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Der Israelit · 1903-07-06 · Heft 53 (6.7.1903) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 53 (6.7.1903)
Date
1903-07-06
Page
– (sequence 6)
Language
German
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fung gemäß sprach der in Vorschlag gebrachte Rabbiner eine ungarische und eine deutsche Predigt in den Phonographen, worauf der Apparat nach seinem Bestimmungsorte' gesendet wurde. In Chicago gefielen die beiden vom Phonographen getreulich reproduzirten Kanzelreden so gut. daß Herr M. Fischer sofort mit beträchtlichem Jahresgehält zum Prediger erwählt wurde. (Hm! Hm! Red.) Szegedin. (Eine Ueberraschung bei ber Stauung.) In Szegedin ist vor einigen Tagen der neuerbaute Tempel eingeweihi worden. Bald darauf fand in demselben eine Trauung statt, bei welcher dem Brautpaar eine große Ueberraschung zu Theil wurde. Nachdem der Oberrabbiner die Trauungszeremonie beendet hatte, trat der Gemeindenotar vor das Brautpaar und richtete an dasselbe die ungewöhnliche Aufforderung, ihm in die Gemeindekanzlei zu folgen. Dort angelangt, hielt der Notar an das Brautpaar eine Ansprache, die er damit schloß, daß er demselben 1000 Kronen in blanken Goldstücken einhändigte. Ein Menschenfreund hatte den Betrag schon vor längerer Zeit mit der Bestimmung deponirt, daß das Geld dem Brautpaare aus der ärmeren Klaffe eingehändigt werde, welches als erstes in dem neuen Tempel getraut wird. Man kann sich denken, wie angenehm die Ueberraschung für die armen Leute war. ' Rußland. Kischinew. Wie die offziellen „Vessarabskija ^Aubernskija Wjedomosti" melden, wurde der Polizeikommissär von Kischinew, Kosakenoffizier Manschenkow, seines Amtes enthoben und durch den Polizeichef von Chotin, Vronikowski, ersetzt. Die Leitung des Gouvernements Bessarabien aber hat der bisherige Vice-Gouverneur von Kischinew, W. Ustregow, übernommen, der während der Maffacres in der Stadt anwesend und ständiger Mitarbeiter des bekannten „Bessarabetz" war. Amerika. Nelvyork. Kischinew wird den Russen noch manche böse Stunde bereiten. Zunächst hat es ihnen eine Zwistigkeit mit Amerika eingebracht, die einige Spannung zwischen beiden Staaten hervorzurufen droht. Als die öffentliche Meinung in den Bereinigten Staaten in laute Entrüstung über die schauderhaften Morde ausbrach, da suchte die russische Politik den Sturm des Unwillens zu beruhigen, indem der Botschafter in Washington, Graf Cassini, die Vorgänge in Kischinew „erklärte". Es ist pikant, daß der russische Autokratismus sich bemühen mußte, die Volksstimmung der demokratischen Republik zu gewinnen — in diesem Falle freilich erfolglos. Im Gegentheil, die Schritte des russischen Botschafters, erreichten, daß Präsident Noosevelt sich schließlich bereit finden ließ, ‘ Petitionen jüdischer Bürger der Vereinigten Staaten der russischen Regierung zuzustellen und sie persönlich zu befürworten. Soweit hat sich die Angelegenheit bis jetzt entwickelt; die Petitionen selbst sind noch nicht abgesandt worden, denn sie sind noch nicht fertiggestellt. Inzwischen aber beschießen sich Rußland'und Amerika mit halbamtlichen Enuuziationen. Dieser Tage erklärte man in Petersburg halbamtlich, Rußland werde einen Versuch der Einmischung in feine Angelegenheiten abzuwehren wissen. Darauf hat, wie aus Newyock gemeldet wird, die Regierung in Washington ebenfalls halbamtlich geantwortet, die Petitionen würden trotzdem abgesandt werden, und die Bundesregierung — bisher trat nun Roosevelt handelnd auf — werde dabei ihrem Abscheu vor den Kischinewer Vorgängen Ausdruck^ geben. Das kann sie nur freilich, ohne die russische Regierung zu beleidigen. Denn diese ist doch für Kischinew nicht etwa verantwortlich? Sie bedauert ja die Greuel selbst von ganzem Herzen und theilt den amerikanischen Abscheu davor gewiß! Vorderhand ist noch kein Anlaß da, den Abbruch der Beziehungen zwischen den beiden großen Mächten deshalb zu erwarten — umsoweniger, als heute offen zugestanden wird, daß die Amerikaner mit den jüdischen " Petitionen Rußland gleichzeitig wegen seiner Hartnäckigkeit in der Mandschureifrage ärgern wollen. Diese Verbindung von Humanität und praktischer Pölitik wird nicht nach jedermanns Geschmack sein. Aber freuen kann man sich doch, daß irgendwo auf der Erde kräftig ausgedrückt wird, was alle denken. Europäische Staaten durften sich diesen Luxus allerdings nicht erlauben. — 3. Juli. Nachdem Rußland halbamtlich erklärt hat. daß es Petitionen wegen der Greuel in Kischinew nicht entgegennehme, erwidert das Staatsdepartement halbamtlich, daß solche Auslassungen es nicht davon abhalten würden, die Petitionen abzusenden, sobald sie zur Ueberreichung bereit seien. Die Bundesregierung werde nicht zögern, ihrem und aller Amerikaner Abscheu vor den Kischinewer Vorgängen Ausdruck zu geben. Diese Auslassung des Staatsdepartements wird soeben ostentativ durch die „associierie Presse" verbreitet, welche als Begründung für die ' Nichtachtung der russischen halbamtlichen Aeußerungen auf die Rücksichtslosigkeit Rußlands in der Mandschureifrage anspielt. Die Situation ist einigermaßen gespannt. vermischtes. Berlin. Der am 3. April d. I. in der Philbarmonie verunglückte Rentier Hermann Abraham, welcher sich nunmehr 12 Wochen in der chirurgischen AbtheilnngHer königlichen Universitäts-Klinik befindet, mußte sich dieser Tage einer schweren Operation, welche durch Excellenz Bergmann ausgesührt wrrrde, unterziehen. Man hofft, daß mit Ende Juli der Patient die Klinik verlassen kann, um in einem Kurort die weitere Heilung seiner schweren Leiden zn suchen. . / ' i Uly* jv

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