Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 53 (6.7.1903)
- Date
- 1903-07-06
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Da erblickten die Juden den Befehlshaber der Citadelle, Bertrand de Mercy, hoch zu Rosse, umgeben von seinen Knechten. Er stutzte, als er die bewaffneten Jünglinge bemerkte. Er befahl ihnen, die Waffen auszuliefern. Aber David ben Sebulon verlangte, daß sie die Waffen behalten dürften, bis sie zur Citadelle gekommen. Der Ritter gewährte es. Dann setzte der Zug sich in Bewegung. Durch die schweigenden Straßen schritten die gehetzten Juden dahin, bei jedem Geräusch scheu zusammenschreckend. Unheimlich hallten die Hufen der Pferde auf dem schlechten Pflaster der Gassen. Endlich gelangten sie zur Citadelle. Wie David es erwartet hatte, ließ Ritter Bertrand den größten Theil der Knechte zurück. Was war auch von den Juden zu fürchten? Doch als er eben David und seine Schaar nochmals aufsorderte, die Waffen niederzulegen, da überfielen sie ihn und machten ihn sammt seinen wenigen Knechten nach kurzem Kampfe wehrlos. Gebunden lagen sie knirschend am Boden. David und die Seinen waren Herren der Citadelle Jorks. XIII. Eine Citadelle ist eine kleine Festung für sich. Meist liegt sie innerhalb einer größeren oder bildet selbst einen Theil ihrer Umwallung. Rach dem Verlust der übrigen Umwallung ' soll sie die sich zurückziehende Besatzung aufnehmen und den Angreifer zu einer neuen Belagerung nöthigen. Zuweilen haben Citadellen auch den Zweck, die eigene zu Aufruhr geneigte Stadtbevölkerung in Gehorsam zu erhalten. Beide Rücksichten erfordern zwischen der Citadelle und der Stadt einen ebenen und völlig unbebauten Raum, die Esplanade, die der Citadelle auch nach dieser Seite freies Schußfeld gewährt. Die Esplanade ist von der Stadt durch Wall und Verschanzung getrennt. In jener Zeit bestand eine Citadelle außer der Esplanade im wesentlichen aus einer gewaltigen Burg mit Graben und Zugbrücke. Sie konnte selbst gegen weit zahlreichere Feinde wohl vertheidigt werden. Mit -wüstem Kopfe wachten am folgenden Tage die Christen Jorks auf. Sie hatten nur wirre Vorstellungen von den Ereignissen der vergangenen Nacht. Ihre Glieder waren zerschlagen, sie waren kn übelster Laune. An ihre Arbeit zu gehen, hatten sie nicht die mindeste Lust. Sie waren matt und müde. Mißmuthig stellten sie sich an die Thüren ihrer Hauser, begrüßten einander und begannen vom gestrigen Tage zu reden. Da fanden sie denn bald, daß für heute derselbe Grund zur Aufregung vorhanden war, wie für gestern, daß ja die Juden ihre Strafe noch nicht erhalten hatten, die sie für ihre Ruchlosigkeit verdienten. Eben waren sie im Begriffe, diese Gedanken weiter zu spinnen, als im rasenden Galopp der Ritter Bertrand de Mercy mit seinen Kriegsknechten herangesprengt kam. Sein Gesicht war furchtbar entstellt. Schaumend vor Wuth ließ er die Trommeln schlagen, daß alle Bürger zusammenströmten und sich um ihn versammelten. Darauf theilte er ihnen mit. daß die Juden in der vergangenen Nacht auf hinterlistige Weise sich der Citadelle bemächtigt, und ihn selbst sammt' seinen Knechten erst gefesselt und dann voll Hohn weggejagt hätten. Sprachlos vor Erstaunen hörten sie ihn an. Es schien ihnen unglaublich. Unwillkürlich wandte sich ihr Blick zum Judenviertel und siehe, die Thore standen weit offen. (Fortsetzung folgt.) Freitag, 10. Juli. 15. Thamus. Sabbat-Anfang in Mainz u. Frankfurt n. M. 8 Ubc Ov 2Jlin% Samstag, 11. Juli. 16. Thamus, 1 n,pba Sabbat-Ausgang in Mainz und in Frankfurt a. M. 9 Uhr 30 Min. — Berlin 9 Uhr 25 Wir. — München 9 Uhr 02 Min. — Hannover 9 Uhr 35 Min. — Stuttgart 9 Uhr 16 Min.—Prag 9 Uhr 00 Min. — Straßburg 9 Uhr 20 Mur. — Posen 9 Uhr 13 Min. - Stettin 9 Uhr 30 Min. Sonntag, 12. Juli. 17. Thamus. W (Nacht wie gestern.) Der ..JSraelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Bonnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Der Buchhandel verkehrt durch V. yf. Skeiuacker, Leipzig, Roßplahjö. — Inserate 25 Pfennig die vtergespaüene Nonpareillezeile oder deren Raum. Preis der Zelle im Reclameihell 75 Pfennig. — Directe Franeozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 16 Kronen österr., für'S Ausland 16 Mark, an die Expedition franco einsenden. Postzeitungsliste 3932. Telephon 1015. Stellesuchende und sonstige Interessenten können auf Wunsch dre jeden Dienstag und Freitag erscheinende Kleine AuSgabe deS Jöraelit" vier Wochen lang gratis und franco erhalten. Wünscht man den Empfang der „Kleinen Ausgabe" längere Zeit, so kann man sich für 25 Pfennige daS Vierteljahr, indeß ausschließlich bei der Post auf dieselbe unter Nr. 3933 abonmren. 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