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Der Israelit · 1903-07-09 · Heft 54 (9.7.1903) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 54 (9.7.1903)
Date
1903-07-09
Page
– (sequence 6)
Language
German
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aber nicht mehr in die Synagoge. Auch mehrere Kurgäste, die sonst dieses Gotteshaus zu besuchen Pflegten, meiden seither eine jüdische Andachtsstätte, in der ein jüdischer Restaurateur ungestraft einen solchen Chillul- Haschem verüben konnte. Dieser gute Mann scheint es überhaupt nur auf die Verdrängung und Verleumdung der gesetzestreuen Schächter und* deren Speisehäuser abgesehen zu haben. Wie es mit der RitualitäL eines „Koscher-Hotels" beschaffen sein mag, dessen Eigenthümer ein halbes Menschenalter hindurch öffentlich trefoh gegessen, braucht in diesen Blättern nicht erst hervorgehoben zu werden. ' Seit einigen Jahren wollte es aber dieser. famose Tugendwächter seinen Kollegen mit der Institution des „separaten" Schochet nachmachen. Die Bal-Teschubah-Spekulation will aber nicht recht gelingen. Der eigene, als so schrecklich fromm angepriesene polnische Schochet, erklärt nämlich in bestimmtester Form, daß das Restaurant seines Brodgebers trefoh ist, und daß er selbst (der Schochet nämlich) keine Fleischspeisen dort genießt. Bezeichnend ist es aber, daß auch dieser chassidische Hochstapler in den Wintermonaten als Maschgiach in einer Fleischbank der Vudapester Reformgemeinde angestellt ist. Wie sagt doch Salomo? ipp 121 bv 2*ppo V2i VTVUPD. Gegen ein solch frivoles Treiben sollte doch das vertrauensselige jüdische Kurpublikum in Schutz genommen werden! Wenn ich einen zweiten Ausflug nach Franzensbad mache, will ich ausführlicher berichten. I. Löffler, Religionslehrer. Ungarn. Ung.-Brod. Am 1. Juli l. I. hat die Schlußprüfung an dem hier bestehenden Ernst-Gymnasium stattgefunden, deren Ergebniß mH Spannung entgegengesehen wurde. Es freut uns, konstatiren zu können, daß die junge Anstalt allen Erwartungen entsprochen hat. Die Unterrichtsrcsultate in den Gymnasial-Lehrgegenständen wurden von Herrn Stöckel, Direktor des Deutschen k. k. Staats-Gymnasiums in Kremsier als glänzende bezeichnet. Daß der Unterricht im Hebräischen auf gleicher Höhe stand, dafür bürgt die Person Sr. Ehrw. Herrn Rabb Dr. M. Jung, unter dessen Leitung die Anstalt steht. Den verschiedenen Vorkenntnissen der Schüler entsprechend, wurde das Hebräische in drei Abtheilungen unterrichtet, und zwar in der ersten: Pentateuch, in der zweiten: Pentateuch mit Raschi und Mischnajoth mit Bartenora, und in der dritten: Talmud. Möge die Anstalt, Heren Erhaltung im eminenten Interesse des Judenthums liegt, gedeihen und blühen. Möge sie recht viele Gönner finden, die es ihr ermöglichen, das sich gesteckte Ziel zu erreichen, die Jugend zu jüdisch-denkenden und fühlenden Menschen heranzubilden, die das Judenthum aus eigener Ueberzeugung lieben und von echtjüdischem Geiste beseelt, als Wächter hoher Intelligenz, edler Gesittung und tiefer Religiosität glänzen. Gyor (Raab). Mit betrübtem Herzen melden wir heute den Tod einer Frau, deren Andenken werth ist, in diesen Blättern festgehalten zu werden. Frau Rosa Steiner, Gattin des Herrn Albert Steiner, Mitglied und eine mächtige Stütze unserer orthodoxen Gemeinde, ist nach langem schwerem Leiden in der Blüthe ihrer Jahre verschieden. . Vom Elternhause über Pflicht und Lebensaufgabe des jüdischen Weibes wohl unterrichtet, war die Verblichene stets bemüht, dieser Pflicht und Lebensaufgabe gemäß zu leben, und sie bestätigte dieselbe als Gattin ihrem Manne gegenüber, als Mutter ihren Kindern gegenüber und als Hausfrau in der Leitung und Verwaltung eines echt jüdischen Hauswesens. Daß sie diesen nach den mannigfaltigsten Richtungen geübten Weibespflichien auch gerecht geworden, das bezeugten die herrlichen Worte unseres allverehrten 'und hochgeachteten Rabbiners, Herrn Jakob S n y d e r s, die derselbe ihr in einem Nachrufe gewidmet. Mit einer Gewandtheit, wie sie nur von diesem Meister der Beredtsamkeit zu erwarten war, entwarf er ein fesselndes Lebensbild der Dahingeschiedenen; geschickt und ungezwungen flocht er in dieses Midraschim und Schriftstellen, deutete und erläuterte dieselben in der ihm eigenen - geistvollen Weise und zeigte, wie in diesen Midraschim und Schriftstellen sich das fromme und gottergebene Leben der Dahingeschiedenen wiederspiegelt. Es war dies ein Hesped. würdig, dem er galt und würdig den Hinterbliebenen. Mag Gott diese trösten und jene unter dem Schutze Seiner glorreichen Majestät bewahren. Frankreich. Paris, 6. Juli. Bei dem Festmahl der amerikanischen Pariser Kolonie zur Gedenkfeier der Unabhängigkeitserklärung, veranstaltet von der Pariser amerikanischen Handelskammer, hielt Herr William S e l i g m a n n vor vierhundert Personen, darunter Minister Trouillot, General Brugöre und Bankgouverneur Pallein, eine Ansprache, welche übereinstimmend mit den jüngst ausgesprochenen Anschauungen des Präsidenten Roosevelt in Bezug auf die Vorfälle in Kischinew folgende bemerkenswerthe Aeußerung enthält: „Es wäre wünschenswerth, daß die Philanthropen, welche in dieser Stadt jüngst in dem großen Meeting des Theaters du Chateau d'Eau gegen die türkischen Greuel protestirten, ihre Aufmerksamkeit näher gelegenen christlichen Ländern zuwen'oeien, wo Bedrückung besteht, wo Grausamkeiten gegen arme, schutzlose Geschöpfe von Leuten verübt werden, die gewisse Zeremonien prunkvoll und fanatisch beobachten und in deren grausame und mitleidslose Herzen die wahre Religion, welche auf Mitleid und Nächstenliebe gegründet ist, niemals eindringt." Die anwesenden Amerikaner und Franzosen nahmen diese Worte mit großem Beifall auf; es wurden Trinksprüche auf die Präsidenten Roosevelt und Lou-! bet ausgebracht. '

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