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Der Israelit · 1903-07-06 · Heft 53 (6.7.1903) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 53 (6.7.1903)
Date
1903-07-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
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V/' : Ein ■ H- V. Gentrat-Hrgan für das orthodoxe Judentum. Begründet von - Kr. Wefym&nn in Mo «tag, den 11. Tharnus 5663 6. Juli 1903.! C<S< Der Sabbat. -DS- | ■■ Von Dr. Raphael Gugerrheimer, Rabbiner in Kolin. Einst, so wird erzählt/) irrte ein Wanderer in der Wüste hilflos umher und war nahe daran, den Qualen des Hungers und des Durstes zu erliegen. Da erblickte er eine sprudelnde Quelle, an der Dattelbäume gepflanzt waren. Raschen Schrittes eilte er dorthin, i erquickte sich an dem Wasser und labte sich an den i Früchten. Neugestärkt blickte er dankbar auf und sprach: „0 Baum, was soll ich dir nun wünschen? j; Soll ich dir wünschen, daß deine Frucht süß werde? Ich brauche es dir nicht zu wünschen, sind doch bereits süß deine Früchte. Soll ich dir etwa wünschen, daß labend dein . Schatten und erquickend deine Quelle werde? Ich brauche es dir nicht zu wünschen. Ist doch jj schon labend dein Schatten und erquickend deine Quelle. Was soll ich dir nun wünschen? Ich wünsche dir, daß deine Schößlinge, verpflanzt an anderen Orten, ebenso gesegnet dastehen mögen wie du." j; Wie heißt der Baum? Wie heißt wohl der Wanj| derer, dessen Gespräch der Midrasch in der ihm eigenen, so überaus anziehenden Weise wiedergibt? Der Wanderer, so dünkt uns, heißt Israel. Und der Baum? rr'.n rmn. Es ist der Baum, gepflanzt an Sinai's Tristen, der Baum der Gotieslehre, unter dem der Wanderer, das wandernde Israel, auf seinen Wanderungen durch die Wüste der Völker, Schutz und Erholung gefunden, unter dein es sich gelabt und gestärkt, unter dem es gestillt seinen Durst und seinen Hunger nach Wahrheit und Erkenntniß. Was sollen wir wünschen diesem Baume? Sollen wir - ihm etwa wünschen, daß süß werde seine Frucht, daß ' 1) Midr. r. 1. M. 60.6L sie sich immer mehr und mehr veredle? O wir brauchen es nicht zu wünschen, denn auf dem Gebiete der Gotteslehre gibt es keinen Fortschritt, weil sie selbst die höchste, die oberste Staffel auf der Stufenleiter der Cultur und des Fortschrittes ist. Oder sollten wir etwa dem Baume des Lebens, dem Baume der Gotteslehre wünschen. daß erquickend sein Schatten sei? War er nicht zu allen Zeiten erquickend, bereitete der Ez Chajim nicht zu allen Zeiten, besonders an Sabbaten und Festtagen, seinen kühlenden Schatten aus über den während der Werktage dem Thiere der Wildniß gleich gehetzten, verfolgten und gequälten Juden? Oder müßten wir jenem Baume etwa wünschen, daß kühlend sein Schatten sei, .daß nicht glühender. Fanatismus die Bekenner der Gotteslehre erfülle, der Gotteslehre, die Liebe und nur Liebe athmei? Oder sollten wir dem Ez Chajim etwa wünschen, daß labend und erquickend sei der Quell, der ihn umfließt? Wahrlich wir brauchen es nicht zu wünschen. Ist sie doch ein Quell, die Thora, aus der die Völker der Erde schöpfen und noch weiter schöpfen werden, die Lehren der Wahrheit, der Milde, der Tugend und des Erbarmens. . Nur eines wollen wir dem Baume des Lebens wünschen, daß seine Schößlinge, verpflanzt an anderen Orten, auch so gesegnet dastehen mögen, wie er, oder mit anderen Worten, daß die Ideen, die Anschauungen des Judenthums, auch außerhalb des jüdischen Volkes immer mehr Wurzel.fassen, immer mehr und mehr zur Anerkennung gelangen mögen. Und dieser Wunsch hat sich theilweise bereits verwirklicht. Wurde doch während der französischen Revolution der Versuch gemacht, den siebenten durch einen zehnten Ruhetag zu ersetzen, den siebentägigen Rythmus durch einen zehntägigen, die Woche durch die Dekade ablösen zu lassen, weil man dieselbe als rationeller betrachtete. Dieser Versuch ist jedoch aus verschiedenen Gründen gescheitert und auch die Frauen der Vorstadt St. Marcel erklärten, ein Arbeiter könne keine neun > >.»«»» jyn

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