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Der Israelit · 1903-07-09 · Heft 54 (9.7.1903) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 54 (9.7.1903)
Date
1903-07-09
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Christen riß, sofort von frisch ankommenden Kämpfern ausgefüllt. Die Juden könnten nur noch, auf die Zeit Hoffnung setzen, daß sie ihnen Rabbi Nathan mit Rettung von König Richard zuführte. Aber ein Tag verging nach dem andern und von Rabbi Nathan keine Spur und keine Kunde. Die Zahl der Juden, die kampffähig und kampflustig waren, begann zusammenzuschmelzen. Vor allem erhob sich ein drohendes Gespenst, das Verderben aller Belagerten, der Bezwinger jedweder Tapferkeit, vor ihrem Auge: der Hunger^ Wohl waren in der Citadelle Lebensmittel aufgespeichert worden, um im Falle der Noth benutzt zu werden. Aber sie waren nicht für so viele Menschen bestimmt und gingen bei dem großen Verbrauch mehr und mehr zur Neige. Gleich am Anfang waren Rationen vertheilt worden, und diese wurden kleiner und kleiner. Schon begannen die zarten Kinder, die Hunger zu tragen nicht verstanden, nach Speise und Trank zu schreien, und es schnitt den Eltern in's Herz, daß sie nichts geben konnten. Sie zogen sich's selbst vom Munde ab, um sie nur zu befriedigen. Aber der Hunger zehrte an ihrer Kraft und machte schon manchen untüchtig zum Kampfe. Es war vorauszusehen, daß, wenn Rabbi Nathan nicht bald Hilfe brachte, die Stunde kommen werde, da sie zwischen dem Schwerte des Feindes und dem Martertode des Hungers zu wählen hatten. Denn vom Feinde war keine Schonung zu erwarten, seine Erbitterung und Leidenschaft wuchs mit der Hartnäckigkeit des. Widerstandes und der nahenden Aussicht auf Beute. Die Qualen des Feindes und die Qualen des Hungers, welch' furchtbar trostlose Wahl.- Wieder verging ein Tag nach dem andern und die Noth der Juden 'stieg auf's Höchste. Immer grausiger schallte an ihr Ohr das tobende Brüllen des Feindes, sein wildes Frohlocken, sein grausamer Hohn und seine schrecklichen Drohungen. Die meisten Kinder waren schon den nagenden Qualen des Hungers erlegen. Man hatte sie bestattet mit dem Gedanken, daß dasselbe Schicksal oder ein noch schlimmeres ihnen allen bevorstand. — Schwächer und schwächer wurden ihre Glieder. Mit Mühe nur vermochten die Kämpfer das Schwert in der Hand zu halten. Rettung schien es keine zu geben. Zwar hatten sie in einem Keller der Burg, von Schutt und Moder bedeckt, den Ausgang eines geheimen. unterirdischen Ganges bemerkt, der schon seit ewiger Zeit in Vergessenheit gerathen zu sein schien und nicht mehr gebraucht worden war. Aber dieser Gang führte mitten in die Stadt und konnte daher zur Flucht nicht gebraucht werden. Was hätte ihnen Flucht auch genützt, die sie doch gemeinsam hätten unternehmen müssen, wo man sie in dem überall aufgeregten Land sofort aufgegriffen und gemartert hätte. Höchstens konnten wenige Menschen sich darin für einige Zeit verborgen halten, bis die Wuth der Feinde verraucht war und sie unerkannt entkommen mochten. Aber wer wollte diesen.Vorzug beanspruchen? - Ihre Hoffnung verschwand. Sie hatten nur noch für drei Tage Lebensmittel. Waren auch diese dahin, so war es mit ihnen geschehen.- Es war nach einem erbitterten Kampfe mit den Feinden, da sank das Dunkel herab. Weiber und Kinder legten sich in der Burg zum Schlafe. Sie thaten dies so früh als möglich, um dem quälenden Hunger zu entgehen. Aber die Männer schliefen nicht in der Burg. Sie befanden sich draußen auf der Esplanade, um die Burg vor einem Ueberfall zu sichern. Ganz vorn an der Verschanzung der Esplanade saßen David ben Sebulon und die Schaar seiner Jünglinge auf dem Boden, das Schwert in der Hand, auf jeden Ueberfall vorbereitet. Hinter ihnen lagen die älteren Männer, ihre Waffen neben sich auf der Erde. Sie waren vor Ermüdung eingenickt. Aber bei drohender Gefahr konnten die Jünglinge sie wecken. (Fortsetzung folgt.) Der „Israelit" erscheint wlSeiientlicSi zweimal, Montags nnd donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Marl ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Dev Buchhandel vrvkrluck durch V. 3?. Steinarker, Leipzig, rlohplatz jb.— Inserate 25 Pfennig die viergespaltene Nonpareillezeile oder deren Raum. Preis der Zeile im Reclametheil 75 Pfennig. — Directe Franeozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 16 Kronen österr.. für's Ausland 16 Mark, an die Expedition franco einsenden. Postzeitungsliste 3932. Telephon 1015. Stellesuchende und sonstige Interessenten können auf Wunsch die jeden Dienstag und Freitag erscheinende „Kleine AnSgabe deck JSraelit" vier Wochen lang gratis und franco erhalten. Wünscht man den Empfang der „Kleinen Ausgabe" längere Zeit, so kann man sich für 25 Pfennige das Vierteljahr, indeß ausschließlich bei der Post auf dieselbe unter Nr. 3933 abonniren. Auf Wunsch stunden wir die Zahlnng deS JnsertionSbetragS an außer Stelle Befindliche bis nach Erlangung einer solchen. Inhalt (Hauptblatt) r Wo lernt man Sckechlta? — Zeitungsnachrichten n. Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Leipzig. München. Dresden. Evvingen. Oesterreich: Franzensbad. Ungarn: Ung.-Brod. (Svör. Frankreich: Paris. — Feuilleton: Jerusalem. tFortsetz.) Inhalt der ersten LrUagr: Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Mainz. Berlin. Rastatt. Stuttgart. Rußland:" Petersburg. Odessa. — Vermischtes. Inhalt ver rwritrn DeUagr: Zur Geschichte der Juden in Serbien. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. miununieU: Bukarest. . ■ ' Ertra-VeUaoe: «Sprüche der Vater.' y ■_ Verantwortliche Redactton: OScar Lehmann in Mainz. — Expedition des ^JSraelit*. Schottstrabe Nr. 2. Mainz. Druck und Verlag der Job. WirLh'kchen Hafbuchdruckerei Actien-Sesellschaft in Mainz. HLeszu drei VeUagsrr.! * i * ..a a

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