Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 53 (6.7.1903)
- Date
- 1903-07-06
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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im Wer am gemeinschaftlichen Mittagsmahle theilzunehmen wünscht, wird gebeten, dies Herrn Lehrer Marx in Gunzenhausen durch eine Karte mittheilen zu wollen, denn für den Restaurateur ist es, weil an einem kleineren Platze, nothwendig, wegen der zu treffenden Vorbereitungen eine Ueberblick über die ungefähre Zahl der Teilnehmer zu gewinnen. Göppingen (Württemb.). Ende Juni. Mit der Einweihung der neuen Kommunal-Friedhofsanlage war ein Weiheaki verbunden, der sich in einfachen Formen hielt, aber insofern von erfreulicher Bedeutung war, als die Geistlichen der drei Konfessionen dabei in Amtstracht Funktionen hatten, die zuvor in gemeinschaftlicher Besprechung festgestellt waren. Der evangelische erste Stadtgeistliche hielt eine Ansprache, der katholische Stadtpfarrer verlas eine Liturgie, und der Rabbbiner sprach den ..Priestersegen", nachdem er in einigen Worten darauf hingewiesen hatte, daß die isr. Kirchengemeinde Göppingen, die bisher aus Anhänglichkeit zur Muttergemeinde Jlberhausen gleichsam in hcimathlicher Erde ihre theuren Todten bestattet habe, von nun an auch hier auf dieser gemeinsamen Friedhofanlage ihren Lieben die letzte Ruhestätte bereiten werde. Der separate Friedhofstheil, welcher der isr. Kirchengemeinde in einem Umfang von l1'.. Morgen seitens der bürgerlichen Kollegien kostenlos zur Verfügung gestellt wurde, schließt unmittelbar an den allgemeinen an und wird später einen Theil der zur Erweiterung vorgesehenen zweiten Hälfte bilden. Das loyale Entgegenkommen in der Platzfrage und dann die Einladung zur Einweihung, die auch an das isr. Kirchenvorstandsamt als Vertreter der Gemeinde erging, zeugen von selten wohlwollender und vorurteilsfreier Gestnnung seitens der Vertreter der hiesigen Stadt. Gailingcn. Dem vierten Bericht über das „Isr. Krankenhaus in Gailingen ist zu entnehmen: Es gereicht uns zur Genugthuung, konstatiren zu können, daß unser Krankenhaus in den verflossenen zwei Jahren erfreuliche Fortschritte gemacht hat. Die erhöhten lausenden Einnahmen, sowie die namhaften Zuschüsse. Stiftungen und Verpfründungen haben es uns ermöglicht, einer großen Zahl von Armen, Kranken und Schwachen Aufnahme und Hilfe zu . gewähren. Auch waren wir in der glücklichen Lage, das Grundsiocksvermögen etwas zu vermehren. Um eine Vermehrung des Fonds und der laufenden Einnahmen herbeizuführen. haben wir folgende Einrichtung getroffen: ^1) Stifter, die einen einmaligen Betrag von 300 Mark oder mehr spenden, werden auf einer besondere Gedenktafel verewigt. 2) Bei Legaten und StFtungen von über Mk. 200 wird alljährlich am Todestage des Stifters ein Schiur gelernt. Kadifch gesagt und Licht gebrannt. 3) Diejenigen, die einen jährlichen Beitrag von Mk. 4 oder mehr zeichnen, werden in" das Stiftungsbuch eingetragen. 36 Verpflegte erforderten 3532 Pflegetage, auf 1 Verpflegten kommen somit 98,11 Tage. U n g a t n. Budapest, 3. Juli. Herr Edmund Klein, Chef des Preßbureau im kgl. ungar. Ministerium des Innern ist zum wirklichen Ministerialrath avancirt. Klein ist seinerzeit einer der besten Bachurim einer vornehmen ungarischen Jeschibath gewesen. Er ist'ein gesetzestreuer Jude und seine fromm-jüdische Gattin ist die Tochter des ehemaligen Szatmarer Rabbiners und berühmten Talmudisten Abraham Rosenfeld. Der hervorragende Budapester Nervenarzt Dr. Paul Rauschburg hat ein Buch unter dem Titel „Daten über die Psychologie der Aufmerksamkeit" veröffentlicht, welches von einem Rabbiner in's Hebräische übersetzt wird. — Der Budapester Maler Herr Alexander Fenyvessv malt ein Bild, welches den weltberühmten italienischen ' Künstler Leonardo da Vinci auf Schloß Clout bei Ambroise in Frankreich darstellt, als er einen Mönch und einen Rabbi in Lebensgröße malt. Das Bild wird nach St. Louis zur Weltausstellung geschickt und dort verkauft werden. Joseph Spitzer.' England. London. Dieser Tage fand Hierselbst in der großen Versammlungshalle in Mile-end-Road eine „P r o t e st v e r s a m m l u n g" statt, an der Tausende von Juden aus dem Osten Londons theilnahmen. An der Versammlung waren vor allen Dingen auch die sozialdemokratischen Führer betheiligt. Der Arbeiterparlamentarier Keinhardie sagte in einem Briefe, durch den er sein Fernbleiben entschuldigte: „Es ist die Zeit gekommen, wo die Regierungen von Europa eine Macht nur noch dann anerkennen sollten, wenn sie sich dem sittlichen Standpunkt des Zeitalters entsprechend benimmt." Nach der Versammlung fand eine Protestkundgebung im Hyde Park statt. Die Reden wurden meist in fremder Sprache gehalten. Man hörte russisch, deutsch, jüdisch, französisch und italienisch. Die russische Regierung wurde „als die infamste der modernen Zeiten" stark verurtheilt, und die Versammlung sprach ihr Bedauern darüber aus, daß keine Mansionhausversammlung stattgefunden habe, trotzdem London einett jüdischen Lordmayor besitze. Die angenommene Resolution hatte folgenden Wortlaut: „Die Versammlung drückt den Opfern des Aufstandes in Kischinew, sowie deren Verwandten, ihr Beileid aus. Sie gibt ihrer Bewunderung für alle diejenigen Ausdruck, die ohne Rücksicht auf Glauben und Nationalität bei der Vertheidigung der hilflosen jiidi- TT