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Der Israelit · 1903-07-06 · Heft 53 (6.7.1903) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 53 (6.7.1903)
Date
1903-07-06
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1111 Ke uilletott. Aerusalem. WLftovLfche Nv;ahlung von Zsaae Breuer—Frankfurt a. M. Er versprach dem Juden David, sie alle in die Citadelle aufzunehmen und sie vor. dem Pöbel zu schirmen, wenn sie im Tausend Goldgulden gewährten. David ben Sebulon sagte ihm dies zu. Der Befehlshaber rieb sich vergnügt 'die Hände, denn alles ging nach Wunsch. Aber David ben Sebulon rechnete darauf, daß nach Aufnahme der zahlreichen Juden nur noch wenig Kriegsknechte in der Citadelle Platz hatten. War er erst einmal mit seiner Schaar dort, dann wollte er die Kriegsknechte wehrlos machen und die Citadelle beherrschen. Vielleicht konnte er sich in dem befestigten Platze halten, bis der Pöbel sich beruhigte oder Rabbi Nathan mit Rettung zurückkehrte. So harrte er der kommenden Ereignisse. Da kam der Tag, wo vorm Judenthor der entstellte Leichnam sich zeigte, wo die ganze Stadt vom Wuthgeschrei des rasenden Pöbels erbebte. Angstvoll blickten seine Brüder zu ihm auf und flehten ihn um Rath. Er aber sandte einen verkleideten Voten über den Fluß zum Befehlshaber und ließ ihm mittheilen, die Zeit sei gekommen. Um Mitternacht solle er mit seinen Knechten am Judenthor sein, um ihren Weg zu beschützen. Aber schwerlich mochten die Knechte dem Andrange des wüthenden Pöbels standhalten, mit km sie selbst sich eins wußten. Deßhalb ließ er überall auf die Gassen große Metfässer stellen und vertraute ihrer Wirkung. Seinen Brüdern theilte er seinen Plan mit. Die älteren Juden waren sprachlos vor Erstaunen. Nach einer Pause begann endlich der zweite Vorsteher: „Aber das ist ja List und Gewalt?" Da flammte es fürchterlich im Auge David ben Sebulon's empor, seine Nasenflügel zitterten vor glühendem Zorne, und mit bebender Stimme schrie er: „Und wie nennt sich, was sie uns thun? Jst's Gewalt? Jst's List? Gibt's einen Namen für die böllischen Qualen, die täglich sie uns anfügen? O, dreimal verflucht die Verhaßten, die das stolze Volk der Juden zu knechtischer List nun zwingen!" Die Jünglinge stimmten ihm bei. Der Plan wurde gutgeheißen. David ben Sebulon ordnete an, daß sie alle kurz vor Mitternacht in der Synagoge sich versammeln sollten. Sie trennten sich. Jeder ging in sein Haus. Von draußen schallte der tosende Jubel des zechenden Volkes. Sie aber packten unter bitteren Thränen ihre werthvolle Habe zusammen. Ihr heiligen Bücher legten sie gesondert, gesondert ihre Schätze. Unter banger Sorge schnürten.sie ihre Bündel. Einer düsteren Zukunft gingM sie entgegen. Ihre unmündigen Kinder' , umstanden sie und freuten sich, als sie hörten, daß sie in später Nacht zur Zitadelle ziehen sollten. Mit lachendem Munde schauten sie auf ihre Mütter. Die lachten schmerzlich zuckend mit ihnen und trugen den Tod im Busen. Ihnen waren die Stätten, die sie nun verließen, durch Leiden theuer geworden. Aber es mußte fein. Nur so noch ein Schimmer von Rettung. Der Tag verging und die Nacht sank herab. Sie vernahmen die Glockenklcmge und rauschenden Orgeltöne und ihr Herz erbebte dabei. Sie nahmen traurigen Abschied von ihren öden Hausern. Und nun strömten sie zum Gotteshause, die armen, armen Juden: Da kamen sie heran, die leidengefurchten Männer, mit Bündeln und Kisten beladen, und sie, die Mütter, mit thränendem Auge und trugen im Arme die Säuglinge. Jünglinge, Knaben, Jungfrauen, alle versammelten sich zur festgesetzten Stunde. Unter ihnen erschien auch David ben Sebulon und hatte sein Kind im Arme. Sie gingen in die heilige Stätte. Zum letzten Male verrichteten sie hier das gemeinsame Abengebet. Als es zu Ende war, da traten die Vorsteher zur Lade und entnahmen ihr alle Rollen. Sie sangen dabei die heil. Gesänge, wie es geboten ist: „Erhebe Dich, Gott, daß wild zerstieben alle Deine Feinde, daß rasch vor Deinem Angesicht entfliehen Deine Hasser. Denn von Zion geht die Lehre ans und das Wort des Herrn von Jeruschalim." Siebenmal zogen sie dann mit den Rollen herum und nun sollten sie aufbrechen. ' [ Da entstand im entscheidenden Augenblick tiefe Stille im Raume. Heißer Schmerz zuckte ihnen allen in der Brust. Ihr Fuß zögerte den Gang zu gehen. Ihr Auge wurde feucht und wie von einem Gefühle beseelt öffneten sie plötzlich den Mund und sehnsnchtswild I erscholl der Ruf durch's weite Gotteshaus: „Leschonoh '! haboh bijruscholayim, leschonoh haboh bijruscholayim." j Dann küßten sie alle die heiligen Wände und j schritten hinaus. Der Vorsteher verschloß den Einj gang und nahm den Schlüssel zu sich. In langem! Zuge zogen sie zum Thore hin. Hier stellten sie sich j auf. Greise, Weiber, Kinder traten in die Mitte. i Die Männer umgaben sie. Zu äußerst stellte sich Da- , vid ben Sebulon mit seinen Jünglingen, das Schwert j an ihrer Seite. Noch fehlte ein wenig bis Mitternacht. Sie warteten und sprachen kein Wort. . Da ertönte Pferdegetrappel und näherte sich dem Thore. Mitternacht war da und gleichzeitig wurde an's Thor gepocht. Die vorderst Stehenden " öffneten.' { Die Thore, die so lange verschlossen gewesen, thaten j sich auf. '

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