Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 51 (29.6.1903)
- Date
- 1903-06-29
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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, Berlin, im Juni. Auf Einladung des Vorstandes der Synagogengemeinde Breslau trat dieser Tage das Komitee für die Organisation der Rückwandererfrage im Sitzungssaale der Armenkommiffion in Berlin zusammen. Die Aufgabe dieser Organisation ist, rückwandernden Leuten, die von Uebersee kommen oder von Hafenorten, wo sie für Uebersee ungeeignet befunden wurden, die Heimreise zu ermöglichen. Dem in dieser Sitzung von Herrn Qschinsky -Breslau erstatteten Kassenbericht zufolge betrug die Einnahme 4884.55 Mark, die Ausgabe 2027.60 Mk., somit einen Vaarbestand von 2856.95 Mk. Der Berichterstatter bedauert. daß von 85 Gemeinden, Instituten und Logen, an die der Aufruf zum Beitritt oder zur Unterstützung der Organisation ergangen ist. nur einige geantwortet. Herr L a s k a r - Hamburg meint, man müsse sich nicht an die einzelnen Logen, sondern an die Großloge wenden, daß sie dem Komitee beitrete. Es wird darauf beschlossen, daß Herren des Komitees dem Großmeister der Loge einen Besuch abstatten und ihm die Wünsche des Komitees unterbreiten sollen. Der Antrag Laskar-Hamburg, den Vorort der Organisation von Breslau nach Berlin zu verlegen, da fast alle Rückwanderer über Berlin reisen müssen, wird unter Hinweis auf die vorzügliche Führung der Geschäfte in Breslau, sowie in Anbetracht des Umstandes, daß Berlin schon ohnedies mit Geschäften belastet sei,, abgelehnt. Herr Dr. Cohn- Kattowitz führt aus, daß bei den knappen Mitteln immer noch sehr viel Geld vergeudet werde und zwar, weil Ungarn und Rumänen nach Kattowitz geschickt werden, um sie von dort aus weiterzusenden, statt sie gleich nach Oderberg zu befördern, welches die richtige Grenze wäre, ebenso sollten Rückwanderer nach Posen und Thorn geschickt werden, wenn sie nach Lodz oder Warschau wollen. Ferner sei es nicht angebracht, den Rückwanderern das Reisegeld einzuhändigen. sondern ihnen die Fahrkarten zu kaufen, denn es wären Fälle vorgekommen, daß sie das Geld zu anderen Zwecken verwerthet hätten und nicht weggefahren seien. Wie mitgetheilt wird, wird diese Praxis in Hamburg z. B. schon längst geübt. Sodann wird beschlagen, die Gemeinden Thorn, Allenstein, Königsberg. Profilen und Oderberg, die als Stationen für die Repatriirung überaus wichtig sind, aufzufordern, der Organisation beizutreten. Herr Laskar klagt darüber, daß bei der Zurückbeförderung in den meisten Fällen nicht nach einer festgesetzten Norm verfahren werde, worauf Herr Simon - Berlin erwidert, daß man bei Wohlthätigkeitsangelegenheiten nicht strikte nach Instruktionen handeln könne. Herr I. Borchardt -Berlin will, daß junge Leute nicht ohne weiteres nach Hause geschickt werden, er meint, man müßte ihnen vielmehr Arbeit verschaffen und sie eventuell in die Arveiterkolonie schicken. Herr Dr. C o h n-Kattowitz meint, es müßte versucht werden, Leute zu ihren Angehörigen, wenn auch nach England und Amerika, zu befördern, ebenso müßte es jenen Frauen, die zu ihren Männern nach Uebersee wollen, ohne deren nähere Adressen zu wissen, möglich gemacht werden, dorthin zu gelangen.; " Herr Oschinsky-Breslau theilt mit, daß Köln sich der Organisation anschließen will. Diese Nachricht wird von der Versammlung mit Freuden begrüßt. — Herr Dr. Cohn- Kattowitz bittet, die Rückwanderer nicht an Tagen vor den Samstagen und Feiertagen befördern zu lassen. Herr Laskar-Hamburg berichtet, daß der Hamburger Verein im vergangenen Jahre 23,770.75 Mk. für Durchreisende . ausgegeben habe. - Breslau, 23. Juni. Wir werden um Aufnahme folgender Notiz gebeten: Achtung! Wir machen alle Kaufleute, welche für den 1. Oktober d. I. Wechselverbindlichkeiten einzugehen beabsichtigen, darauf aufmerksam, daß auf den 1. Oktober (Donnerstag) d. I. das „Versohnungssest" fällt, und dürfte es sich empfehlen, schon jetzt bei der Ausstellung von Wechseln darauf Rücksicht zu nehmen und den Fälligkeitstermin zu verschieben. Eydtkuhnen, im Juni. In E i l l w i s ch k e n, zwei Stationen hinter Wirballen, wurden dieser Tage große Demonstrationen der russischen Bauern gegen die Juden befürchtet, aber auf das energische Eingreifen des neuen Landraths Baron von Mirbach-Willkowischken sofort im Keime erstickt. — Der Bürgermeister von Wirballen, der mit der dortigen Einwohnerschaft wegen eines von ihm um den Stadtgarten angebrachten spitzen Stacheldrahtzaunes in Fehde steht, hatte die Hausbesitzer aufgrfordert, auf ihre Kosten Scharwerker zur Instandhaltung der Landwege zu stellen. Sie stritten dagegen. Der Friedensrichter in Willkowischken gab den Hausbesitzern Recht. Der Bürgermeister (jedenfalls kein Philoscmit) appellirte dann beim „Sjesd" (Zusammenkunft mehrerer Richter) in Maryanpol mit dem Bemerken, daß die Hausbesitzer der Obrigkeit Widerstand (?) leisteten. Auch diese Instanz sprach sich zu Gunsten der Hausbesitzer aus, diktirte ihnen aber, wegen des angeblichen Widerstandes (?) eine Geldstrafe von zehn Rubeln oder drei Tage Arrest zu. Seit einigen Tagen wandern denn 66 — größtentheils jüdische — Hausbesitzer in Abständen nach dem unverdienten Arrest. Die gegensätzliche Geldstrafe verwenden sie dagegen zu wohlthätigen Zwecken, um nicht umsonst — ihrem zänkischen Bürgermeister zu Liebe — den Polizeisäckel zu füllen. Wie jetzt bekannt wird, haben sich die Hausbesitzer nunmehr an den Petersburger Senat gewandt. — Herr L. Rubinowitsch- Wirballen har für geschäftlich hervorragende Tüchtigkeit von der von ihm vertretenen Allerhöchst bestätigten Großen Feuer-