Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 53 (6.7.1903)
- Date
- 1903-07-06
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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fein. Er sei auch nicht der erste, welcher den Gedanken, die Juden zur Bodenkultur und zum Handwerk zurückzuführen, aufgegriffen habe. Nach Aufhebung der mittelalterlichen Gesetzgebung sei es mehrfach versucht worden. Man habe aber mit der Erziehungsart nicht bei den Kindern begonnen und darum nicht immer die erhofften Erfolge erzielt. Man möge nun nicht glauben, daß die Anstalt schon eine Musteranstalt sei, sie habe aber den dringenden Wunsch, eine solche zu werden und nach diesem Muster andere Anstalten, vielleicht auch außerhalb Deutschlands, einzurichten. Diese großen Pläne könne man nur mit Hilfe von treuen Freunden ausführen. Der Redner ließ seine Rede auch in einem Hoch auf das Vaterland und dessen Herrscher ausklingen, worauf ein Vortrag des Liedes „Arbeit ist des Bürgers Zierde" die schöne Feier beschloß. ZetturrgsKaHrichten urrd Torresponderrzerr. Deutschland. Berlin, 6. Juli. (Die Juden im Reichstage.) Im neuen Reichstage werden acht Juden sitzen. Zu den bisherigen sieben jüdischen Vertretern Singer, Stadthagen, Wurm, Haase, Gradnauer, Herzfeld und Bernstein, die auch wiedergewählt worden sind, tritt als achter Jude das Mitglied der Süddeutschen Volkspartei Dr. Blumenthal-Kolmar hinzu. Es sind folgende jüdische Reichstagskandidaten durchgefallen: Schriftsteller Grunwald in Mühlhausen- Langensalza, Redakteur Verthold Heymann, Auer's Schwiegersohn, in Göttingen, der ehemalige Privatdozent Dr. Leo Arons in Berlin, der praktische Arzt und Berliner Stadtverordnete Dr. Hermann Weyl in Westpriegnitz, ferner von der „Freisinnigen Volkspartei" die Rechtsanwälte Dr. Bruck in Frankfurt a. M., Justizrath Heilberg in Breslau-West, Rechtsanwalt Rother-Breslau in Labian-Wehlau, Rechtsanwalt Guifeld-Verlin in Sensburg-Ortelsburg. Rechtsanwalt Dr. Lichtenstein-Königsberg (O.-Pr.) im Königsberger Landkreise, der Fabrikant Louis Loewenthal-Brieg im Wahlkreise Brieg-Ramslau, die praktischen Aerzte Dr. Hollstein-Görlitz in Zittau, ferner Dr. Vloch-Beuthen und Dr. Lewitt in Zabern, endlich der Amtsgerichtsrath Keßler-Breslau in Militsch-Trebnih, der für die „Freisinnige Vereinigung" kandidierte. Hamburg. Wie vorauszusehen, hatte die antisemitische Partei bei den letzten Wahlen einen starken Rückgang zu verzeichnen. 1898 haben die Antisemiten noch 9132 Stimmen auf ihre Kandidaten vereinigt, diesmal erhielten dieselben nur noch 3043 Stimmen, und zwar, trotzdem sie besondere Hoffnungen darauf gesetzt hatten, daß sie im zweiten Wahlkreis einen ein- W fachen Arbeiter als Kandidaten aufgestellt hatten; derselbe erhielt jedoch nicht mehr als 321 Stimmen! Die- ' ser Rückgang des Antisemitismus muß sich auch bei den nächstjährigen Bürgerschaftswahlen geltend machen, bei denen die Antisemiten ihre drei Bürgerschaftsmandate zu vertheidigen haben. Fürth, 18. Juni. Geräuschlos und still und dennoch in überaus würdiger und erhebender Art und Weise wurde gestern das Amtsjubiläum des vor 25 Jahren an die hiesige israelitische Waisenanstalt berufenen Lehrers Sigm. Mosbacher begangen. Eine Abordnung der Waisenhausverwaltung begab sich früh morgens in die festlich geschmückte Wohnung des Jubilars, um diesen zu beglückwünschen und durch sinnige Ehrengaben zu erfreuen. In innigen, von Herzen kommenden und zu Herzen gehenden Worten pries Direktor Dr. Deutsch in einer Ansprache das, von liebevollem und friedfertigem Wesen getragene, erfolggesegnete Wirken des Gefeierten und versicherte, die Anstalt werde dieser Thätigkeit allezeit mit herzlichem Danke eingedenk bleiben. Herr Lehrer Mosbacher erwiderte bescheiden unter Betonung, daß die Arbeit im Dienste der Waisen ihm selbst die reinste Freude und höchste Befriedigung bereitet habe. Nachmittags vereinigte das Haus des Jubilars einen erlesenen Kreis von Freunden und Anverwandten, die in gehobener Festesstimmung und in Reden, welche von rrrn **isrt gewürzt waren, sich ergingen. Mögen dem beliebten und verdienstvollen Lehrer noch recht viele Jahre froher Amtsthätigkeit beschieden sein! Günzenhausen, 3. Juli. Am Montag, 20. Juli. Vorm. 9 Uhr. findet Hierselbst im Saale des „Fränkischen Hofes" die 24. Generalversammlung des isr. Lehrervereins für das Königreich Bayern statt. Die Tagesordnung lautet: 1) Begrüßung. 2) Berichterstattung des Vereinsvorstandes. 3) Beschlußfassung über zwei Aufnahmegesuche nach 6, Abs. 4 der Satzungen. 4) Antrag der Verwaltung: Bei § 34 der Satzungen ist als ck. einzufügen: Wer vor Ablauf zehnjähriger Mitgliedschaft eine Lehrerstelle in einem anderen Staate des deutschen Reiches annimmt. — In Abs. 6 ist dann noch ck. einzuschalten. — § 35 fällt bis auf den letzten Satz weg. 5) Bericht der Rechnungsrevisoren und Entlastung der Verwaltung. 6) Vortrag: „Die jüdische Volksschule in Bayern." Ein Rück- und Ausblick. (Ref. Herr S. Dingfelder in Ansbach.) 7) Freie Besprechung von Schul- und Standesangelegenheiten. Die Herren Kollegen werden ersucht, die Versammlung recht zahlreich zu besuchen und auch die [außerordentlichen Mitglieder und Gönner des Vereins hierzu einzuladen. ■f Ul, J l7T5B- V'1”'' “ *'