Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 50 (25.6.1903)
- Date
- 1903-06-25
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
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Hände der Henker zu fallen. Domitian mordete blindlings, da er durchaus diesen königlichen Sproffen ermitteln wollte. Man verfolgte nicht nur die Juden, sondern damals auch Alle, die sich zum jüdischen Glauben bekehrten. Akiba hatte viele Heiden unter seinen Schülern. Römerinnen und ganze Familien nahmen den Monotheismus der Hebräer an. Man bestrafte sie mit dem Tode, der Verbannung, dem Verlust ihres Vermögens. So verdammte Domitian seinen Vetter Flavius (Clemens), den er in Verdacht des Uebertritts zum Judenthum (vielleicht auch zum Christenthum) hatte, zum Tode, und dessen Gemahlin Domitilla zur Verbannung. Die Ueberlieferung erzählt, daß Akiba sich nach Rom begab, um dem schon beschlossenen Blutbade vorzubeugen, und daß ein Senator, der ihm dazu verhalf, dies mit dem Leben bezahlte. Der Sterbende soll Akiba seine Habe vermacht haben. Nach dem Tode Domitians, in der kurzen Zeit der Herrschaft Neros, hatten die Juden ein paar Jahre Ruhe. Man kürzte die Verfolgungen ab und hob die ihnen auferlegten Steuern auf. Das erste Jahrzehnt der Herrschaft Trajans war auch noch ziemlich glücklich, es sollte schmerzlich gebüßt werden. Der Feldzug Trajans gegen die Parther, während dessen die in Syrien, Mesopotamien, Armenien und Persien zerstreuten Juden ihm Widerstand leisteten, machte die Römer zu ihren erbitterten Feinden. In Syrien mordeten die Legionen eine Menge Juden. Hadrian verfolgte besonders die Gelehrten, die das Nationalgefühl nährten und erhielten. Ein jüdischer Aufstand erfolgte zur Zeit des Aufruhrs am Euphrat, und die Juden benutzten dies dazu, um in Cyrene, Cypern und Aegypten viele Römer zu morden. Akiba saß in diesen Schreckenszeiten nicht über den Büchern und in der Schule, sondern wurde ein Mann der That. Er legte sein Lehramt nieder und begab sich in ferne Länder, um den Muth seiner Brüder zu erwecken, indem er unaufhörlich sein Leben preisgab. Er durchwanderte so Cyrene, Cypern und Aegypten, entlegene Inseln und Burgen, und säte überall den Samen des künftigen Aufstandes. Während dieser Wanderungen war er auch nach Nisibis gelangt, einem damals wegen seiner Schule berühmten Orte Arabiens. Es ist eine erwiesene Thatsache, daß die Israeliten an der erkämpften Unabhängigkeit der persischen Burgen großen Antheil hatten. In Cyrene war ihr Anführer ein gewisser Andreas, in Cypern Artemion. Trajan kämpfte in Babylonien, aber Lupus, sein Feldherr, wurde in Aegypten von den Aegyptern und den mit ihnen verbündeten Inden geschlagen. Andreas begab sich nach Palästina, um die dortigen Juden aufzuwiegeln. In Mesopotamien wuchs der Aufstand unter den Augen des Kaisers. Zuletzt aber beruhigte Martins Turbo Cyrene; Andreas fiel im Kampfe, Hadrian siegte in Cypern, Lucius Quietus am Euphrat. Zur Belohnung erhielt er die Herrschaft Palästinas. Nach diesen Vorfällen kannte die Rache der Rönier gegen die Israeliten keine Grenzen. Es begann eine grausame Verfolgung des Glaubens und des Vol< kes.. Man verbot den Juden bei Todesstrafe, ihre religiösen Vorschriften zu halten. Man glaubte, indem man den Glauben ausrottete, dadurch das Volk zu vernichten. Akiba zeigte sich mitten in diesen Verfolgungen unermüdlich und unerschrocken. Er erhielt den Muth der Brüder aufrecht und fand Mittel und Wege zum Widerstande und zur Umgehung der grausamen Vorschriften. Man beschloß, die Geheimnisse des Glaubens und die religiösen Gebräuche in den Häusern zu bewahren und zu begehen. Akiba bemühte sich, auf seinen Reisen, die er fortwährend, sein Leben preisgebend, unternahm, das Mitleid der zerstreuten Brüder für diejenigen zu erwecken, welche die Verfolgung erdulteten, und ihnen Hülfe zu verschaffen. Mit seiner Veredtsamkeit rührte er zu Thränen, wenn er das Volk mit Hiob vergliche f Anscheinend verknüpften ihn frühere Beziehungen insgeheim mit dem berühmten Bar Kochba. Man fürchtete um sein Leben. Auf dem Todtenbette mahnte ihn Eliesar, er möge sich auch ferner der Bücher befleißigen. Man begann jedoch, Rabbiner, und Gelehrte grimmig zu verfolgen. Rufus ließ die Ueberrcste des zerstörten Tempels vernichten, damit sie keine Erinnerungen und Klagen erwecken. Gamalkel wurde zum Tode verurtheilt. Quietus erfüllte streng die Urtheilssprüche Trajans, die Juden aber ertrugen mannhaft die Verfolgung und hingen dem Glauben und der Nationalität, deren Erhaltung für sie zum Tröste wurde und ihre Hoffnung nährte, immer inniger an. Man zählte nur wenig Abtrünnige. Unter ihnen war Elisa, ein Gelehrter im israelitischen und griechischen Rechte, dessen Verrath Alle betrübte. Elisa überfiel, die Römer mit sich führend, eine Versammlung von Rabbinen, zwang sie zur Unterbrechung ihrer Ceremonien und enthüllte die Art und Weise, wie sie sich den Verfolgungen der Römer zu entziehen suchten. Damals fürchteten die Aelteren, durch einen ähnlichen Verrath der eigenen Brüder könne das ganze Volk zum Abfalle gezwungen werden. Ein geheimer Rath versammelte sich. Man suchte nach Rettungsmitteln und beschloß, falls Jemand, mit dem Tode bedroht, gezwungen werde, das Mose'schc Gesetz zu brechen, diese Schwäche zu entschuldigen, um das Leben der wenigen Beharrlichen zu retten. Nur in drei Fällen sollte die Bedrohung mit dem Tode nicht schützen: wenn es sich um Mord handelte, um Götzendienst und um Unkeuschheit. i