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Der Israelit · 1903-06-25 · Heft 50 (25.6.1903) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 50 (25.6.1903)
Date
1903-06-25
Page
– (sequence 20)
Language
German
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In diesem Augenblicke erwürgte eine wilde Katze ihm den Hahn. " „Was Gott thut, das ist wohlgethan!" sprach er auf's Neue. Ein Wolf schlich sich heran und zerriß ihm den Esel. Nochmals wiederholte er ruhig obige Worte. Die Ueberlieferung aber erklärt, daß ihm in der That alle diese Verluste und Plagen zum Vesten waren und ihm das Leben retteten. Demuth und Vertrauen auf die Vorsehung sind die ausgevrägten Eigenschaften von Akibas Charakter. Einst am Sterbebette eines aufgeklärten Mannes zeigte sich, während die Uebrigen seine Schmerzen theilten, Akiba allein heiter und rührig. Man fragte ihn nach der Ursache. „Es gibt keinen Menschen ohne Sünde," sprach er. „Ich freue mich also, daß dieser durch Leiden seine Schuld abbüßt!" Ein anderer Gelehrter lag auf dem Krankenbette darnieder. Drei Greise besuchten ihn zusammen mit Akiba. Der Erste von ihnen begann ihn zu rühmen: „Seine Lehre ist ersprießlicher für Israel, als der Regen für die Erde. Während der Regen die Fluren erfrischt und zu körperlichem Leben erweckt, besänftigt seine Weisheit die Seele zu geistigem, ewigem Leben." „Seine Weisheit ist nützlicher, als das Sonnenlicht," sprach der Zweite. „Denn das Sonnenlicht führt uns auf Erden, seine Lehre aber zum Himmel!" „Du bist," sprach der Dritte, „für Israel mehr, wie Vater und Mutter! Sie gaben uns das irdische. Du gabst uns das himmlische Leben!" „O, wie süß ist es, auf Erden zu leiden!" begann. Akiba. als an ihn die Reihe kam. Da wandte sich der Kranke tiefgerührt zu den Anwesenden und sprach: „Richtet mich auf, damit ich diese heiligen Worte besser höre!" Mitten unter den Leiden des Volkes sprach Akiba einst: „Israel geziemt der Schmerz, wie dem Zelter die P.urpurzügel!" Sein Glaube war, man könnte sagen, verschämt. Er schloß sich ein zu langen Gebeten. In Gegenwart der Menschen betete er ganz kurz und erfüllte eifrig die allgemeinen Lebenspflichten. Trotzdem die Schrift befiehlt, die Festtage durch bessere Kleider und Speisen auszuzeichnen, war Akiba in Beiden immer sehr einfach. „Gott," sagte er, „verzeiht leichter die Sünden, die gegen ihn begangen worden, als die zum Schaden der Nächsten. Gerechtigkeit gebührt sich nicht nur gegen die Israeliten, sondern auch gegen die Heiden." Sehr bezeichnend für die Epoche, den Weifen und seine Lehre, ist eine Aufgabe in der praktischen Moral, die man nach orientalischer Sitte den Gelehrten zu lösen gab. Hwei Menschen befinden sich in der Wüste. Sie haben eine kleine Flasche mit Wasser bei sich, welche für einen hinreicht, aber durchaus nicht für zwei. Was sollten sie thun? Theilten sie das Wasser, so reichte es nicht aus, um Beide zu retten. Beide also waren verloren. Man löste die Aufgabe verschieden. Biele waren dafür, daß Beide sich das Wasser theilen und dann kerben sollen. Akiba hielt es für die Pflicht des Einen, daß er sich opfere und dem Andern das Leben erhalte. Seine Lösung beruhte also streng auf Pflicht und Recht, aber nicht auf Liebe. Ein andermal erklärte er sich auch gegen die gerichtliche Todesstrafe, da er ein Menschenleben sehr hoch schätzte. Nachdem er reich geworden durch den Schwiegervater. war Akiba der Vater der Armen, der Führer und Vormund aller wohthätigen Vereine. Er sagte: „Wer einen Kranken nicht rettet, macht sich ebenso.schuldig, als wenn er ihn tödtet." Die Heiligkeit der Ehe hielt er sehr hoch. Die Zerstörung Jerusalems und des Tempels und die Marter des ganzen Volkes erschütterten in ihm nicht den Glauben an die Vorsehung und die Unfehlbarkeit der göttlichen Gesetze und die Hoffnung auf Barmherzigkeit. Als sie die Sieger sahen, weinten die ihn Umgebenden. Er allein lächelte ruhig auf den rauchenden Trümmern der heiligen Burg. Er tröstete sich mit der unüberwindlichen Hoffnung auf eine bessere Zukunft. So ward er für seine Mitbrüder eine Zuversicht. Er erhielt sie aufrecht in den Tagen des Zweifels mit der Liebe zu ihrem Volke und der Anhänglichkeit zum Glauben und zu den Gebräuchen. Trotzdem erfüllte feilte Seele gegen das Ende seines Lebens ein gewaltiger Zorn wider die Römer, seine Unterdrücker. Bereit zum Märtnrerthum, schien er es zu erwarten. Akiba lebte zur Zeit der gewaltigsten Verfolgung der Römer, des schrecklichen, gottlosen Blutvergießers unter seinen Brüdern, zu den Tagen des Kaisers Domitian, die man nach Mordthaten zählte, da ein Verdacht und die Phantasie rachgieriger Feinde genügten, um die Menschen der Folter zu überliefern. Die Lage der Juden war schrecklich, obgleich man sie nicht mehr als die übrigen Andersgläubigen verfolgte. Die Wunden waren noch zu frisch, um allzusehr zu schmerzen. Die Vespasianische Unterdrückung zog sich in die Länge. Mit ihr verband sich die Verachtung und schändliche Mißhandlung der Juden. Man konfiszirte das Vermögen derjenigen, die es vor dem Raube verbergen wollten; man verfolgte die Ruhigen. In diesen Tagen der Marter verbreitete sich die Kunde, unter den Juden befinde sich ein Nachkomme Davids. Man befürchtete, die Juden konnten sich unter diesem Führer empören.- Man befahl, sorgfältig nachzuspüren. Der leiseste Verdacht genügte, um in die —

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