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Der Israelit · 1903-07-02 · Heft 52 (2.7.1903) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 52 (2.7.1903)
Date
1903-07-02
Page
– (sequence 2)
Language
German
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lindern, davon 175, deren Ettern zur großen Gemeinde gehören. Die große Gemeinde läßt sich also von den Vereinen und Körperschaften 7000 Synagogenplatze — annähernd soviel, wie sie selbst in ihren Synagogen hat — und den Unterricht für 1600 Schulkinder . stellen. Der Etat dieser Vereine beträgt Mk. 119,200, hierzu kommt noch derjenige der Synagoge an der Potsdamer-Brücke und der sich auf Mk. 55,000 belaufende Etat der Adaß Jisroel-Gemeinde, im Ganzen mehr als Mk. 200,000. Jene 16 Vereine erhalten zusammen eine Subvention von Mk. 27,000 von der großen Gemeinde, die Reformgemeinde eine solche von mehr als 20,000 Mk. Referent behandelt dann die Klage der Schulinspektoren, daß die Kinder zu viel Hebräisch (I) und zu wenig jüdische Ethik lernten; er ist der Ansicht, daß die Kinder möglichst gut und möglichst bald hebräisch lernen sollten, und weist auf die Schulbücher in den Schulen und Bibliotheken der jüdischen Gemeinde bin; hier befinde sich manches, was gerade nicht jüdische Ethik wäre. Als Beispiel führt er das Bibliotheksbuch Nr. 29 „Buch für Mädchen", von Agnes Franz, der jüdischen Mädchenschule an, dasselbe enthalte ein Gedicht „Christröslein", ein Prosastück „Friede sei mit Euch", in welchem die „Charfreitagsstimmung" geschildert werde, ferner ein siebzehnseitiges Gedicht „Der Ehristbaum" oder „Gehet hin und thuet dergleichen". Herr Behr erwähnte dann einen Antrag (den .m bereits begraben glaubte, der aber wieder an's Tageslicht gebracht zu sein scheint), worin man beabsichtigt, die Subventionen an die Privat-Synagogen-Vereine in einem bestimmten Verhältniß zur Steuerleistung der Mitglieder an die Hauptgemeinde sestzulegen, was einer Vergewaltigung der kleineren Vereine gleich käme. Es sei doch klar, daß die ärmeren Gemeinden eine größere Subvention erhalten müßten, als die reichen, eine Bemessung der Subvention nach der Steuer sei unhaltbar. Die Absicht, diese Privat-Schulen und Andachtsstätten durch die große Gemeinde übernehmen zu lassen, sei nur durchführbar, wenn die Gewähr dafür geleistet würde, daß der traditionelle Geist in keiner Weise verletzt würde. Er zeigt dann auch, wie hinsichtlich der Pflege der Milah nnd der Liebesdienste in allen Kreisen von Mensch zu Mensch die Vereine ihre Aufgabe voll erfüllt haben, und appellirt an den Gerechiigkeitssu-? der Gemeindeverwaltung, daß sie sich in Anerkennung der Nothwendigkeit der Leistungen der Vereine nicht weiter sträube, denselben auch die materielle Stütze zu geben. „Nicht der Gedanke kleinlicher Trennungssucht, sondern das ehrliche Bestreben, Hüter und Pfleger des von jedem assimilirenden Schematismus freien traditionellen Judentbums zu sein, sei in den Privat-Vereinen verkörpert." Nachdem der Referent bereits an einer Stelle seines Vortrages darauf hingewiesen hatte, daß die jüngere Generation, dank der werbenden Kraft des Zionismus, weit weniger indifferent und indolent sei, als die ältere, und ihr Judenthum nicht mehr verleugnen wolle, schloß er mit der Aufforderung, rüstig an die Arbeit zu gehen, um den Geist zu bekämpfen, der hinausführt aus dem Judenthnm, damit es gelinge, vor allem in den Kindern wieder Liebe zu den Traditionen unserer Religion und unseres Volkes zu erwecken. Die von glühender Liebe zur jüdischen Sache getragenen Ausführungen wurden durch reichen Beifall der zahlreich erschienenen Versammlung belohnt. In der Diskussion verlangte Herr Klausner, daß die große Gemeinde in Bezirke getheilt werden sollte, und daß die Privat-Vereine mit ihrem Ritus die Träger dieser Bezirke sein sollten, sodaß jene Leute, die die Lage in den Privat-Vereinen kennen, dazu berufen würden, die Führer der Bezirke zu werden: Klausner suchte dann die Unzufriedenheit des Mferenten mit den Gemeinde-Institutionen zu deuten als eine Unzufriedenheit mit der Gemeinde-Repräsentanz, vor allen mit den Führern des Zentralvereins, welche ihr den Wählern gegebenes Wort nicht einlösten. Herr Heimannsohn benutzte ein altes Wahlflugblatt, um gegen den liberalen Verein etwas zu polemisiren, während Herr Weinberg den Zentralverein in Schutz nahm. Herr Dr. Klee führte aus, daß der Zentralverein allerdings seiner Zeit Gutes für die Gemeinde geleistet habe, seit längerer Zeit aber völlig stagnire, weil ihm vielfach die geeigneten Persönlichkeiten zu fehlen scheinen. Alles, was frisch und lebendig jüdisch fühle, müsse sich in Berlin zu einem Kartell vereinen, um bei der nächsten Wahl Männer in die Rathsstube der Gemeinde zu senden, die mit treuer Anhänglichkeit an das historische Judenthum und an seine Institutionen Verständniß für die großen Gegenwartsaufgaben des jüdischen Volkes zu paaren wüßten. Nach einstimmiger Annahme einer Reihe von Resolutionen schloß die Versammlung. Bei der am 25. Juni stattgehabten zweiten General-Versammlung des „Verbandes der Synagogen- Vereine von Berlin und den Vororten" betonte der Vorsitzende. Herr L e w i n s k i. daß der Verband auch im lktztverflossenen Jahre in sich erstarkt sei durch den Beitritt von drei Vereinen, und ein weiterer Verein sei bisher lediglich aus formalen Gründen nicht beigetreten, während er prinzipiell zum Verbände halte. Auch sei das Ansehen des Verbandes nach außen erstarkt, und er sei in der Lage gewesen, durch ihn, den Vorsitzenden, den Standpunkt der Synagogen-Vereine in der Subventionskommiffion vertreten zu lassen. Durch öffentliche Versammlungen sei der Verband auch mit dm Gemeinde-Mitgliedern in Fühlung geblieben; in der einen sprach Herr Redakteur Dr. Moses über „So- 4 ■ - ' 1 . . i

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