei Jahre eine große Anzahl von Gesuchen um Brennmaterial berücksichtigen zu können. In vielen Fällen konnte ein größeres Quantum als früher und, wenn Erwerbsunfähigkeit vorlag, zweimal im Laufe des Winters Brennmaterial bewilligt werden. Zum Schluß theilte der Vorsitzende noch mit, daß im Besitz der Gesellschaft eine silberne Sammelbüchse sich befindet, die im Jahre 1774 von dem damaligen Vorsteher Herz Rintel gestiftet wurde. Dieselbe trägt aus jener Zeit die Namen edler Wohlthater, die der Gesellschaft größere Beträge zuwendeten. (Wir lassen bei dieser Gelegenheit die von dem Spender herrührende auf der kunstvoll ausgestatteten Büchse in hebräischer Sprache eingravierte Inschrift in möglichst wörtlicher Uebersetzung folgen: „Diese Büchse spendete der Vorsteher Herz Rintel für seinen Sohn, den Jüngling Abraham, sein Andenken zum Segen. „Des Menschen Hoffnung gleicht dem Gewürm: der Mensch, wie ein Hauch geht er dahin." Dieses Geld gab er dem Sohne am Tage seiner Veschneidung, und jetzt gibt es der Vater wegen seines Seelenheils in die Büchse der Gesellschaft „Haspakath Ebionim". zu geben Vrod den Hungrigen und Holz den Bedürftigen. 27. Tebeth 5534".') Die Gesellschaft hat beschlossen, diese Einrichtung wieder aufzunehmen, und haben bereits zwei edle Frauen: Franziska Ginsberg geb. Sachs und Rosa Sachs geb. Ginsberg ihre Namen auf dieser Büchse verewigen lassen. ' Hierauf verlas Herr Theod. S ch ü ck den Kassen- ' bericht und beantragte die Dechargeertheilung, die auch einstimmigerfolgt. Berlin. Der „Vorwärts" schreibt: „Die Verjudung Deutschlands." Wer unsere antisemitischen Blätter vom Schlage der „Staatsbürger Zeitung" liest, muß glauben, daß die jüdische Bevölkerung in Deutschland beständig wächst, und zwar in rascherem Maße, als die übrige Bevölkerung, so daß die Gefahr einer Verjudung in greifbare Nähe gerückt ist. / Wir würden in einer solchen Erscheinung durchaus nichts Beklagenswerthes finden, denn wir halten nicht das Judenthum, sondern den Kapitalismus für den Feind der allgemeinen Kulturentwickluna, den es zu bekämpfen und. zu überwinden gilt. Aber abgesehen, davon. ist die Behauptung von. der starken Vermehrung der Juden, an den Thatsachen geprüft, überhaupt eine falsche, was ja bei Behauptungen von Antisemiten.nicht gerade verwunderlich ist. , . / . .. Di? vom Kaiserlichen Statistischen Amt.He.rausgegebene Bearbeitung der Volkszählung vom 1. .Dezember 1900 zeigt bei einer Gesammtbevölkerüng deß Deutschen Reiches von fast 56 */• Millionen Einwohnern nur 586,833 Israeliten, d. h. ein Prozent./'Daneben stehen die Angaben aus früheren Zählungen, und Wb

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