Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 53 (6.7.1903)
- Date
- 1903-07-06
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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4M» —- Fmk kr IsrmliWt» klzickUss»stl>It. ge zu M Man schreibt uns: Der 24. Zum war ein besonderer Festtag zehnjährigen Bestehens, verbunden mit der Einweihung des neugegründeten „Madcheuheims". Das der Anstalt allseitig entgegengebrachte Interesse gab stch kund in der Theilnahme zahlreicher Gaste an der Feier. Die Provinz war durch den Landesdirektor Lichtenberg vertreten, die Staatsregierung durch den Regierungspräsidenten v. Philipsborn, Landrath v. Zedlitz und Reg.- und' Schulrath vom Berg, die Stadt Hannover durch Senator- Jakob und die Stadt Linden durch Syndikus Dr. Tegtmeyer und Senator Fischer, aus Limmer war Superintendent Beyer erschienen; auch wohnten zahlreiche Damen der Feier bei. Die Feier begann mit dem von den Knaben und Mädchen der Anstalt gesungenen: „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre." Darauf begrüßte im Namen des Kuratoriums Iustizrath Dr. B e r e n d die Teilnehmer, in deren zahlreichem Erscheinen er ein warmes Interesse für die Anstalt erblicken zu dürfen glaubte. Die Anstalt verdiene dieses Interesse auch in hohem Maße, und kein wahrer Menschenfreund sollte an dieser eigenartigen Wohlfahrtsanstalt achtlos vorübergehen. Die Eigenart der Anstalt beruhe in der Bereinigung der verschiedenartigen Mittel für die ErZiehungszwecke. Hierdurch habe die Anstalt vorbildlich und bahnbrechend gewirkt. Durch die Hinfühkung der Zöglinge zur Gärtnerei und zum Ackerbau und Handwerk werde in ihnen die Freude an einer produktiven Thätigkeit und die Liebe zur Natur geweckt. Freudig schaffende Menschen zu erziehen, sollte das Ziel der Anstalt sein. Bei allen Fortschritten leide die Ausbildung der heutigen Jugend an Einseitigkeit; es werde zu wenig die körperliche Ausbildung berücksichtigt und sei deßhalb die Arbeit der Anstalt von großer Bedeutung für die Zukunft. In dem Mädchenheim, mit dessen EinrichtLLg die Anstalt eine zehnjährige bedeutungsvolle Periode beschließe, solle auch dem weiblichen Geschlecht eine praktische Erziehung für das Leben zu theil werden, und es bestehe ferner der Plan, in der Nähe von Hannover einen Hof anzukaufen, um dort das Unterrichtswesen mit der Landwirthschaft in größerem Maße zu verbinden. Der Redner gedachte dann der Verdienste des Begründers der Anstalt, Konsul Simon, der auch noch heute an der Spitze der Leitung stehe und sich hoffentlich der Segnungen seiner Schöpfungen noch lange möge erfreuen können. Die Anstalt sei im Laufe der Jahre auch über die Grenzen des Reiches hinaus zu einer großen Bedeutung gelangt, und gerne öffne sie ihre Pforten den armen Kindern der im fernen Osten im Elend schmachtenden Glaubensbrüder. Dennoch solle die Anstalt aber eine deutsche bleiben, in der deutsche Sprache, deutsche Sitte und deutscher Geist eine Pflegstätte habe. In diesem Bestreben finde sie auch die Unterstützung der Behörden, und in diesem Bestreben wisse sie sich auch eins mit dem Kaiser, dem auch die Unterstützung der wirthschaftlich Schwachen eine erste Pflicht sei. Der Redner schloß mit einem Hoch auf den Kaiser, nach dessen Verklingen von der Festversammlung die Nationalhymne angestimmt wurde. Namens der Gäste dankte Regierungspräsident von P h i l i p s b 2 r n für die freundliche Einladung , zu dem Feste und gab seiner Freude über die Anwesenheit der Gräfin Waldersee Ausdruck, die an Werken . der Nächstenliebe so selbstlos theilnehme. (Beifall.) Als Präsident der Regierung sprach er der Anstalt die besten Wünsche aus zu weiterem segensreichen Gedeihen und mahnte, auch in Zukunft wie bisher daran festzuhallen, die Kinder in Gottesfurcht, Vaterlandsliebe und Köngstreue zu erziehen. Die Fest- und Weiherede hielt Landrabbiner Dr. G r o n e m a n n, der die Bedeutung der Anstalt würdigte, als Vorbild und Musteranstalt, weit über die Grenzen des Vaterlandes rühmlich bekannt. Der hier von dem Begründer eingeschlagene neue Weg sei nicht neu, sondern eine Rückkehr zu den Einrichtungen, die das alte Israel schon in seiner agrarischen Gesetzgebung gehabt habe, bis es später nach dem Verluste der Selbstständigkeit durch die Verfolgungen zum Handel getrieben sei. Unsere Zeit sei erfüllt von der sozialen Gesetzgebung, in der Deutschland allen Völkern vorangehe. Man sei sich daher in der Anstalt bewußt, den Intentionen des Monarchen zu entsprechen und dem Vaterlande zu dienen. Die Anstalt solle ihre Zöglinge erziehen zu treuen Anhängern ihres Glaubens, aber zu treuen Bürgern des Vaterlandes; sie solle ferner überwinden helfen das Trennende zwischen Abstammung und Glauben, was heute mehr wie zu viel betont werde. Das Werk habe jetzt mit der Errichtung des Mädchenheims seinen rechten Abschluß gefunden und blicke mit frohen Hoffnungen in die Zukunft, weil es das Vertrauen in den verflossenen zebn Jahren gewonnen habe. Der Redner schloß mit dem Wunsche, daß dieses Werk der Nächstenliebe sich weiter entwickeln möge zur Ehre Gottes,. zum Segen der israelitischen Gemeinschaft und zum Heil des deutschen Volkes. Konsul S i rn o n berichtete dann über Ziele und Entwicklung der Anstalt, nachdem er zuvor dagegen protestirte. daß seine Person in den Vordergrund gestellt werde. Ohne die Hilfe der Behörden und der Mitarbeit treuer Freunde würde es ihm nicht gelungen - ■gg’WC** •'.■wwr’V.y y V!»