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Der Israelit · 1903-07-06 · Heft 53 (6.7.1903) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 53 (6.7.1903)
Date
1903-07-06
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Tage nacheinander arbeiten, ohne zu ruhen?) Nichts, was mit dem Sabbat sich vergleichen ließe, schreibt der große französische Denker Proudhon in seiner Abhandlung über den Sabbat, wurde vor und nach dem Gesetzgeber des Sinai unter den Menschen erdacht und ausgefüljrtr Auf sieben Sterne blickten die alten Seefahrer hin, wenn sie die Meereswege durchfurchten,-und durch ihre Führung entdeckten sie früher unbekannte Länder. Blicken auch wir hin auf die Institution des ’ynrn et und eine neue Welt wird uns aufgehen, wir werden im Judenthum Fundgruben unergründlicher Weisheit entdecken, wie sie reicher nicht gedacht werden können. „Wer den Sabbat beobachtet — heißt es im Midrasch — wird so angesehen, als hätte er ihn selbst eingesetzt 's -."v) rr^n rx rvrj rern rx icrcr -c xswi) Und wahrlich, wer den Sabbat heiligt, dem wird diese Institution wie die meisten Satzungen des Judenthums so Vernunft- und naturgemäß erscheinen, als hatte er sie aus seinem eigenen Innern geschöpft, der wird . zur Erkenntniß gelangen, daß. wie dies die größten Autoritäten anerkennen, die Thora durch den Sabbat, dem natürlichen Rvthmus der physischen Arbeit, die angemessene Länge eingeräumt hat?) da ja die Wahl des Siebentages eine so überaus glückliche ist, daß jeder Versuch der Abänderung der Siebenzahl in eine andere, als unerträglich und unbrauchbar verworfen wurde. Wer wollte da nicht wie ehedem mit sechsfachem TekiarufeH am Freitag Nachmittag vor Beginn des Sabbats Alle, Alle zusammenschaaren, um die alte, glorreiche Fahne, um das ruhmbedeckte Banner des Judenthums? . Doch wenn auch jene sechs Tekiarufe nicht an unser -Ohr dringen, sechs Psalmen des königlichen Sängers sind es, die den Einzug des Sabbats in einer Weise verkünden, wie sie schöner und herrlicher nicht gedacht werden kann.! ruro asb» Wer wollte nicht jubeln, wessen Herz wollte Gott nicht preisen bei dem Gedanken, daß wie dort oben der Mond an jedem siebenten Tage in eine neue Phase eintritt.'so auch der Jude, ganz der Natur entsprechend, an jedem siebenten Tage in eine neue Phase seines Lebens eintritt zu neuem Leben und zu neuem Streben, das Licht jener Sonne verbreitend, die am Sinai ist aufgegangen. „Zündest du die Sabbatlichter an — läßt ein Wort der Weisen Gott sprechen — so werde ich dir die Lichter Zions zeigen." rer bv n'",i rr.zv ex rrspn -ex P'X bv nm *]S nxio ';x. Leuchtete doch in Zion die Fackel der Freiheit und Gleichheit — und Freiheit, Gleichheit, Oberherrschaft der Religion und der Gesetze 2) Sla. Schmidt: „Pariser" Zustande während der Revolutionszeit von 1789—1800". m., S. 247. 3) Häfsding, „Ethik". S. 316. 4) m "V N"v - . setzt nach Proudhon die sabbatliche Institution voraus, - deren mittelbaren und unmittelbaren Folgen nach den Worten dieses gefeierten Denkers hochentwickelte Ver-! gesellschaftung, vollkommene Moralität, körperliche und - geistige Gesundheit, beständige Glückseligkeit waren. \ Wer wollte den moralischen Werth der Sabbat- ■) feier wohl leugnen? Als die Dämone in's Dasein gerufen werden sollten — heißt es im Midrasch^) — trat der Sabbat ein und sie wurden nicht erschaffen — oder mit anderen - Worten, der Sabbat ist's, der dem Juden zu Bewußtsein führen will, daß er etwas mehr ist, als eine leblose, nur zum Arbeiten bestimmte Maschine, und ihn davor bewahrt, daß er nicht herabsinke zu einem Dämon in Menschengestalt, zum verkörperten Dämon des Egoismus, der Habsucht, der Geldgier und der Rücksichtslosigkeit gegen Menschen und Thiere, denen, was auch ökonomisch vortheilhaft erscheint, die Thora gleichfalls die Sabbatruhe gönnt. Die Verkaufung Josef's bei Dothon, wo noch heute Karawanen ismaelitischer Gewürzhändler vorüber- Ziehen, ganz so wie es uns die Thora berichtet, soll nach einem Worte altjüdischer Weisheit durch die Sabbatheiligung gesühnt werden^) — d. h. der Sabbat soll uns vor jenem Krämergeist bewahren, der uns oft das Heiligste und Theuerste um schnöden Gewinn verkaufen und preisgeben läßt. Der ägyptischen Unkeuschheit, von der uns die Bibel berichtet und die noch heute namentlich in Kairo herrscht), soll Josef am Sabbat siegreich begegnet sein, et rwb yav» xr: (’;rx-i c*pb') ->rt rer. Der Sabbat ist's, der uns zur höchsten Tugend und Sittlichkeit führen, will. „Selbst im Gehinnom herrscht am Sabbat Ruhe^) — der Sabbat ist's, der uns befreit aus der Hölle des Materialismus. Und wenn Proudhon zu den Folgen der Sabbatheiligung auch körperliche und geistige Gesundheit rechnet, so müssen wir ihm auch hierin beipflichten „Gott gab dem Kain ein Zeichen." Dies wird von Manchen dahin erklärt, Gott habe ihm den Sabbat gegeben, weil es heißt: „Zwischen mir und zwischen den Söhnen Israels sei er ein Zeichen."") Auch in unserer Mitte gibt es viele Kains, Unzählige, die wie Kain y; ruhelos und unstät die ihnen zugemessene Spanne ihres Lebens verbringen. Diese krankhafte, nervöse Unruhe, die unsere Zeit .mit .Kain gemein hat, läßt sich am Wirksamsten durch die Heilighaltung des Sabbats bekämpfen. „Denn die Folgen des unausgesetzten Schaffens" — so lesen wir in dem Vortrage 5) Ber. Rabba zu Cap. 1„ 5?. 25. 0) 'jCv meo j*.y mm rer 7) Burckhardt. arab. Sprichwörter. S. 223. 227. 8) -2'? -j-, rin --T) n:.TJ2' ryr-v? nr.«a m* xvi ret* 9) t:e2 Sya rer x'' n‘x ppS »n arT n*o. 44tfc

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