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Der Israelit · 1903-06-29 · Heft 51 (29.6.1903) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 51 (29.6.1903)
Date
1903-06-29
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1130 Häuschen sind hergestellt aus Steinen, welche das Land bedecken und welche nicht behauen zu werden Stauchen, da die Phönizier, ihre im Orte ganz unbekannten Vorfahren, sich diese Mühe für ihre Nachkommen schon gegeben haben. Ich versuchte darauf. Ihnen dieses Gewirr der engen Straßen zu beschreiben, an'gefüllt fast bei jedem Schritte von Gewölben, die Hauser tragen, welche Wie in der Luft schweben und wo es — ohne irgend welche Uebertreibung — bei hellemMittag finster ist. Ich habe die ältesten Viertel von Jerusalem und Damaskus besucht, da habe ich aber nichts gesehen, was diesem verwüsteten Anblick ähnlich wäre, wie in Saida, einer kleinen Stadt, die den Reisenden fast unbekannt ist und wohin die moderne Zivilisation noch nicht gedrungen ist. Eine dieser düsteren kleinen Gassen führt durch ein kleines, enges und niedriges Thor in das israelitische Stadtviertel. Gehen wir durch dieses Thor, so sind wir im G h e t t o. Stellen Se sich einen langen, engen und fast dunklen Hof, einen möglichst krummen Gang vor, dessen größte Breite nicht an allen Stellen 2 Meter beträgt. Rechts und links stehen Häuser mit zwei oder drei Stockwerken oder eher mit in der Mauer angebrachten Zellen, welche nur von dem engen Durchgang her, der die Straße bildet, ein wenig mattes Licht erhält. Ich habe mich mehr als einmal während meiner Besuche im israelitischen SKrd'tvi'ertel gefragt, ob man sich in Europa, um Galeerensträflinge unterzubringen, mit einem solch' schrecklichen Gefängnis begnügen würde, wo das Elend hier Tausende unserer Glaubensgenossen einschließt. Wenn eine passend eingerichtete Schule einige Minuten entfernt, an der Grenze jener so schönen, die Stadt umgebenden Gärten, einige jüdische Familien zum Wegzug aus dem Ghetto bewegen könnte, welchen Dienst würde sie nicht dadurch der jüdischen Bevölkerung erweisen, da diese Einschließung nicht wenig zur Demüthigung und zur Entmutigung beiträgt. Aber setzen wir unseren Gang wÄter fort in dieser einzigen Straße, die nicht einmal gepflastert ist. Die Unglücklichen, welche sie bewahren, verlangen vergebens, daß man ihnen die Erlaubniß dazu giebt, diese lange Straße, welche wie der Hof eines ihnen gehörigen Hauses ist, auf eigene Kosten pflastern zu lassen; die Behörden geben es nicht zu. Ganz im Hintergründe kommen Wir endlich zu einem kleinen Platz von ungefähr 160 bis 200 Quadratmeter. wohin die hellen Sonnenstrahlen durchdringen können und wo man ein wenig frei athmen kann. Auf diesem Platze befinden sich die Synagoge und ganz im Hintergründe die Ta'lMud-Thoea-Schule. Die beiden kleinen Zimmer, welche die Kinder der Gemeinde vor Wind und Weiter schützen, sind verhältnismäßig gut gelegen und erhalten durch die kleinen, in der engen Mauer angebrachten Fenster ein wenig Licht. Aber welch ein trostloser Anblick bei diesem Hellen Lichte. In jedem dieser kleinen ziemlich schmutzigen Räume sitzen ungefähr 40 Kinder im Mer von 2, 3 bis 10 Jahren auf dem Boden, um einen Rabbiner geschart. %tt erste, den wir sehen, ist ein mehr als 80jahriger Greis, welcher alle Lc-kden der Welt erduldet. Als wir uns nahem, erhebt er sich; ich gebe mir Mühe, ihm Liese Anstrengung zu ersparen. Ich frage ihn, wie alt er ist. 82 Jahre, antwortet er mir schüchtern. Und er arbeitet noch, der arme Alte; die Eltern zögern nicht, ihm den Unterricht ihrer Kinder anzuvertrauen! Ihn könnte man nicht beschuldigen, seine Kräfte während seiner JugeUd verbraucht zu haben. Feuilleton. Äerusalem. Wistavifche Vv;Ltzlurry von Jsaae Breuer—Frankfurt a. M. 17] „Gesegnet sei Dem heiliges Volk," rief er voll Begeisterung, „an Euch hat Großes der Herr gethan! Ja. ich fühle es. daß kommen wird die Zeit, da gleich mir auch alle Menschen zu Euch emporschauen werden, da die Wuyderkraft Eures Geistes sie alle fesselt und mächtig beherrscht. O welch herrlicher Lohn wird das sein für alle Folter und Qualen. — Tirzah." fuhr er, sich aufraffend,' fort, „Tirzah, es ist nun Zeit, daß ich gehe. Doch laß Dir eines noch sagen.‘ Es ist ein Mann unter Euch, ich sühl's, den fremder Sinn beseelet. Sieh, zu den anderen Völkern er schaut und neidet ihnen den Wohlstand. O, Tirzah. schau, ich gehöre zu den andern Völkern. Zu Englands Volke gehöre ich. Wir haben ein schönes Land zu Besitz mit Acker, Burg und Wäldern. Uns deckt der Ruhm mit glänzendem Strahl, denn wir besiegten die. Feinde. Ein König sitzt auf unserem Throne, der Stolz der Ritter der Erde. Und dennoch, ach, wie beneide ich Euch, wie kränkt's mich, daß ich nun muß scheiden. Denn das habe ich erkannt und fühle es wohl und werde es nimmer vergessen: Nicht das Volk der Juden bedarf zumeist der einstigen Erlösung. Das Volk der Juden, das ward schon erlöst an jenem Tage am Sinai.. Sein Geist schon kennet die Lehre des Herrn, die einzige, einzige Wahrheit. Sein Leib nur leidet im grausen Exil, sein Geist, ist hoch und erhaben. Sein Geist ist frei und hell und licht, der Geist des Herrn ja ist es. Erlösung vor allem bedürfen wir, die armen Völker der Erde. Wir waren nicht reif, daß sich zu , uns der Herr herniederließe. Wir müssen nun selbst aus eigener Kraft uns empor ringen zu Euch Juden. Ihr seid die Wahrheit und braucht kein Land, denn

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