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Der Israelit · 1903-07-09 · Heft 54 (9.7.1903) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 54 (9.7.1903)
Date
1903-07-09
Page
– (sequence 7)
Language
German
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9 t » i I I t t » M. Jerusalem. Gistsvjfchr Vvzshlung von Jfaae Breue'—Frankfurt a. M. 20J Da packte sie namenlose Wildheit, wie sie das Raubthier zeigt, wenn sein armes Opfer ihm aus den Krallen entschlüpft ist. Wie rvahnsinnig stürzten sie auf das Ghetto, in der Hoffnung, noch Beute zu finden. Aber alles leer und öde. In toller Bernichtungswuth begannen sie das Ghetto zu zertrümmern. Was ihnen in die Hände kam, zerhieben sie in tausend Stücke. Da . sanken die Thore unter donnernden Axthieben zusammen, die feurige Lohe schlug in die verlassenen Häuser und nach wenigen Stunden war das ganze Ghetto ein wüster Trummerhaufe. Aber ihr kochendes Blut mochte sich nicht beruhigen, ihre Wuth gegen die frechen Ketzer wuchs in's Unglaubliche. Brüllend stürzten sie sich, die blanken Waffen in der Hand, auf die Citadelle. die feigen Inden herauszujagen und in Stücke zu zerfleischen. Doch schon hatten die Juden den Brand des Ghettos bemerkt und auch ihr Herz war in wildem Zorn entflammt. David ben Sebulon an der Spitze, zogen die Jünglinge in die Esplanade hinaus, und als die ungeordneten Schaaren der tollen Angreifer herankamen, da zückten sie die Schwerter und schleuderten die Lanzen und trieben die Feinde zu Paaren. Haufen von Leichen deckten den Wall, von den Juden war keiner gefallen. Heulend stürzten die Christen in wilder Flucht von dannen. Sie glaubten, die Welt sei eine andere geworden. Sie hatten nicht für möglich gehalten, daß die Juden sich zur Wehr setzen könnten. Und nun begann ein förmlicher Kreuzzug gegen die Juden. Von allen Seilen strömten Kreuzfahrer herbei, die sich schon für die Reise nach Jerusalem gerüstet hatten. Denn überall predigten die Geistlichen, es sei ebenso verdienstlich, gegen die Juden zu kämpfen, als gegen die Sarazenen. Sie gewährten den Kämpfern Sündenablaß und verhießen ihnen, falls sie fallen sollten, alle Seligkeit des Himmels. Der Fanatismus des ersten Kreuzzuges Lberkam die Kämpfer. Sie hefteten sich das Kreuz an's Gewand und zogen unter wilden Gesängen aus. Selbst Mönche in wallenden Gewändern schritten in ihren Reihen, allen voran der weiße Mönch mit einem Panzer unter dem Kittel. Aber hier stand Begeisterung Begeisterung gegenüber. Auch über die Juden schien der alte Heldengeist ihres Stammes gekommen zu sein. Den alten Ruhm ihrer glorreichen Geschichte glaubten sie retten zu müssen gegen langjährige Schmach und Verkennung. Die Tage des jüdischen Krieges schienen wiedergekehrt. Sie kamen sich vor wie die letzten Vertheidtger ihres. Stammes! Vor ihrem Geiste wie vor den Augen ihrer Angreifer schwebten die goldenen Zinnen Jerusalems und trieben sie zu unerhörten Anstrengungen an. - Es winkten die Zinnen Jerusalems den Christen Erlösung und Seligkeit zu. Befreiung von der Last ihrer Sünden und ewige Heiligkeit. Es winkten die Zinnen Jerusalems den Juden die Gruße der Heimath zu. die einst ihre Heldenkraft geschaut und ihre Macht und Größe. Die Zinnen Jerusalems mahnten sie, daß auch dort einst ihre Väter gestanden und gekämpft bis zur Erschöpfung. Es hob ihre Brust sich in kühnem Stolz, daß sie abgeschüttelt das Joch der Jahrhunderte, daß sie in die Reihen der Völker wieder eingetreten seien und mit den Waffen in der Hand gegen ihre Feinde kämpften, wie sonst nur Volk gegen Volk. Und David ben Sebulon war die Seele ihrer Seele, er war ihr Leiter und Führer, der Ordner ihres Kampfes. Dieser Jude offenbarte, nun, wo er sich frei entfaltete, einen zum Herrschen geborenen Geist. Er schien förmlich aufzuleben im tobenden Schlachiengebrause. Frei blickte sein gebietendes Auge umher, ein Lächeln strahlte auf seinen Lippen und mit gewaltigem Arme schleuderte er wuchtig die Lanzen. Nie fehlte er und bei jedem Wurfe dachte er seines todten Weibes. Weithin schallte seine mächtige Stimme^ wenn er seinen Jünglingen Befehle austheilte. Ueber das Schlachtfeld hallten die hebräischen Laute, wie weiland zu den Tagen Bar Kochbas. Und seine Jünglinge schauten' zu ihm auf. er schien ihnen der König der Juden. Ihr trunkener Geist flog in die ferne Vergangenheit zurück und weilte in den gesegneten Gefilden des herrlichen Landes der Juden. König David, schien wieder aufgelebt in alter Schönheit und Stärke. Sie glaubten aus Jerusalem auszuziehen, der schimmernden K'öngsveste, zum Kampf gegen das Volk der Philister, das übermüthig sich auflehnt, und „Jerusalem! Jerusalem!" schallt's aus ihren Reihen als jauchzendes Kampfeszeichen -doch „Jerusalem! Jerusalem!" tönt es zurück aus dem Munde der fanatischen Feinde, und es klirren die Schwerter, es schwirren die Lanzen, es krachen die Schädel, es fallen die Sterbenden — — „Jerusalem! Jerusalem!" Heldenmüthig griffen die Christen die gut befestigte Citadelle an und heldenmüthig widerstanden die Juden der gewaltigen Ueberzahl. Tag für Tag wiederholten die Christen ihren Sturm, aber sie. wurden stets mit blutigen Köpfen und großen Verlusten' zurückgeschlagen. Der Verlust der Juden war in Folge' ihrer gedeckten Lage minder groß, allein ihnen kam der^ einzelne Mann viel theurer zu stehen, als den Christen/ Denn während für sie Verstärkung ausgeschlossen war, wurden die Lücken, die jede Schlacht in den Reihen der i t: fl-

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